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Eintrag vom:
11.12.2009

VBE-Umfrage zur Sprachkompetenz nach Delfin 4

Pressemeldung VBE-NRW 11.12.09

VBE: Lehrkräfte vermissen Wirkung

Zu Beginn des laufenden Schuljahres sind die ersten Kinder eingeschult worden, die den Sprachfeststellungstest Delfin 4 absolviert haben. Der VBE hat dies zum Anlass genommen, um unter den Klassenlehrerinnen und -lehrern der 1. Jahrgänge eine Umfrage zur Wirkung der Sprachförderung durchzuführen.

Insgesamt waren 1.761 Fragebögen auswertbar, das ist etwa ein Drittel der Klassenlehrerinnen der 1. Jahrgänge in NRW. 64,5% geben an, dass nicht alle Kinder „vom ersten Schultag an die Unterrichtssprache Deutsch altersgemäß beherrschen“. Das hatten die an den Sprachstandsfeststellungen beteiligten Ministerien (MSW und MGFFI) als Ziel der zusätzlichen Sprachförderung formuliert.

1.600 Lehrerinnen und Lehrer gaben an, Kinder mit nicht deutscher Herkunftssprache zu unterrichten. Hiervon stellen 51,4% keine Verbesserungen im Vergleich zu den vorherigen Jahrgängen fest, die keine Sprachförderung erhalten haben. Bei den Kindern mit deutscher Herkunftssprache geben 77,1% an, keine Verbesserungen im Vergleich zu den Jahrgängen ohne Sprachförderung feststellen zu können.

„Für den VBE ist das ein Zeichen dafür, dass die versprochene Sprachförderung bei den Kindern nicht in ausreichendem Maß ankommt“, kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann diese Umfrageergebnisse. „Wir halten es für erforderlich, die Wirksamkeit der Sprachförderung wissenschaftlich zu überprüfen, um Verbesserungen in die Wege leiten zu können.“

Das Land stellt den Kindertageseinrichtungen pro Kind mit Sprachförderbedarf 340 Euro im Jahr zusätzlich zur Verfügung. Gleichzeitig wurden aber in der Folge des Kinderbildungsgesetzes z. T. erhebliche Stellenkürzungen vorgenommen.

„Wenn die Kindertageseinrichtung dann zwar Material für die Sprachförderung kaufen kann, aber nicht ausreichend Personal dafür zur Verfügung hat, hilft das den Kindern nicht“, so Beckmann.

Geschrieben von Administrator am 11.12.2009


Eintrag vom:
08.01.2009

Sprachstandstest “Delfin4” in den Kindergärten

Was ist Delfin 4?
Delfin 4 – das ist die Abkürzung für Diagnostik, Elternarbeit und Förderung der Sprachkompetenz 4-Jähriger in NRW. Gemeint ist ein Verfahren zur Sprachstandsfeststellung, das im Auftrag des Schulministeriums an der Uni Dortmund von Frau Prof. Fried entwickelt wurde und das flächendeckend im Frühjahr 2007 zum ersten Mal angewendet wurde. Dieser erste Test wurde 2008 überarbeitet.
Mit dem Sprachstandstest „Delfin4“ soll die entwicklungsgemäße, Entwicklung der deutschen Sprache 4-jähriger Kinder im Hinblick auf die zukünftige Schulpflicht getestet werden.

Warum ist ein Sprachstandstest notwendig? (Ziel von Delfin 4)
Bisher erfolgte diese Sprachstandsfeststellung durch die Kinderärzte spätestens bei der Vorsorgeuntersuchung U8 bei Kindern im Alter zwischen 3 1/2 und 4 Jahren. Die Ärzte empfahlen gegebenenfalls Sprachtherapie oder zumindest den Besuch des Kindergartens. Das Problem hierbei war jedoch, dass die Vorsorgeuntersuchungen nicht verpflichtend waren und daher häufig insbesondere die betroffenen Kinder nicht erfasst wurden. Daher gab es zu viele Kinder, bei denen erst bei der Schulanmeldung auffiel, dass ihre Sprachentwicklung nicht altersgemäß war. Daher ist es das Ziel, frühzeitig Sprachentwicklungsdefizite zu erkennen, um genügend Zeit zu haben, diese zu beheben bzw. zu verringern.
Vor diesem Hintergrund ist jede Anstrengung zu begrüßen, die flächendeckend der Förderung der Sprachentwicklung dient. Schließlich sollen alle Kinder möglichst gleiche Ausgangschancen für die Lernentwicklung in der Schule haben.
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Wie ist der Ablauf von Delfin 4?
Im ersten Schritt (Stufe I) werden bei allen Kindern, die Kindertageseinrichtungen (kurz KiTa) besuchen, in einem 20 - 30 Minuten langen Spiel in Vierergruppen getestet, ob die deutsche Sprache bei ihnen altersgemäß vorhanden ist. Dieses wird in einem Verfahren bewertet, woraus sich eine Einteilung in 3 Gruppen vornehmen lassen (ähnlich dem Ampel-Prinzip):

