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Eintrag vom:
11.05.2011

Mehr Verbindlichkeit, weniger Freiheit

Reform der Oberstufenreform - Zurück in die Zukunft?

Pressemeldung SPIEGEL-Online 10.05.2011

von Markus Verbeet

Die Oberstufe macht einen fundamentalen Wandel durch: Im Klassenverband lernen die Schüler wieder einen festen Fächerkanon.

Die Schaltzentrale liegt gleich rechts hinterm Eingang, ein schmales Zimmer, zwei Computer, ein Konferenztisch, an der Wand hängen große Pläne voller Abkürzungen. “12 1DE”, “4”, “San”, so steht es auf einem Blatt ganz links oben, darunter viele Kästchen in bunten Farben.

Der Mann, der all die Codes erklären kann, tut es mit ruhiger Stimme. “Die Abkürzung steht für eine Deutschklasse in unserem zwölften Jahrgang, unterrichtet werden vier Stunden pro Woche, die Buchstaben bezeichnen den Lehrer”, sagt Thorsten Pfliegner, ein freundlicher 55-Jähriger in Jeans und Hemd. Er muss jedes Jahr aufs Neue für Ordnung in seiner Schule sorgen, in dem kleinen Zimmer versucht er alles zusammenzubringen: 100 Lehrer, 400 Oberstufenschüler und ungezählte Vorgaben des Kultusministeriums.

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Geschrieben von Administrator am 11.05.2011


Eintrag vom:
07.05.2010

Fragen zu bildungspolitischen Themen der Gruppe Gymnasium - Antworten Sigrid Beer (Bündnis90/Grüne

Eingegangen 07.05.10 per E-Mail

  1. Die Entkernung, Verschlankung der Lehrpläne kann und darf in Hinblick auf das Zentralabitur und die hier für Schule und Lehrer unklaren Vorgaben von der Politik nicht zur Aufgabe von Schule und Lehrer gemacht werden, bzw. in deren Verantwortung gestellt werden. Auch hier sind klare Vorgaben von Seiten der Politik erforderlich. Wie und wann ist mit klaren Vorgaben zu rechnen, die die Entkernung und Verschlankung der Lehrpläne zum Ziel haben und auch in Hinblick auf das Zentralabitur für Klarheit sorgen?
    Eine weitere Entfrachtung der Lernpläne ist nötig und muss schnellstmöglich umgesetzt werden. Es ist für uns derzeit nicht ersichtlich, ob oder inwieweit das MSW weitere Vorarbeiten getroffen hat. Größte Sorgfalt muss in der Tat auch der Vorbereitung des Zentralabiturs für den Doppeljahrgang gelten. Das gilt besonders für die Erweiterung des Aufgabenpools, damit angemessene Aufgaben gestellt werden.
     
  2. Die Verschlankung der Lehrpläne muss zur Reduzierung der aktuell gültigen Wochenstunden¬zahlen führen. Welchen anderen Sinn sollte es machen, Lehrpläne zu entschlacken, wenn nicht, Unterrichtszeit wieder auf ein dem Alter der Kinder entsprechendes Maß zurückzuführen. Sind Sie bereit, sich dafür einzusetzen, dass bei der KMK die Mindestwochenstundenzahl reduziert wird, oder haben Sie Alternativen, um vor allem die Sekundarstufe I zu entlasten?
    Neben einer zügigen Durchsicht der Lernpläne muss insgesamt ein Diskurs darüber stattfinden, welche Kompetenzen Jugendliche zur Lebensgestaltung benötigen. Wir haben schon lange dafür plädiert, die Qualität des Unterrichts in den Focus zu nehmen und eine Flexibilisierung bei den Stundenvorgaben zu erreichen. Entscheidend ist der klare Referenzrahmen (Bildungsziele und Bildungsstandards) für die Schulen. Auch wenn die Curricula durchforstet werden, wird Zeit für das Vertiefen und Üben benötigt. Der Ganztag ist ein Bildungskonzept, das ein anderes Lernen ermöglicht. Deshalb ist die Weiterentwicklung von Ganztagsangeboten unerlässlich.
     
  3. Schulreformen wie G8 erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind zudem kleinere Klassen notwendig. In welcher Weise würden Sie sich für eine Reduzierung der Klassengröße und eine zeitgemäße Lehrerfortbildung einsetzen?
    Die demografischen Effekte durch sinkende Schülerzahlen müssen für eine Qualitätsverbesserung genutzt werden. Dazu zählen auch Klassengrößen. Wir brauchen zudem eine Fortbildungsoffensive für die Lehrkräfte, da wir zur Bewältigung der Aufgabe, unser Bildungssystem zukunftsfähig zu machen, eine andere Lernkultur brauchen, die individuelle Förderung ermöglicht. Dafür müssen Lehrkräfte anderes Lernen und Lehren lernen.
     
  4. Nach Meinung vieler Eltern ist der ‚gefühlte‘ Ganztag zu undifferenziert ausgeprägt und vorbereitet worden. Die mit der Einführung von G8 eingeführte Wende zum Ganztag soll, vor allem aus Gründen der Chancengleichheit, unterstützt werden. Allerdings sollte dabei bei Reduzierung der Wochenunterrichtsstunden vor allem Angeboten, die der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dienen, mehr Raum gegeben werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Komplex?
    Der Umstieg auf G8 ist überstürzt und ohne gleichzeitigen Ausbau des Ganztag an Gymnasien erfolgt. Unseres Erachtens erfordert das G8 einen gebundenen Ganztag. Dazu gehört ein gesundes Mittagessen genau so wie Bewegungs- und Entspannungsräume. Der Ganztag als Bildungskonzept ermöglicht auch eine andere Rhythmisierung des Lernens. Schule muss als Ort des Lernens und Lebens entwickelt werden. Dazu gehört selbstverständlich nicht nur die Vermittlung fachlicher Kompetenzen. Personale, soziale und emotionale Kompetenzen gehören zu einer umfassenden Persönlichkeitsbildung und sind integraler Bestandteil des Bildungsauftrags. Dafür muss Raum und Zeit sein.
     
  5. Werden Sie in der jetzigen Situation den Schulen nach den guten Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Selbstständige Schule“ mehr Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung geben? Werden Sie sich auch für ein selbstverwaltetes Budget für Schulen einsetzen? Die Schulen wissen regelmäßig selber am besten, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. So könnten die oft langwierigen Entscheidungsprozesse nachhaltig verkürzt werden.
    Gute Schule wird vor Ort gemacht und kann nicht zentral verordnet werden. Das Modellvorhaben Selbständige Schule wurde von den Grünen eingebracht und war das erfolgreichste Schulentwicklungsprojekt der letzten Jahre. Daran wollen wir anknüpfen. Wir wollen die Entscheidungskompetenzen sowohl von Schulen wie von Kommunen deutlich ausweiten. Hierzu gehören Fragen der Unterrichtsorganisation, der Einrichtung und Größe von Lerngruppen, Personal- und Budgetverantwortung. Dabei wollen wir die Mitwirkung der Eltern und SchülerInnen stärken und die Drittelparität wider einführen.
     
