Wahlprüfsteine SSP - Antworten Joachim Stamp (FDP)
- Welche Rolle spielen nach den Plänen Ihrer Partei in einer künftigen Schulstruktur in NRW die Haupt- und Realschulen?
Siehe Frage 2.
- Wie sieht die Zukunft der Gesamtschulen aus? Wird das Gesamtschulangebot weiter ausgebaut?
Die FDP steht für den Erhalt der Schulvielfalt in Nordhrein-Westfalen. Erfolgreich arbeitende und demographiefeste Haupt-, Real und Gesamtschulen sowie Gymnasien sollen auch künftig unsere Schullandschaft bereichern.
Durch den demographischen Wandel sowie den veränderten Elternwillen jedoch unterscheiden sich die Rahmenbedingungen für das weiterführende Schulwesen regional immer mehr. Daher tritt die FDP für eine erweiterte Entscheidungsfreiheit vor Ort und für neue Möglichkeiten ein, eine für die örtlichen Gegebenheiten und Wünsche passgenaue Schulstruktur zu entwickeln. Wir werden die gesetzlichen Grundlagen schaffen, damit - wo es sinnvoll ist und von Eltern, Lehrern und Trägern gewollt wird - sich Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu einer starken Mittelschule zusammenschließen können.
- Aktuell wird die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien in NRW diskutiert. Werden Sie die Wahlfreiheit flächendeckend umsetzen und wenn Ja, wie soll die Wahlfreiheit umgesetzt werden?
Die Umstellung auf „G8“ eröffnet den Jugendlichen Chancen, früher mit dem Studium oder der Ausbildung zu beginnen. Dies finde ich auch mit Blick auf die frühen Abschlüsse im internationalen Vergleich wichtig.
Dass auch in unserem Bundesland viele Schüler, Eltern und Lehrer die Umstellung als problematisch empfinden bzw. empfunden haben, ist der FDP bewusst.
Hier ist bereits nachgebessert worden. Wir werden darauf drängen, dort, wo weiterhin Probleme bestehen, diese zu lösen, etwa durch veränderte Hausaufgabenregelung und bessere Übermittagsbetreuung. Kinder müssen sich in der Schule wohlfühlen und dürfen zeitlich nicht überbelastet werden.
Ein Zurück zu „G9“ oder eine flächendeckende Wahlfreiheit wird es nicht geben. Die dann entstehenden „Bummelklassen“ würden nicht attraktiv sein, es entstünde erneut Unruhe in unserer Schullandschaft und wäre pädagogisch wie organisatorisch nicht sinnvoll.
Zudem halten die Gesamtschulen weiterhin die Möglichkeit des G9 offen.
- Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Kommunen sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
Die FDP setzt sich im Rahmen der Gemeindefinanzreformkommission auf Bundesebene für den Ersatz der konjunkturanfälligen Gewerbesteuer ein und macht sich für einen höheren Anteil des Bundes an den Soziallasten der Kommunen stark (Kosten der Unterkunft und Heizung für Hartz IV Empfänger, Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, Grundsicherung im Alter). Auf Landesebene beteiligen wir uns im Rahmen der sogenannten ‘ifo-Kommission’ an der Erarbeitung eines Konzeptes zur Neuordnung des horizontalen und vertikalen Finanzausgleichs. 2009 und 2010 erhielten die Städte und Gemeinden über das Gemeindefinanzierungsgesetz die beiden höchsten finanziellen Zuweisungen überhaupt. Schließlich setzen wir uns für die Aufstellung kommunaler ‘Masterpläne’ zur finanziellen Entschuldung auf der kommunalen Ebene ein und geben Hilfestellungen für strukturelle Veränderungen und Sparmaßnahmen.
Für die Liberalen bildet die verbesserte finanzielle Ausstattung der Bildungspolitik einen zentralen politischen Schwerpunkt. Wir haben in den letzten Jahren allein den Haushalt für Schule und Weiterbildung seit 2005 um zwei Milliarden Euro erhöht. Im Schuljahr 2009/2010 werden pro Schüler fast 1.000 Euro mehr ausgegeben als unter Rot-Grün.
Den Anteil der Bildungsausgaben für die frühkindliche Bildung, die Schul- und die Hochschulbildung an den Gesamtausgaben des Landes haben wir von 36,7 Prozent im Jahr 2005 auf 40,5 Prozent im Jahr 2009 erhöht. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer!
Gleichzeitig haben wir auch die Schulträger bzw. die Kommunen, in deren Zuständigkeit die sächliche Ausstattung fällt, hierbei unterstützt. Mit 100 Millionen Euro haben wir den Ausbau von Mensen, Kantinen und Aufenthaltsräumen gefördert, die Schul- und Bildungspauschale wurde schrittweise auf 600 Millionen Euro erhöht und wir haben 84 Prozent der Mittel aus dem Konjunkturpaket II, so viel wie keine anderes Bundesland, direkt an die Kommunen weitergeleitet. In den nächsten Jahren möchten wir den Schulen durch ein Schulfreiheitsgesetz mehr Eigenverantwortung bei der Finanzierungsfreiheit ermöglichen. Auch will die FDP, in Abhängigkeit von der Konsolidierung der Landesfinanzen, zusätzlich zur Bildungspauschale ein Landesprogramm zur Verbesserung der räumlichen und technischen Infrastruktur der Schulen konzipieren.
