Fragen zu bildungspolitischen Themen (G8) der SSP-Gruppe Gymnasium an die Politik
Stadtschulpflegschaft Bonn Gruppe Gymnasien | Rathaus Beuel | 53225 Bonn
Der Vorsitzende
Gerhard Baumgärtel
www.ssp-bonn.de
Bonn, April 2010
An
Frau Ministerin Barbara Sommer,
Hernn Minister Andreas Pinkwart,
Frau Hannelore Kraft MdL (Fraktionsvorsitzende SPD-Landtagsfraktion),
Frau Sylvia Löhrmann MDL (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen),
Herrn Klaus Kaiser MdL (Bildungspolitischer Sprecher CDU-Landtagsfraktion),
Frau Renate Hendricks MDL
Frau Sigrid Beer MDL (Bildungspolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen),
Herr Joachim Stamp (Generalsekretär FDP-NRW),
Herr Wolfgang Zimmermann (Landesvorstand Die Linke)
und
Frau Gunhild Boeth (Landesvorstand Die Linke).
- Per E-Mail -
Positionierung und Fragen zu bildungspolitischen Themen der Gruppe Gymnasium der Bonner Stadtschulpflegschaft
Sehr geehrte Damen und Herren,
die vor 4 Jahren übereilte Einführung von G8 hat zu einer Überforderung des ohnehin hoch ausgelasteten Schulalltags bis in die heutigen Tage geführt. Hierin sehen wir den Grund für die Tendenz zur Ablehnung von G8 durch die an Schule Beteiligten.
Die Proteste der Schülerinnen und Schüler der letzten Monate belegen deren Unsicherheit und Unzufriedenheit. Kinder, Lehrerkollegien und Eltern fühlen sich durch die überhastete Einführung neuer Konzepte überrollt, überfordert und alleingelassen und diese Sorge teilen wir.
Die Eltern der Bonner Gymnasien sehen an der bisherigen Umsetzung und Durchführung von G8 erhebliche Mängel und üben sehr deutliche Kritik.
Allein neue Gesetze, Verordnungen und Erlasse führen nicht zu einer pädagogisch sinnvollen Arbeit in den Schulen. Ziele müssen durchdacht, vorbereitet und die praktische Umsetzung ausreichend geplant sein. Den Schulen muss auch genügend Zeit gegeben werden, die Ausführung vorzubereiten.
Es wurde häufig nicht oder nur ungenügend über die inhaltliche und strukturelle Ausgestaltung von G8 aufgeklärt. Fehlende Transparenz, Information oder Schulung der Schulleitungen und Lehrerkollegien vor Ort bedingt dieses Informationsdefizit.
Noch bilden ganze Lehrerkollegien die Inhalte der Sekundarstufe I G9 auf die reduzierte Stundenzahl im G8 ab. Sie überlassen es dem einzelnen Lehrenden, den Lehrstoff zu komprimieren und verzichtbare Lerninhalte zu erkennen. In Hinblick auf Lehrpläne und die immer angeführten Kompetenzen, die Schülern vermittelt werden sollen, sind die Vorgaben der Politik viel zu unklar.
Das Zentralabitur darf nicht (Beispiel Lektüre Fach Deutsch) dazu führen, dass Unterricht zur Qual für Lehrer und Schüler wird.
Aus der Diskussion über die Umsetzung von G8 und zu bildungspolitischen Fragen innerhalb der SSP-Bonn ergaben sich einen Reihe von Fragen und Forderungen, die wir Ihnen mit diesem Positions¬papier übermitteln möchten.
Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Antworten bis zu unserer nächsten Sitzung Ende April zukommen lassen könnten. Wir werden dann diese für die Wahlentscheidung sicher wichtigen Informationen den Bonner Eltern zur Verfügung stellen.
- Die Entkernung, Verschlankung der Lehrpläne kann und darf in Hinblick auf das Zentralabitur und die hier für Schule und Lehrer unklaren Vorgaben von der Politik nicht zur Aufgabe von Schule und Lehrer gemacht werden, bzw. in deren Verantwortung gestellt werden. Auch hier sind klare Vorgaben von Seiten der Politik erforderlich.