  6. Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Dies führt zu hohen Kosten von bis zu 4,- € pro angebotenen Mittagessen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Kann in diesem Zusammenhang das Essensausgabe-Personal an Gymnasien aus den Mitteln des „Geld statt Stelle“- Programms finanziert werden? Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
    Wir wollen perspektivisch ein kostenloses gesundes Mittagessen kostenfrei für alle Schülerinnen und Schüler. Im ersten Schritt soll das Mittagessen für Kinder aus einkommensarmen Familien kostenlos werden. Die Kosten sollen hierfür vom Land getragen werden. Grundsätzlich sollte eine steuerliche Gleichsetzung der Gemeinschaftsverpflegung in der Hochschule, KiTA und Schule erfolgen, d.h. Umsatzsteuerbefreiung.
     
  7. Die bisherigen Erfahrungen und Wünsche von G8 müssen unseres Erachtens durch das MSW unter Einbeziehung aller an Schule Beteiligten evaluiert werden. Wie stellen Sie sich eine transparente Evaluation und Rückmeldekultur an LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen vor?
    Wenn den Schulen eine größere pädagogische Souveränität gewährt wird, wie z. B. auch die Möglichkeit G9 wieder anzubieten, ergibt sich dadurch eine intensive Rückmeldung über die Auswirkungen und den Änderungsbedarf. Übrigens führt das Internat Salem gerade ein “Salemjahr” wieder ein.
     
  8. Es ist eine ganz besondere Verantwortung der Politik, auf die schwierige Situation des G8/G9 Doppeljahrganges zu achten, zumal die ersten Jahrgänge von G8 bereits jetzt mit mancherlei Handicaps (fehlende Lehrpläne, fehlende Bücher, fehlende Mensen u.a.) belastet wurden. Wie gedenken Sie, die Doppeljahrgänge und deren Folgejahrgänge hier in den NRW-Hochschulen und sonstigen Ausbildungsstätten zu integrieren? Welche Maßnahmen planen Sie bzw. werden bereits durchgeführt?
    Die Landesregierung geht völlig unvorbereitet auf die Situation des Doppeljahrgangs 2013 zu. Wir haben Vorschläge hierzu gemacht. Wir werden zusätzliche Studienplätze zum Jahr 2013 schaffen, die auch dauerhaft bestehen bleiben sollen, um Defizite an den Hochschulen abzubauen. Wir wollen Einstiegsmöglichkeiten im Sommersemester, Vorziehen von Praxisanteilen aus Studiengängen, wo möglich. Ein Anerkennen von Leistungen aus freiwilligen sozialen/ökologischen Jahren für Studium und Ausbildung würde denjenigen nutzen, die 2013 ein FÖJ/FSJ machen. Wir brauchen neben zusätzlichen Studienplätzen auch mehr Ausbildungsplätze, damit es auf dem Ausbildungsmarkt nicht zu einem Verdrängungswettbewerb zwischen AbiturientInnen und den Haupt- bzw. RealschulabsolventInnen kommt. Deshalb wollen wir die Erhöhung der Ausbildungszahlen im öffentlichen Dienst und einen Pakt mit der Wirtschaft zur Steigerung des Ausbildungsangebots sowie den Ausbau vollzeitschulischer Angebote.
     
  9. Eine gute Bildung braucht auch eine vernünftige Bildungsinfrastruktur in den Schulen. Notwendige und auch zum großen Teil schon geplante und beschlossene Sanierungs-maßnahmen sowie die Modernisierungen der naturwissenschaftlichen Räume und weitere Maßnahmen dürfen aufgrund schwieriger Haushaltslagen nicht einfach gestrichen werden. Ein Kahlschlag im Bereich Schule und Bildung ist unverantwortlich. Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Gemeinden sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
    Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Land muss wieder aufgelöst werden. Wir wollen zudem die Mittel aus dem Solidarzuschlag Ost, für die es keine Projekte gibt und die bislang in den allgemeinen Bundeshaushalt fließen, für einen Bildungs-Soli nutzen. Damit sollen Länder und Kommunen unterstützt werden, die notwendigen baulichen Maßnahmen vorzunehmen. Allein diese Maßnahme ergibt 23 Milliarden €. Im Bundesrat müssen Steuergeschenke und Kopfpauschale verhindert werden. Das Land muss den Kommunen verbriefte Einnahmequellen zuteilen, einen Entschuldungsfonds bilden und Nothaushaltskommunen die Beteiligung an Förderprogrammen erlauben. Bundesmittel müssen vollständig weitergeleitet werden und der Bund muss einen höheren Anteil der Soziallasten übernehmen.
     
  10. Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist?
    Die Kopfnoten sind ein Irrweg, der Kinder beschämt und abstempelt und ein völlig untaugliches Mittel der Beurteilung. Kinder haben ein Recht auf eine individuelle Rückmeldung. Die Kopfnoten gehören umgehend abgeschafft.
     

Sehr geehrte Frau Beer, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

Geschrieben von Administrator am 07.05.2010


Eintrag vom:
07.05.2010

Fragen zu bildungspolitischen Themen der Gruppe Gymnasium - Antworten Hannelore Kraft (SPD)

Eingegangen 07.05.10 per E-Mail

  1. Die Entkernung, Verschlankung der Lehrpläne kann und darf in Hinblick auf das Zentralabitur und die hier für Schule und Lehrer unklaren Vorgaben von der Politik nicht zur Aufgabe von Schule und Lehrer gemacht werden, bzw. in deren Verantwortung gestellt werden. Auch hier sind klare Vorgaben von Seiten der Politik erforderlich. Wie und wann ist mit klaren Vorgaben zu rechnen, die die Entkernung und Verschlankung der Lehrpläne zum Ziel haben und auch in Hinblick auf das Zentralabitur für Klarheit sorgen?
    Die schwarz-gelbe Landesregierung hat es lange Zeit für selbstverständlich gehalten, dass die Gymnasien sich – wie sie meint „eigenverantwortlich“ – auf die Herausforderung der neuen Kernlehrpläne und des kompetenzorientierten Unterrichtens einstellen und dies umsetzen. Die Kernlehrpläne wurden ohne jegliche Unterstützung und Beratung der Schu-len eingeführt und trafen dort oft auf Überforderung und Ablehnung. Die Ergebnisse der – leider sehr wenigen – Qualitätsanalysen an Gymnasien zeigen, dass die Lehrkräfte oft nicht nach den neuen Vorgaben unterrichten. Die Schulen brauchen Beratung und Unterstützung. Die Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, die dringend notwendigen neuen Schulbücher anzuschaffen. Vor allem aber brauchen die Lehrerinnen und Lehrer Fortbildungen und klare Zielvereinbarungen, damit wirklich alle Lehrkräfte in der Lage und willens sind, in Zukunft kompetenzorientiert zu unterrichten. Zur Frage der Lehrpläne für die gymnasiale Oberstufe ist festzuhalten, dass es Gerüchten nach bereits neue Lehrpläne in den Schubladen des Ministeriums für Schule und Weiter-bildung für eine Oberstuferenform gibt, die ab 2010 hätte eingeführt werden sollen. Die mögliche Kontroverse über die Fortsetzung des chaotischen Turbo-Abiturs wollte Jürgen Rüttgers im Wahlkampf anscheinend nicht haben, deshalb wurde die Oberstufenreform eingefroren.
     
