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Quo vadis G8

Im Zuge der Schulzeitverkürzung wird mit dem Ende des Schuljahres der Doppeljahrgang die Schulen verlassen und sich somit die Schülerzahlen an den Schulen um einen Jahrgang verringern. Der Logik der bisherigen Personalzuweisung an den weiterführenden Schulen folgend wird die Landesregierung angesichts eines komplett fehlenden Jahrgangs an den Gymnasien in NRW 5000 Lehrerstellen streichen.  Auch wenn Ministerin Löhrmann bei der Mitgliederversammlung der Landeselternschaft der Gymnasien versprochen hat, „dass der Personalüberhang am Gymnasium,  der durch die Entlassung des doppelten Abiturientenjahrgangs entsteht,  voraussichtlich bis zum Schuljahr 2014/15 mit 1.000 Stellen abgefedert“ werde, werden die Gymnasien Netto mit einem Stellenabbau von rund 4000 Stellen im kommenden Jahr konfrontiert.

Demgegenüber hat sich aber die Wochenstundenzahl bis zum Erreichen des Abiturs beim Wechsel von G9 auf G8 nicht geändert und liegt unverändert bei 265 Stunden. Aus Sicht der Eltern an den Bonner Gymnasien ist damit die geltende Schüler-Lehrer-Relation für die Gymnasien, die sich am G9-Bildungsgang orientiert, überholt und entspricht nicht der Personalanforderung an unseren Schulen. „Es muss der wirkliche Bedarf an Lehrern auf der Basis der zu erteilenden Sollstundenzahl im achtjährigen Bildungsgang ermittelt werden“, so Hartmut Dutz, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft Bonn.

Fehlende Lehrerinnen und Lehrer sind in der Regel gleichbedeutend mit Unterrichtsausfall, eine allgemeingültige Erfahrung, die Eltern aller Schulformen täglich machen. Dies wiederum kann für die Gymnasien nur bedeuten, dass die für das Zentralabitur verbindlichen Inhalte nicht unterrichtet werden können. In Zeiten, in denen der Notendurchschnitt des Abiturs ganz entscheidend den Einstieg in die universitäre Ausbildung und damit die weitere berufliche Entwicklung der Kinder bestimmt, sind Stellenkürzungen in den Gymnasien eine unzumutbare und wenig nachhaltige Bildungspolitik.  Darüber hinaus ist der Schulalltag in den Gymnasien zunehmend durch Heterogenität geprägt. Die Anforderungen unter G8 haben zu einer Öffnung der Schere zwischen sehr guten und schwachen Schülerinnen und Schülern geführt. Aus Sicht der Eltern ergibt sich im Bereich der individuellen Förderung und Forderung ein erhöhter Bedarf, der den politischen Vorgaben folgend in Projekt- und Vertiefungskursen geleistet werden soll. Wie angesichts der voraussichtlichen Stellenkürzung der vorgesehene Stundenrahmen gerade in diesem Bereich abgedeckt werden soll, ist allen Beteiligten ein Rätsel.

Im Umkehrschluss bedeutet aber der Stellenabbau in den Regionen und Schulen, die vom demografischen Wandel nicht betroffen sind und hierzu zählt auch absehbar die Stadt Bonn, dass die Klassen- und Kursfrequenzen deutlich erhöht werden müssen. Die politisch beabsichtigte Absenkung der Klassen- und Kursfrequenzen sind damit unrealistisch und unglaubwürdig.  Dass die Sorge der Eltern nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt die Entwicklung an den Gymnasien, die die Schulzeitverkürzung freiwillig um ein Jahr vorgezogen und deren Schülerinnen und Schüler im doppelten Jahrgang sehr erfolgreich in diesem Sommer (2012) ihre Schullaufbahn mit dem Abitur abgeschlossen haben. Diese Schulen werden aktuell mit der beschriebenen Situation konfrontiert und suchen mit viel Eigeninitiative und Engagement nach Lösungen und Wegen ihren Schülerinnen und Schülern weiterhin einen guten Unterricht anzubieten.

Die Stadtschulpflegschaft Bonn hat sich in den vergangenen Jahren für die Schulzeitverkürzung als Chance zur Schulentwicklung in den Gymnasien eingesetzt, um allen Kindern auch in der schwierigen Übergansphase die Freude an der Schule und dem Lernen zu erhalten. „Schule neu denken“, das war und ist die Maxime der Bonner Elternvertreter für diesen Umbruch im Gymnasium lange bevor Frau Sommer dieses Ziel für sich vereinnahmte. Auch nach fast 8 Jahren ist das Vorhaben G8 noch nicht abgeschlossen und die Liste der offen Fragen und Problemen ist lang: hohe Klassenfrequenzen in der Sek I, verdichtete Inhalte, fehlende Zeit diese Inhalte zu vertiefen, nicht angepasste Curricula in der Oberstufe und die weiterhin hohe Stundenbelastung für alle sind nur die Spitze des Eisbergs. Leider müssen die Eltern jetzt feststellen, dass die Bildungspolitik die Gymnasien auf dem Weg der Schulentwicklung offenbar nicht mehr unterstützt und sich anderen Politikfeldern widmet. Die geplante Stellenkürzung ist aus Sicht der Eltern nur Ausdruck dieser Verschiebung der Schwerpunkte. Darum fordern die Bonner Elternvertreter jetzt in einem Schreiben an Schulministerin Löhrmann [pdf 93KB] den Erhalt der Stellen für ihre Gymnasien. „Die Schulzeitverkürzung hat große Veränderungen in den Gymnasien mit sich gebracht und wir sind noch weit von der Normalität der ehemaligen G9-Zeit entfernt. Die voraussehbare Stellenkürzung ist ein Rückschlag auf dem Weg zu eben dieser Normalität. Wie sollen wir unter diesen Bedingungen in den Schulgemeinden für ein inklusives Gymnasium werben, das unsere Kinder in acht Jahren erfolgreich zum Abitur führt?“,  so der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft.

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