Grüne Gruppe = Sprachentwicklung altersgemäß
Gelbe Gruppe = es bestehen Zweifel, ob die Sprachentwicklung altersgemäß ist
Rote Gruppe = es ist eindeutig, dass die Sprachentwicklung nicht altersgemäß ist, zusätzliche Förderung ist notwendig

Bestehen Zweifel (gelbe Gruppe), werden diese Kinder in einem zweiten, etwa 40 Minuten dauernden Einzeltest (Stufe II) genauer untersucht. In dieser Stufe II müssen auch all die Kinder teilnehmen, die keine KiTa besuchen oder – aus welchen Gründen auch immer – am Gruppentest nicht teilgenommen haben. Am Schluss dieser zweiten Untersuchung wird entschieden, ob das Kind Sprachentwicklungsbedarf hat und an einer vorschulischen Sprachfördermaßnahme teilnehmen muss oder nicht.

Die Teilnahme an der 2. Stufe des Sprachstandsfeststellungsverfahrens und an der Sprachförderungsmaßnahme selbst stellt einen Vorgriff auf die Schulpflicht dar und ist daher verpflichtend. Ziel ist, dass wirklich alle zukünftigen Schulkinder getestet und ggf. gefördert werden


Welche Auswirkungen hat Delfin 4 auf den Unterricht an den Grundschulen?

In Stufe I testen eine Erzieherin der KiTa und eine Grundschullehrerin gemeinsam die Kindergartenkinder in Vierergruppen in einem Spiel. Hier wird für jede Vierergruppe ca. 30 Minuten angesetzt, in denen Grundschulunterricht und Kindergartenarbeit nicht in gewohnter Weise stattfinden. In der zweiten Stufe – die von der Grundschule grundsätzlich allein durchgeführt wird – ist pro Kind eine Lehrerstunde anzusetzen, die ebenfalls nicht für Unterricht zur Verfügung steht. Die Schulleitung ist verpflichtet, diese Stunden aus dem Förderstundenpool zu nehmen und auf mehrere Lehrer zu verteilen, so dass nicht nur eine Klasse vom Stundenausfall betroffen ist. Es darf dafür kein Regelunterricht ausfallen.

Dieses betonte die Ministerin u.a. auf der Pressekonferenz am 12. Februar 2007:
„Zusätzliches Personal an den Grundschulen ist für diese Aufgaben nicht erforderlich. Die Grundschulen verfügen über deutlich mehr Personal als zur Erteilung des Unterrichts laut Stundentafel rein rechnerisch nötig ist. Auf dieses Personal werden wir zurückgreifen. Für die Praxis bedeutet das: Es wird zu keinem Ausfall von Regelunterricht im Rahmen der Sprachstandsfeststellungen kommen. Allerdings könnten zusätzliche Förderangebote für einen Zeitraum von 2 - 3 Wochen reduziert werden.
Um Ihnen die Größenordnung einmal zu verdeutlichen: In der 1. Stufe beträgt der Zeitaufwand pro Schule für 3 Lehrkräfte etwa 4 - 5 Zeitstunden im Jahr. Der mit den Sprachstandsfeststellungen zunächst verbundene Einsatz trägt in jedem Fall zu einem späteren Zeitpunkt “Zinsen”: Die durch die Sprachförderung verbesserte Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler erleichtert dann die Arbeit der Lehrkräfte.“


Was passiert danach? Wie soll gefördert werden?