  2. Die Verschlankung der Lehrpläne muss zur Reduzierung der aktuell gültigen Wochenstunden¬zahlen führen. Welchen anderen Sinn sollte es machen, Lehrpläne zu entschlacken, wenn nicht, Unterrichtszeit wieder auf ein dem Alter der Kinder entsprechendes Maß zurückzuführen. Sind Sie bereit, sich dafür einzusetzen, dass bei der KMK die Mindestwochenstundenzahl reduziert wird, oder haben Sie Alternativen, um vor allem die Sekundarstufe I zu entlasten?
    Die Mindeststundenzahl für das Abitur kann, das ist Ihnen bekannt, nur per einstimmiges Votum der KMK reduziert werden. Eine solche Einstimmigkeit sehe ich auf lange Zeit nicht, obwohl sicherlich darüber nachgedacht werden muss, ob im Zusammenhang mit der Schulzeitverkürzung die alten Vorgaben nicht überdacht werden müssen. So lange kann nicht gewartet werden. Wir brauchen eine Reform in NRW. Das Abitur nach 12 Jahren der schwarz-gelben Landesregierung hat an den Gymnasien zu einer unerträglich hohen Stundenbelastung gerade bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern geführt. Es hat sich damit zum Turbo-Abitur mit unübersehbaren Folgen entwickelt. Im Gegensatz zum Vorhaben der ehemaligen rot-grünen Landesregierung, die dreijährige Oberstufe um ein Jahr zu verkürzen (Modell “10 plus 2” sowie die Option, auch weiterhin das Abitur nach 13 Jahren anzubieten), hat Schwarz-Gelb - trotz erheblicher Bedenken von Wissenschaftlern und Verbänden - die einjährige Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur in der Sekundarstufe I vorgenommen (Modell “9 plus 3”). Die Gymnasien müssen in Absprache mit den Eltern und den Schulträgern die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie das Abitur nach 12 oder nach 13 Jahren anbieten wollen. Hierfür müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Vor allem die Schülerinnen und Schüler in den Klassen fünf bis sieben müssen wieder von dem durch die dilettantische Umsetzung des Turboabiturs entstandenen Leistungs- und Zeitdruck befreit werden. Hierzu ist es notwendig, das G-8-Konzept generell zu überarbeiten. Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit muss am Ende der Sekundarstufe I und in der Oberstufe vorgenommen werden.
     
  3. Schulreformen wie G8 erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind zudem kleinere Klassen notwendig. In welcher Weise würden Sie sich für eine Reduzierung der Klassengröße und eine zeitgemäße Lehrerfortbildung einsetzen?
    Die SPD setzt auf einen Stufenplan für kleinere Klassen. In einem ersten Schritt soll es keine Klassen mit mehr als 30 Schülerinnen und Schülern mehr geben, mittelfristig wollen wir Klassengrößen von höchstens 25 Schülerinnen und Schülern erreichen. Wir wollen, dass Lehrerinnen und Lehrer zusammen mit Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Partnern gemeinsam die Schule entwickeln und so die Qualität steigern. Dazu bedarf es der Einrichtung schulischer Qualitätsteams, die mit eigenen Fortbildungsmitteln ausstattet werden müssen.
     
  4. Nach Meinung vieler Eltern ist der ‚gefühlte‘ Ganztag zu undifferenziert ausgeprägt und vorbereitet worden. Die mit der Einführung von G8 eingeführte Wende zum Ganztag soll, vor allem aus Gründen der Chancengleichheit, unterstützt werden. Allerdings sollte dabei bei Reduzierung der Wochenunterrichtsstunden vor allem Angeboten, die der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dienen, mehr Raum gegeben werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Komplex?
    Ganztagsschulen können durch ein Mehr an Zeit zur Lösung zentraler Probleme des deutschen Schulsystems beitragen. Sie schaffen bessere Voraussetzungen für eine individuelle Förderung, die auf die unterschiedlichen Stärken, Interessen und Voraussetzungen des einzelnen Kindes eingeht. Ganztagsschulen schaffen auch den Rahmen für eine bessere Verzahnung von Unterricht und außerschulischen Bildungs- und Freizeitangeboten. Sie können einen pädagogisch strukturierten Tagesrhythmus schaffen, der das Lernen sowohl in den klassischen Schulfächern als auch in Sport, der Gesundheitserziehung, in den musisch-künstlerischen Feldern und die Vermittlung von sozialen Kompetenzen umfasst. Voraussetzung sind hohe Qualitätsstandards der Schule, Transparenz der Inhalte und Formen sowie eine Beteiligung der Eltern an der Schulgestaltung und die Öffnung für Träger der Jugendhilfe, für Einrichtungen der Kultur und des Sports. Seit 2005 hat sich der Landtag auf Initiative der SPD-Landtagsfraktion mit der Notwendigkeit befasst, den Ganztag an allen Schulformen der Sekundarstufe I auszubauen. Die entsprechenden SPD-Anträge (Drs. 14/119, 14/4863, 14/5353, 14/6007, 14/6163) und die Forderungen nach den notwendigen Haushaltsmitteln wurden jedoch von CDU und FDP regelmäßig ohne alternative Vorschläge abgelehnt. Die Landesregierung hat viel Zeit verloren und die Schulen mit ihren realen Problemen allein gelassen. Es war überfällig, dass die Landesregierung mit den im April 2008 vorgestellten Plänen zum Ausbau von Ganztagsschulen endlich dem massiv angewachsenen und gut begründeten öffentlichen Druck Rechnung getragen hat. Mit diesem längst überfälligen Ganztagsprogramm für alle weiterführenden Schulen hat die Landesregierung endlich die Forderung der SPD-Landtagsfraktion aufgegriffen, dies allerdings nicht konsequent genug.
     