Wie und wann ist mit klaren Vorgaben zu rechnen, die die Entkernung und Verschlankung der Lehrpläne zum Ziel haben und auch in Hinblick auf das Zentralabitur für Klarheit sorgen?
- Die Verschlankung der Lehrpläne muss zur Reduzierung der aktuell gültigen Wochenstunden¬zahlen führen. Welchen anderen Sinn sollte es machen, Lehrpläne zu entschlacken, wenn nicht, Unterrichtszeit wieder auf ein dem Alter der Kinder entsprechendes Maß zurück¬zuführen. Sind Sie bereit, sich dafür einzusetzen, dass bei der KMK die Mindestwochen¬stundenzahl reduziert wird, oder haben Sie Alternativen, um vor allem die Sekundarstufe I zu entlasten?
- Schulreformen wie G8 erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind zudem kleinere Klassen notwendig. In welcher Weise würden Sie sich für eine Reduzierung der Klassengröße und eine zeitgemäße Lehrerfortbildung einsetzen?
- Nach Meinung vieler Eltern ist der ‚gefühlte‘ Ganztag zu undifferenziert ausgeprägt und vorbereitet worden. Die mit der Einführung von G8 eingeführte Wende zum Ganztag soll, vor allem aus Gründen der Chancengleichheit, unterstützt werden. Allerdings sollte dabei bei Reduzierung der Wochenunterrichtsstunden vor allem Angeboten, die der Persönlichkeits¬entwicklung der Kinder dienen, mehr Raum gegeben werden. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Komplex?
- Werden Sie in der jetzigen Situation den Schulen nach den guten Erfahrungen aus dem Modell¬projekt „Selbstständige Schule“ mehr Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung geben? Werden Sie sich auch für ein selbstverwaltetes Budget für Schulen einsetzen? Die Schulen wissen regelmäßig selber am besten, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht. So könnten die oft langwierigen Entscheidungsprozesse nachhaltig verkürzt werden.
- Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Dies führt zu hohen Kosten von bis zu 4,- € pro angebotenen Mittagessen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Kann in diesem Zusammenhang das Essensausgabe-Personal an Gymnasien aus den Mitteln des „Geld statt Stelle“- Programms finanziert werden? Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
- Die bisherigen Erfahrungen und Wünsche von G8 müssen unseres Erachtens durch das MSW unter Einbeziehung aller an Schule Beteiligten evaluiert werden. Wie stellen Sie sich eine transparente Evaluation und Rückmeldekultur an LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen vor?
- Es ist eine ganz besondere Verantwortung der Politik, auf die schwierige Situation des G8/G9 Doppeljahrganges zu achten, zumal die ersten Jahrgänge von G8 bereits jetzt mit mancherlei Handicaps (fehlende Lehrpläne, fehlende Bücher, fehlende Mensen u.a.) belastet wurden. Wie gedenken Sie, die Doppeljahrgänge und deren Folgejahrgänge hier in den NRW-Hoch¬schulen und sonstigen Ausbildungsstätten zu integrieren? Welche Maßnahmen planen Sie bzw. werden bereits durchgeführt?
- Eine gute Bildung braucht auch eine vernünftige Bildungsinfrastruktur in den Schulen. Notwendige und auch zum großen Teil schon geplante und beschlossene Sanierungs-maßnahmen sowie die Modernisierungen der naturwissenschaftlichen Räume und weitere Maßnahmen dürfen aufgrund schwieriger Haushaltslagen nicht einfach gestrichen werden. Ein Kahlschlag im Bereich Schule und Bildung ist unverantwortlich.
Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Gemeinden sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
- Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist?
Wir bedanken uns herzlich für Ihre Antworten und Unterstützung.
Die Elternvertreter der Bonner Gymnasien in der Stadtschulpflegschaft Bonn.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.ssp-bonn.de
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Baumgärtel
Vorsitzender
Stadtschulpflegschaft Bonn
Gruppe Gymnasien
www.ssp-bonn.de, .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen)
Vorsitzender: Gerhard Baumgärtel, 1.Stellv.Vors.: Guido Zadel, 2. Stellv. Vors.: Kerstin Schweichhart
Beisitzer: Dr. Hartmut Dutz, Christel Klöckner, Dr. Heribert Schneider
Geschrieben von Administrator am 20/04 um 03:33:33
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