350 € erhalten die Träger der KiTas für jedes Kind, das an der Sprachförderung teilnehmen muss. Davon sind in den zwei Jahren vor der Einschulung die Maßnahmen in den KiTas zu bezahlen und auch die Förderkurse für die Kinder, deren Eltern auch nach intensiver Beratung ihr Kind nicht in einen Kindergarten schicken wollen oder können.
350 € pro Kind – pro Jahr: Bei Förderung in Fünfergruppen sind das 1650 € pro Jahr pro Gruppe; bei 40 Wochen und täglich einer Stunde Förderung könnte die Fachkraft für diese Arbeit mit einem Stundenlohn von 8,25 € rechnen.


Unsere Meinung dazu…

Die Idee der Sprachstandserhebung ist auch unter Berücksichtigung der PISA- und anderen Studienergebnissen sehr sinnvoll. Sicherlich gibt es auch die ein oder andere „Kinderkrankheit“ des Tests, die aber hoffentlich in der Weiterentwicklung beseitigt werden können.

Um den Kindern eine möglichst gleiche Ausgangsbasis für den Schulstart zu ermöglichen, ist die Entwicklung der deutschen Sprache die Grundvoraussetzung. Wie die Ergebnisse vieler Studien zeigen (s. unten unter „Links“), liegt hier jedoch vieles im Argen.
Nun ist die Frage, wie am besten auf diese Defizite reagiert wird. Um die deutsche Sprache in allen Familien zu entwickeln, insbesondere in den wirklich betroffenen Familien – häufig aus bildungsfernen Schichten –  ist die einzige Möglichkeit die verpflichtende Förderung. Und diese kann nur in der Schule ansetzen, da hier Schulpflicht besteht.

Des Weiteren kennen die Grundschullehrer am besten die Anforderungen an die Schulkinder und deren derzeitigen Defizite mit den daraus resultierenden Problemen. Insofern ist es eine sehr sinnvolle „Investition“ in die Zukunft, denn wenn die Kinder frühzeitig in der Sprache gefördert werden, gibt es wesentlich weniger Probleme nach der Einschulung. Der Unterricht kann im Stoff vorangehen und hängt nicht z.B. bereits beim Verständnis der Aufgabenstellung fest, weil die Kinder die Anweisung der Lehrer nicht verstehen.

Dies sollten wir auch bedenken, wenn wir als Eltern uns über Unterrichtsausfall an der Grundschule beschweren. In Maßen ist er sinnvoll, jedoch darf eine übermäßige Belastung für nur eine Klasse nicht erfolgen. Zumal auch nur Förderstunden dafür ausfallen dürfen. Entfällt dafür Regelunterricht, sollte sich die jeweilige Schulpflegschaft an die Schulleitung wenden, damit diese die Verteilung besser organisiert bzw. auffängt (siehe auch oben).

Ein äußerst kritischer Punkt ist die Umsetzung der Förderung nach Feststellung des Förderbedarfs z.B. in den KiTas. Hier ist bisher nicht klar geregelt, wie eine Sprachförderung aussehen wird. Derzeit sind die oben beschriebenen Fördermittel pro Kind bereitgestellt, deren Nutzung obliegt den KiTas. Zudem ist fraglich, ob bei diesem Lohn genügend Sprachlehrer gefunden werden.
Hier ist noch großer Klärungsbedarf. Daher ist noch nicht klar, ob sich diese „Investition“ wirklich auszahlt –  und dies ist unserer Meinung nach der eigentliche Knackpunkt:

Dem Kraftakt „Sprachstandsfeststellung“ müsste eigentlich der größere Kraftakt folgen: Die umfassende „Sprachförderung“.

Fragen Sie in Ihren oder Ihnen bekannten KiTas, wie dort die Sprachförderung umgesetzt wird…

Schließlich verspricht das Ministerium eine Maßnahme, die bei allen Kindern jene Deutschkenntnisse aufbaut, die zum erfolgreichen Start in der Grundschule erforderlich sind.

Links zu weiteren Informationen:

www.rheinahrcampus.de/fileadmin/studiengaenge/kita/Fachtag07/Referate/STACHOWIAK_-_Vortrag_Remagen_Teil_2.doc

http://www.bonn.de/rat_verwaltung_buergerdienste/buergerdienste_online/buergerservice_a_z/01446/index.html?lang=de

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Konferenzen14LP/2007/Sprachstand/Fried/index.html

http://www.delfin4.fb12.uni-dortmund.de/

Text als FactSheet zum download [pdf 36KB]

Geschrieben von Administrator am 08.01.2009


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