  5. Werden Sie in der jetzigen Situation den Schulen nach den guten Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Selbstständige Schule“ mehr Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung geben? Werden Sie sich auch für ein selbstverwaltetes Budget für Schulen einsetzen? Die Schulen wissen regelmäßig selber am besten, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. So könnten die oft langwierigen Entscheidungsprozesse nachhaltig verkürzt werden.
    Ja. Schulen müssen selbst und verantwortlich über ihre Arbeit entscheiden können. Deshalb halten wir am Prinzip der selbstständigen Schule fest, die in ein System von Beratung und Service eingebettet wird. Das Land bleibt verantwortlich für die Vorgabe und Überprüfung von Bildungsstandards. Zum neuen Steuerungsverständnis gehört ein landesweiter Bildungsbericht, der alle Bildungsbereiche umfasst. Dazu gehört auch eine neue Rolle der Kommunen. Ihnen wollen wir einen größeren Gestaltungsspielraum für ihr bildungspolitisches Angebot ermöglichen. Viele Städte und Gemeinden praktizieren dies bereits und beteiligen die Eltern offensiv daran. Wir unterstützen diese Entwicklung ausdrücklich. Dabei sorgen wir dafür, dass jedes Kind, unabhängig vom Wohnort, optimale Bildungschancen erhält. Zur Selbstständigkeit gehört auch die Verfügbarkeit von Mitteln für die Schulen. Dazu wollen wir die Trennung von inneren und äußeren Schulangelegenheiten so weit es geht überwinden. Die Verantwortlichkeiten von Staat und Schulträgern wollen wir genauer definieren und die entsprechenden Mittel von Land und Kommune für die Schulen in einem Budget zusammenfassen.
     
  6. Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Dies führt zu hohen Kosten von bis zu 4,- € pro angebotenen Mittagessen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Kann in diesem Zusammenhang das Essensausgabe-Personal an Gymnasien aus den Mitteln des „Geld statt Stelle“- Programms finanziert werden? Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
    Für die SPD gilt: Kein Kind darf aus finanziellen Gründen vom gemeinsamen Mittagessen und anderen schulischen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Wir wollen eine landeseinheitliche Regelung für den Essenszuschuss sowie weitere Kostenzuschussregelungen und keine kommunalen Regelungen nach Kassenlage. Ob und wie das Personal für die Essenausgabe aus Mitteln des „Geld-statt-Stellen-Programms“ finanziert werden kann, muss geprüft werden.
     
  7. Die bisherigen Erfahrungen und Wünsche von G8 müssen unseres Erachtens durch das MSW unter Einbeziehung aller an Schule Beteiligten evaluiert werden. Wie stellen Sie sich eine transparente Evaluation und Rückmeldekultur an LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen vor?
    In der Tat ist zu überlegen, das G 8 zu evaluieren. Grundbedingungen sind, dass solch eine Evaluation mit wissenschaftlicher Unterstützung erfolgt, die Schulen bzw. Lehrerinnen und Lehrer entsprechend vorbereitet und unterstützt sowie die Eltern eingebunden werden.
     
  8. Es ist eine ganz besondere Verantwortung der Politik, auf die schwierige Situation des G8/G9 Doppeljahrganges zu achten, zumal die ersten Jahrgänge von G8 bereits jetzt mit mancherlei Handicaps (fehlende Lehrpläne, fehlende Bücher, fehlende Mensen u.a.) belastet wurden. Wie gedenken Sie, die Doppeljahrgänge und deren Folgejahrgänge hier in den NRW-Hochschulen und sonstigen Ausbildungsstätten zu integrieren? Welche Maßnahmen planen Sie bzw. werden bereits durchgeführt?
    Wir haben im Januar einen entsprechenden Antrag eingebracht und im Zusammenhang mit der Absicherung des Doppelten Abiturjahrgangs 2012/2013 folgende Forderungen erhoben: Für den doppelten Abiturjahrgang in 2013 muss ein Maßnahmenkatalog entwickelt werden, damit die Kapazitäten von Studien- und Ausbildungsplätzen entsprechend dem Bedarf ausgeweitet werden. Es bedarf einer von der Landesregierung zu organisierenden konzertierten Aktion aller beteiligten Gruppen aus Politik und Gesellschaft, wie Hochschulen, Kultusministerkonferenz, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Industrie, Handels- und Handwerkskammern und Industrieverbände sowie Elternverbände. Sinnvoll ist die Einrichtung eines Beirates, in dem die Interessen aller Beteiligten unmittelbar Berücksichtigung finden und der bereits in die Vorbereitung der Maßnahmen eingebunden ist. Die Prüfungstermine von G 8 und G 9 im Jahr 2013 müssen so entzerrt werden, dass die Schülerinnen und die Schüler des G-9-Jahrganges z.B. ihr Studium zum Sommersemester aufnehmen können.
     
  9. Eine gute Bildung braucht auch eine vernünftige Bildungsinfrastruktur in den Schulen. Notwendige und auch zum großen Teil schon geplante und beschlossene Sanierungs-maßnahmen sowie die Modernisierungen der naturwissenschaftlichen Räume und weitere Maßnahmen dürfen aufgrund schwieriger Haushaltslagen nicht einfach gestrichen werden. Ein Kahlschlag im Bereich Schule und Bildung ist unverantwortlich. Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Gemeinden sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
    Die kommunalen Finanzen müssen gestärkt werden. Die SPD wird verhindern, dass Städ-te und Gemeinden in ihrer Finanzausstattung weiter geschwächt werden. Wir werden uns aktiv dafür einsetzen, dass rasch eine Lösung für das Problem ihrer Altschulden gefunden wird. Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle für unsere Kommunen. Sie muss ohne Wenn und Aber erhalten bleiben und in der Basis verbreitert werden. Die SPD tritt für die strikte Einhaltung des Konnexitätsprinzips ein. Die SPD wird einen „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ auflegen, der überschuldeten Gemeinden zugute kommt. Ziel des Paktes ist es, die betroffenen Gemeinden von Zinszahlungen zu entlasten, um jetzt notwendige Investitionen zu ermöglichen. Wir setzen uns dafür ein, hoch verschuldete Städte von Ausgaben für den Solidarfonds zu entlasten, damit dort die Haushalte konsolidiert werden können. Wir werden uns gegenüber dem Bund für eine Neuordnung des Systems der Berechnung des Bundesanteils an den Kosten der Unterkunft gemäß SGB II stark machen. Das bisherige Berechnungsverfahren führt zu einer klaren Benachteiligung der Kommunen und muss dringend zu ihren Gunsten überarbeitet werden. Für die SPD gilt: Bildung muss uns mehr wert sein. Unser Ziel ist, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildungs- und Forschungsausgaben zu investieren. Wir wollen die Kommunen dabei unterstützen, dass sie ihrer Rolle als Schulträger gerecht werden können.
     
  10. Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist?
    Ja. Die Kopfnoten werden abgeschafft. Eine solche Note wird der individuellen Vielfalt der Kinder nicht gerecht und entspricht nicht einer angemessenen Kultur der Rückmeldung.
     

Sehr geehrte Frau Kraft, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

Geschrieben von Administrator am 07.05.2010


Eintrag vom:
28.04.2010

Fragen zu bildungspolitischen Themen der Gruppe Gymnasium - Antworten Wolgang Zimmermann (Die Linke)

Eingegangen 28.04.10 per E-Mail

  1. Die Entkernung, Verschlankung der Lehrpläne kann und darf in Hinblick auf das Zentralabitur und die hier für Schule und Lehrer unklaren Vorgaben von der Politik nicht zur Aufgabe von Schule und Lehrer gemacht werden, bzw. in deren Verantwortung gestellt werden. Auch hier sind klare Vorgaben von Seiten der Politik erforderlich. Wie und wann ist mit klaren Vorgaben zu rechnen, die die Entkernung und Verschlankung der Lehrpläne zum Ziel haben und auch in Hinblick auf das Zentralabitur für Klarheit sorgen?
    DIE LINKE. NRW will das Turboabitur nach 12 Jahren, die zentralen Abschlussprüfungen und die Kopfnoten abschaffen. Die Modernisierung der Lehrpläne ist uns wichtig, um die Schulen in die Lage zu versetzen, selbständig die Ziele des Lehrplanes ansteuern zu können. Dazu muss sie auch die entsprechenden Mittel erhalten, auf die sie zur Umsetzung ihrer Ziele zurückgreifen kann.
     
  2. Die Verschlankung der Lehrpläne muss zur Reduzierung der aktuell gültigen Wochenstunden¬zahlen führen. Welchen anderen Sinn sollte es machen, Lehrpläne zu entschlacken, wenn nicht, Unterrichtszeit wieder auf ein dem Alter der Kinder entsprechendes Maß zurückzuführen. Sind Sie bereit, sich dafür einzusetzen, dass bei der KMK die Mindestwochenstundenzahl reduziert wird, oder haben Sie Alternativen, um vor allem die Sekundarstufe I zu entlasten?
    DIE LINKE. NRW will „Eine Schule für Alle“ von der ersten bis zur zehnten Klasse für alle Kinder in Ganztagsform. Diese Schule setzt wieder viel stärker auf die Fähigkeiten der SchülerInnen und fördert sie individuell. Sie gibt mehr Zeit und Raum, ist projektorientiert ausgerichtet. Eigenständiges Lernen steht im Mittelpunkt. Das derzeitige System ist überholt, dies stellt auch die Schulforschung fest. Aufenthaltszeit in „Einer Schule für Alle“ ist nicht gleich Klassenunterricht und Stoffvermittlung, sondern berücksichtigt auch kulturelles und sportliches Angebot im schulischen Ganztag.
     
  3. Schulreformen wie G8 erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind zudem kleinere Klassen notwendig. In welcher Weise würden Sie sich für eine Reduzierung der Klassengröße und eine zeitgemäße Lehrerfortbildung einsetzen?
    Grundsätzlich wollen wir die Klassen auf eine Zahl von 15 SchülerInnen als Richtgröße reduzieren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat gerade berechnet, dass in den nächsten 5 Jahren die Klassengrößen aufgrund der SchülerInnen-Rückgänge reduziert werden könnten. Stattdessen spart die schwarz-gelbe Regierung hier ein. Völlig falsch, denn rechnerisch wäre unter den gegebenen Bedingungen in den nächsten 5 Jahren eine Reduzierung auf 22 SchülerInnen pro Klasse möglich. Die Schule braucht natürlich nicht nur kleinere Klassen, sondern auf Fortbildung für die Lehrkräfte. Dafür muss Geld ins Bildungssystem, dafür setzten wir uns ebenfalls ein.
     
  4. Nach Meinung vieler Eltern ist der ‚gefühlte‘ Ganztag zu undifferenziert ausgeprägt und vorbereitet worden. Die mit der Einführung von G8 eingeführte Wende zum Ganztag soll, vor allem aus Gründen der Chancengleichheit, unterstützt werden. Allerdings sollte dabei bei Reduzierung der Wochenunterrichtsstunden vor allem Angeboten, die der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dienen, mehr Raum gegeben werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Komplex?
    Meine Partei und ich setzen uns auch für einen Ganztag ein, der die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt und ihnen nicht einfach nur noch mehr Unterrichtsstunden aufbürdet. Dies alles findet Berücksichtigung in unserem Konzept „Eine Schule für Alle“, die nicht nur „Verwahranstalt“ sondern Plattform für soziale und persönliche Entwicklung sein soll. Nicht nur ganztägiges Lernen sondern auch eine gemeinsame Gestaltung der Freizeit gehört für uns dazu. Sportliche Betätigungen, Hobbies und frei verfügbare Zeiten müssen ausreichend berücksichtigt werden. Vielfältige Sport-, Musik- und Freizeitangebote fördern das soziale Miteinander und die Freude am Lernen.
     
  5. Werden Sie in der jetzigen Situation den Schulen nach den guten Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Selbstständige Schule“ mehr Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung geben? Werden Sie sich auch für ein selbstverwaltetes Budget für Schulen einsetzen? Die Schulen wissen regelmäßig selber am besten, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. So könnten die oft langwierigen Entscheidungsprozesse nachhaltig verkürzt werden.
    Selbstbudgetierung darf aus Sicht der LINKEN nicht zu Kürzungen führen. Wir befürchten bei einer Selbstbudgetierung die Aufteilung in „reiche Schulen“ mit vielen Sponsoren und „arme Schulen“, die für ihre SchülerInnen keine Sponsoren finden. Wir unterstützen es, dass bei der Finanzierung von Schulen jede Schule nach ihren jeweiligen Bedürfnissen finanziert und ausgestattet werden muss. Das gilt auch bei „Einer Schule für Alle“ – hier müssen die jeweilige Lage der Schule und die Zusammensetzung der SchülerInnen (z.B. Mehrsprachigkeit; Förderbedarf) berücksichtigt werden. NRW braucht gute öffentliche Bildung für alle Kinder und Jugendlichen, egal in welcher Stadt, in welchen Vorort. Schulsponsoring lehnen wir im übrigen ab.
     
  6. Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Dies führt zu hohen Kosten von bis zu 4,- € pro angebotenen Mittagessen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Kann in diesem Zusammenhang das Essensausgabe-Personal an Gymnasien aus den Mitteln des „Geld statt Stelle“- Programms finanziert werden? Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
    DIE LINKE. NRW möchte ein kostenloses Mittagessen für alle Kinder an allen Schulen. Der Vorschlag, Personal aus „Geld statt Stellen“ zu finanzieren, würde aus meiner Sicht zu Unterrichtsausfall im Regelunterricht führen. Diesen Vorschlag kann ich deswegen nicht unterstützen.
     
  7. Die bisherigen Erfahrungen und Wünsche von G8 müssen unseres Erachtens durch das MSW unter Einbeziehung aller an Schule Beteiligten evaluiert werden. Wie stellen Sie sich eine transparente Evaluation und Rückmeldekultur an LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen vor?
    DIE LINKE. NRW lehnt die Verkürzung der Schulzeit ab. Wir setzen uns grundsätzlich für eine stärkere Beteiligung von Lehrkräften, Eltern und SchülerInnen ein. Die Erfahrungen mit dem Zentralabitur in NRW haben gezeigt, dass die schwarz-gelbe Regierung sich gegen Kritik und Einwände abschottet und Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen nicht einbeziehen will. Gute Evaluation von Veränderungen im Schulsystem bedeutet, dass ein Prozess schon von Beginn der Umsetzung an organisiert wird, in dem alle Beteiligten sowie ihre Verbände, Initiativen, Gewerkschaften miteinbezogen werden. Nur so können Reformen im Bildungssystem erfolgreich umgesetzt werden. DIE LINKE ist Garant dafür, sie will bei allen Veränderungen einen Beteiligungsprozess organisieren.
     
  8. Es ist eine ganz besondere Verantwortung der Politik, auf die schwierige Situation des G8/G9 Doppeljahrganges zu achten, zumal die ersten Jahrgänge von G8 bereits jetzt mit mancherlei Handicaps (fehlende Lehrpläne, fehlende Bücher, fehlende Mensen u.a.) belastet wurden. Wie gedenken Sie, die Doppeljahrgänge und deren Folgejahrgänge hier in den NRW-Hochschulen und sonstigen Ausbildungsstätten zu integrieren? Welche Maßnahmen planen Sie bzw. werden bereits durchgeführt?
    DIE LINKE. NRW bezweifelt, dass die Versorgung der Doppeljahrgänge mit Studienplätzen, wie es die schwarz-gelbe Landesregierung verspricht, zielgenau möglich sein wird. Es geht doch nicht nur darum, irgendwelche Studienplätze anzubieten, sondern die SchulabgängerInnen auch mit Plätzen nach ihren Interessen zu versorgen. Wir sehen derzeit nur eine Ausweitung nach dem Kriterium der Kostengünstigkeit. Sorge macht uns und mir als langjährigem Gewerkschaftsfunktionär vor allem das Angebot an Ausbildungsplätzen. Hier sind die Unternehmen schon lange nicht mehr ihrer Verpflichtung nachgekommen. Auch Bündnisse für Arbeit/Ausbildung haben hier zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. Deswegen fordert DIE LINKE. NRW ein verfassungsrechtlich geschütztes Grundrecht auf Ausbildung und eine Ausbildungsumlage, die allen Unternehmen zahlen, die nicht ausbilden, es aber könnten. Wir setzen uns für die Sicherung der Qualität der Ausbildung durch unabhängige Kontrollstellen ein. Junge Beschäftigte müssen vor Ausbeutung durch unbezahlte Praktika und Armutslohnbeschäftigung wirksam geschützt werden.
     
  9. Eine gute Bildung braucht auch eine vernünftige Bildungsinfrastruktur in den Schulen. Notwendige und auch zum großen Teil schon geplante und beschlossene Sanierungs-maßnahmen sowie die Modernisierungen der naturwissenschaftlichen Räume und weitere Maßnahmen dürfen aufgrund schwieriger Haushaltslagen nicht einfach gestrichen werden. Ein Kahlschlag im Bereich Schule und Bildung ist unverantwortlich. Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Gemeinden sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
    DIE LINKE. NRW fordert eine neue Steuerpolitik und eine andere Verteilung der Steuereinnahmen. Wir wollen vor allem auch in den Bereich Bildung massiv investieren. Die Kommunen müssen gleichzeitig durch einen Entschuldungsfonds, in den Bund und Land einzahlen, von ihren Altschulen befreit werden, damit sie vor Ort wieder handlungsfähig werden. Zusätzlich Steuereinnahmen können auf der Bundesebene durch eine höhere Besteuerung der Unternehmen sowie Reichen und Superreichen (es gibt rund 3000 MillionärInnen in NRW), eine Börsenumsatzsteuer sowie 500 zusätzliche BetriebsprüferInnen/SteuerprüferInnen in NRW generiert werden.
     
  10. Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist?
    Ja, das kann ich unterstützen. Meine Partei und ich setzen und für die generelle Abschaffung der Kopfnoten ein.
     

Sehr geehrter Herr Zimmermann, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

Geschrieben von Administrator am 28.04.2010


Eintrag vom:
20.04.2010

Fragen zu bildungspolitischen Themen der Gruppe Gymnasium - Antworten Renate Hendricks (SPD)

Eingegangen 20.04.10 per E-Mail

  1. Die Entkernung, Verschlankung der Lehrpläne kann und darf in Hinblick auf das Zentralabitur und die hier für Schule und Lehrer unklaren Vorgaben von der Politik nicht zur Aufgabe von Schule und Lehrer gemacht werden, bzw. in deren Verantwortung gestellt werden. Auch hier sind klare Vorgaben von Seiten der Politik erforderlich. Wie und wann ist mit klaren Vorgaben zu rechnen, die die Entkernung und Verschlankung der Lehrpläne zum Ziel haben und auch in Hinblick auf das Zentralabitur für Klarheit sorgen?
    Die schwarz-gelbe Landesregierung hat es lange Zeit für selbstverständlich gehalten, dass die Gymnasien sich – wie sie meint „eigenverantwortlich“ – auf die Herausforderung der neuen Kernlehrpläne und des kompetenzorientierten Unterrichtens einstellen und dies umsetzen. Die Kernlehrpläne wurden ohne jegliche Unterstützung und Beratung der Schulen eingeführt und trafen dort oft auf Überforderung und Ablehnung. Die Ergebnisse der – leider sehr wenigen – Qualitätsanalysen an Gymnasien zeigen, dass die Lehrkräfte oft nicht nach den neuen Vorgaben unterrichten. Die Schulen brauchen Beratung und Unterstützung. Die Kommunen müssen in die Lage versetzt werden, die dringend notwendigen neuen Schulbücher anzuschaffen. Vor allem aber brauchen die Lehrerinnen und Lehrer Fortbildungen und klare Zielvereinbarungen, damit wirklich alle Lehrkräfte in der Lage und willens sind, in Zukunft kompetenzorientiert zu unterrichten. Zur Frage der Lehrpläne für die gymnasiale Oberstufe ist festzuhalten, dass es Gerüchten nach bereits neue Lehrpläne in den Schubladen des Ministeriums für Schule und Weiterbildung für eine Oberstuferenform gibt, die ab 2010 hätte eingeführt werden sollen. Die mögliche Kontroverse über die Fortsetzung des chaotischen Turbo-Abiturs wollte Jürgen Rüttgers im Wahlkampf anscheinend nicht haben, deshalb wurde die Oberstufenreform eingefroren.
     
  2. Die Verschlankung der Lehrpläne muss zur Reduzierung der aktuell gültigen Wochenstunden¬zahlen führen. Welchen anderen Sinn sollte es machen, Lehrpläne zu entschlacken, wenn nicht, Unterrichtszeit wieder auf ein dem Alter der Kinder entsprechendes Maß zurück¬zuführen. Sind Sie bereit, sich dafür einzusetzen, dass bei der KMK die Mindestwochenstundenzahl reduziert wird, oder haben Sie Alternativen, um vor allem die Sekundarstufe I zu entlasten?
    Die Mindeststundenzahl für das Abitur kann, das ist Ihnen bekannt, nur per einstimmiges Votum der KMK reduziert werden. Eine solche Einstimmigkeit sehe ich auf lange Zeit nicht, obwohl sicherlich darüber nachgedacht werden muss, ob im Zusammenhang mit der Schulzeitverkürzung die alten Vorgaben nicht überdacht werden müssen. So lange kann nicht gewartet werden. Wir brauchen eine Reform in NRW. Das Abitur nach 12 Jahren der schwarz-gelben Landesregierung hat an den Gymnasien zu einer unerträglich hohen Stundenbelastung gerade bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern geführt. Es hat sich damit zum Turbo-Abitur mit unübersehbaren Folgen entwickelt. Im Gegensatz zum Vorhaben der ehemaligen rot-grünen Landesregierung, die dreijährige Oberstufe um ein Jahr zu verkürzen (Modell “10 plus 2” sowie die Option, auch weiterhin das Abitur nach 13 Jahren anzubieten), hat Schwarz-Gelb - trotz erheblicher Bedenken von Wissenschaftlern und Verbänden - die einjährige Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur in der Sekundarstufe I vorgenommen (Modell “9 plus 3”). Die Gymnasien müssen in Absprache mit den Eltern und den Schulträgern die Möglich-keit haben, selbst zu entscheiden, ob sie das Abitur nach 12 oder nach 13 Jahren anbieten wollen. Hierfür müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Vor allem die Schülerinnen und Schüler in den Klassen fünf bis sieben müssen wieder von dem durch die dilettantische Umsetzung des Turboabiturs entstandenen Leistungs- und Zeitdruck befreit werden. Hierzu ist es notwendig, das G-8-Konzept generell zu überarbeiten. Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit muss am Ende der Sekundarstufe I und in der Oberstufe vorgenommen werden.
     
  3. Schulreformen wie G8 erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind zudem kleinere Klassen notwendig. In welcher Weise würden Sie sich für eine Reduzierung der Klassengröße und eine zeitgemäße Lehrerfortbildung einsetzen?
    Die SPD setzt auf einen Stufenplan für kleinere Klassen. In einem ersten Schritt soll es keine Klassen mit mehr als 30 Schülerinnen und Schülern mehr geben, mittelfristig wol-len wir Klassengrößen von höchstens 25 Schülerinnen und Schülern erreichen. Wir wollen, dass Lehrerinnen und Lehrer zusammen mit Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Partnern gemeinsam die Schule entwickeln und so die Qualität steigern. Dazu bedarf es der Einrichtung schulischer Qualitätsteams, die mit eigenen Fortbildungsmitteln ausstattet werden müssen.
     
  4. Nach Meinung vieler Eltern ist der ‚gefühlte‘ Ganztag zu undifferenziert ausgeprägt und vorbereitet worden. Die mit der Einführung von G8 eingeführte Wende zum Ganztag soll, vor allem aus Gründen der Chancengleichheit, unterstützt werden. Allerdings sollte dabei bei Reduzierung der Wochenunterrichtsstunden vor allem Angeboten, die der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dienen, mehr Raum gegeben werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Komplex?
    Ganztagsschulen können durch ein Mehr an Zeit zur Lösung zentraler Probleme des deutschen Schulsystems beitragen. Sie schaffen bessere Voraussetzungen für eine individuelle Förderung, die auf die unterschiedlichen Stärken, Interessen und Voraussetzungen des einzelnen Kindes eingeht. Ganztagsschulen schaffen auch den Rahmen für eine bessere Verzahnung von Unterricht und außerschulischen Bildungs- und Freizeitangeboten. Sie können einen pädagogisch strukturierten Tagesrhythmus schaffen, der das Lernen sowohl in den klassischen Schulfächern als auch in Sport, der Gesundheitserziehung, in den musisch-künstlerischen Feldern und die Vermittlung von sozialen Kompetenzen umfasst. Voraussetzung sind hohe Qualitätsstandards der Schule, Transparenz der Inhalte und Formen sowie eine Beteiligung der Eltern an der Schulgestaltung und die Öffnung für Träger der Jugendhilfe, für Einrichtungen der Kultur und des Sports. Seit 2005 hat sich der Landtag auf Initiative der SPD-Landtagsfraktion mit der Notwendig-keit befasst, den Ganztag an allen Schulformen der Sekundarstufe I auszubauen. Die entsprechenden SPD-Anträge (Drs. 14/119, 14/4863, 14/5353, 14/6007, 14/6163) und die Forderungen nach den notwendigen Haushaltsmitteln wurden jedoch von CDU und FDP regelmäßig ohne alternative Vorschläge abgelehnt. Die Landesregierung hat viel Zeit verloren und die Schulen mit ihren realen Problemen allein gelassen. Es war überfällig, dass die Landesregierung mit den im April 2008 vorge-stellten Plänen zum Ausbau von Ganztagsschulen endlich dem massiv angewach-senen und gut begründeten öffentlichen Druck Rechnung getragen hat. Mit diesem längst überfälligen Ganztagsprogramm für alle weiterführenden Schulen hat die Landesregierung endlich die Forderung der SPD-Landtagsfraktion aufgegriffen, dies allerdings nicht konsequent genug.
     
  5. Werden Sie in der jetzigen Situation den Schulen nach den guten Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Selbstständige Schule“ mehr Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung geben? Werden Sie sich auch für ein selbstverwaltetes Budget für Schulen einsetzen? Die Schulen wissen regelmäßig selber am besten, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. So könnten die oft langwierigen Entscheidungsprozesse nachhaltig verkürzt werden.
    Ja. Schulen müssen selbst und verantwortlich über ihre Arbeit entscheiden können. Deshalb halten wir am Prinzip der selbstständigen Schule fest, die in ein System von Beratung und Service eingebettet wird. Das Land bleibt verantwortlich für die Vorgabe und Überprüfung von Bildungsstandards. Zum neuen Steuerungsverständnis gehört ein landesweiter Bildungsbericht, der alle Bildungsbereiche umfasst. Dazu gehört auch eine neue Rolle der Kommunen. Ihnen wollen wir einen größeren Gestaltungsspielraum für ihr bildungspolitisches Angebot ermöglichen. Viele Städte und Gemeinden praktizieren dies bereits und beteiligen die Eltern offensiv daran. Wir unterstützen diese Entwicklung ausdrücklich. Dabei sorgen wir dafür, dass jedes Kind, unabhängig vom Wohnort, optimale Bildungschancen erhält. Zur Selbstständigkeit gehört auch die Verfügbarkeit von Mitteln für die Schulen. Dazu wollen wir die Trennung von inneren und äußeren Schulangelegenheiten so weit es geht überwinden. Die Verantwortlichkeiten von Staat und Schulträgern wollen wir genauer definieren und die entsprechenden Mittel von Land und Kommune für die Schulen in einem Budget zusammenfassen.
     
  6. Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Dies führt zu hohen Kosten von bis zu 4,- € pro angebotenen Mittagessen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Kann in diesem Zusammenhang das Essensausgabe-Personal an Gymnasien aus den Mitteln des „Geld statt Stelle“- Programms finanziert werden? Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
    Für die SPD gilt: Kein Kind darf aus finanziellen Gründen vom gemeinsamen Mittagessen und anderen schulischen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Wir wollen eine landeseinheitliche Regelung für den Essenszuschuss sowie weitere Kostenzuschussregelungen und keine kommunalen Regelungen nach Kassenlage. Ob und wie das Personal für die Essenausgabe aus Mitteln des „Geld-statt-Stellen-Programms“ finanziert werden kann, muss geprüft werden.
     
  7. Die bisherigen Erfahrungen und Wünsche von G8 müssen unseres Erachtens durch das MSW unter Einbeziehung aller an Schule Beteiligten evaluiert werden. Wie stellen Sie sich eine transparente Evaluation und Rückmeldekultur an LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen vor?
    In der Tat ist zu überlegen, das G 8 zu evaluieren. Grundbedingungen sind, dass solch eine Evaluation mit wissenschaftlicher Unterstützung erfolgt, die Schulen bzw. Lehrerinnen und Lehrer entsprechend vorbereitet und unterstützt sowie die Eltern eingebunden werden.
     
  8. Es ist eine ganz besondere Verantwortung der Politik, auf die schwierige Situation des G8/G9 Doppeljahrganges zu achten, zumal die ersten Jahrgänge von G8 bereits jetzt mit mancherlei Handicaps (fehlende Lehrpläne, fehlende Bücher, fehlende Mensen u.a.) belastet wurden. Wie gedenken Sie, die Doppeljahrgänge und deren Folgejahrgänge hier in den NRW-Hochschulen und sonstigen Ausbildungsstätten zu integrieren? Welche Maßnahmen planen Sie bzw. werden bereits durchgeführt?
    Wir haben im Januar einen entsprechenden Antrag eingebracht und im Zusammenhang mit der Absicherung des Doppelten Abiturjahrgangs 2012/2013 folgende Forderungen erhoben: Für den doppelten Abiturjahrgang in 2013 muss ein Maßnahmenkatalog entwickelt wer-den, damit die Kapazitäten von Studien- und Ausbildungsplätzen entsprechend dem Be-darf ausgeweitet werden. Es bedarf einer von der Landesregierung zu organisierenden konzertierten Aktion aller beteiligten Gruppen aus Politik und Gesellschaft, wie Hochschulen, Kultusministerkonfe-renz, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Industrie, Handels- und Handwerkskammern und Industrieverbände sowie Elternverbände. Sinnvoll ist die Einrichtung eines Beirates, in dem die Interessen aller Beteiligten unmittelbar Berücksichtigung finden und der bereits in die Vorbereitung der Maßnahmen eingebunden ist. Die Prüfungstermine von G 8 und G 9 im Jahr 2013 müssen so entzerrt werden, dass die Schülerinnen und die Schüler des G-9-Jahrganges z.B. ihr Studium zum Sommer-semester aufnehmen können.
     
  9. Eine gute Bildung braucht auch eine vernünftige Bildungsinfrastruktur in den Schulen. Notwendige und auch zum großen Teil schon geplante und beschlossene Sanierungs-maßnahmen sowie die Modernisierungen der naturwissenschaftlichen Räume und weitere Maßnahmen dürfen aufgrund schwieriger Haushaltslagen nicht einfach gestrichen werden. Ein Kahlschlag im Bereich Schule und Bildung ist unverantwortlich. Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Gemeinden sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
    Die kommunalen Finanzen müssen gestärkt werden. Die SPD wird verhindern, dass Städte und Gemeinden in ihrer Finanzausstattung weiter geschwächt werden. Wir werden uns aktiv dafür einsetzen, dass rasch eine Lösung für das Problem ihrer Altschulden gefunden wird. Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle für unsere Kommunen. Sie muss ohne Wenn und Aber erhalten bleiben und in der Basis verbreitert werden. Die SPD tritt für die strikte Einhaltung des Konnexitätsprinzips ein. Die SPD wird einen „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ auflegen, der überschuldeten Gemeinden zugute kommt. Ziel des Paktes ist es, die betroffenen Gemeinden von Zinszahlungen zu entlasten, um jetzt notwendige Investitionen zu ermöglichen. Wir set-zen uns dafür ein, hoch verschuldete Städte von Ausgaben für den Solidarfonds zu entlasten, damit dort die Haushalte konsolidiert werden können. Wir werden uns gegenüber dem Bund für eine Neuordnung des Systems der Berechnung des Bundesanteils an den Kosten der Unterkunft gemäß SGB II stark machen. Das bisherige Berechnungsverfahren führt zu einer klaren Benachteiligung der Kommunen und muss dringend zu ihren Gunsten überarbeitet werden. Für die SPD gilt: Bildung muss uns mehr wert sein. Unser Ziel ist, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildungs- und Forschungsausgaben zu investieren. Wir wollen die Kommunen dabei unterstützen, dass sie ihrer Rolle als Schulträger gerecht werden können.
     
  10. Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist?
    Ja. Die Kopfnoten werden abgeschafft. Eine solche Note wird der individuellen Vielfalt der Kinder nicht gerecht und entspricht nicht einer angemessenen Kultur der Rückmeldung.
     

Sehr geehrte Frau Hendrick, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

Geschrieben von Administrator am 20.04.2010


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