- Werden Sie den Schulen mehr Gestaltungsspielräume und finanzielle Eigenverantwortung geben?
Die FDP steht für die pädagogische, personelle und finanzielle Autonomie von Schulen. Sie hat mit dem neuen Schulgesetz die Eigenverantwortung von Schulen gestärkt und will diese in der kommenden Legislatur durch ein „Schulfreiheitsgesetz“ stärken.
- Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind dringend kleinere Klassen notwendig. Welche Klassengrößen streben Sie für welche Schulform an und wie wollen Sie diese erreichen?
Unter Regierungsbeteiligung der FDP wurden seit 2005 8.124 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Gleichzeitig haben wir 9.200 Stellen aus rückläufigen Schülerzahlen im System belassen. SPD und Grüne hingegen haben 2004 die Streichung von 16.000 Lehrerstellen bis 2013 angekündigt. Diese zusätzlichen Lehrerstellen sind zum Abbau des Unterrichtsausfalls, zum Ausbau der Ganztagsangebote und zur Stärkung der individuellen Förderung verwandt worden. Die FDP strebt bis 2015 eine deutliche Reduzierung der Klassengrößen an. Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass an allen Schulformen keine Klasse mehr eingerichtet wird, die mehr als 25 Schüler hat.
- Wie interpretieren Sie den Begriff ‚Länger gemeinsam Lernen‘?
Ich verstehe darunter, dass Kinder länger in einer Schulform bleiben sollen. Es gibt dazu unterschiedliche Auffassungen unter Lehrern, Eltern und Wissenschaftlern. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die belegt, dass längeres gemeinsames Lernen für Kinder besser wäre. Daher ist die FDP für ein vielfältiges Angebot der Schullandschaft. So können Eltern wählen, ob ihre Kinder wie in der Gesamtschule länger gemeinsam lernen.
Oft wird das längere gemeinsame Lernen als Allheilmittel interpretiert, Kinder aus bildungsfernen Schichten nicht zu benachteiligen.
Wir sind der Auffassung, dass wir aber bereits vor der Grundschule für faire Startchancen für alle Kinder sorgen müssen. Daher hat die Landesregierung unter Beteiligung der FDP verbindliche Sprachstandstests für alle Vierjährigen eingeführt und fördert anschließend Kinder mit Sprachdefiziten, sodass alle Kinder von Beginn an in der Grundschule dem Unterricht folgen können. Das schafft faire Chancen für alle.
- Wie soll Inklusion/gemeinsamer Unterricht an den Schulen umgesetzt werden?
Die FDP unterstützt ausdrücklich Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf den Besuch einer allgemeinen Schule zu ermöglichen und Schulen, die sich auf diesen Weg machen, mit zusätzlichen Mitteln zu unterstützen. Seit der Regierungsübernahme von FDP und CDU ist der Anteil der Schüler, für die ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde, im GU von 10,7 % auf 14,6 % kontinuierlich angestiegen. Um den qualitativen wie quantitativen Ausbau des GU zu unterstützen, ist der Anteil der Lehrerstellen an diesem Förderort in den vergangenen fünf Jahren um rund 500 Stellen erhöht worden.
- In welchem Zeitraum wollen Sie welche „Inklusions-Quote“ erreichen?
Wir wollen eine stetige Steigerung der „Inklusionsquote“. Wir liegen heute bei 16, 1 % im Vergleich zu 8, 8 % im Schuljahr 2000/2001.
- Wie viel Geld wollen Sie für die Umsetzung von Inklusion in Schulen zusätzlich investieren?
In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf an den allgemeinen Schulen kontinuierlich erhöht worden (s. o.). In den letzten Jahren wurden bereits mehrere hundert Lehrerstellen für diesen Förderot zur Verfügung gestellt. Die FDP will diese Angebote in den nächsten Jahren weiter ausbauen und hierfür ein grundsätzliches Wahlrecht des Förderorts, also einer Förderschule oder einer allgemeinen Schule in zumutbarer Entfernung, einführen.
- Haben Förderschulen nach den Vorstellungen Ihrer Partei eine Zukunft?
Zunächst einmal Ja. Die FDP hält es derzeit für unverzichtbar, dass es auch künftig ein flächendeckendes Angebot an Förderschulen geben muss. Eine vollständige Umstellung auf GU kann erst dann erfolgen, wenn für die entsprechenden Kinder ein qualitativ entsprechendes Angebot an den Regelschulen besteht. Dies streben wir an, kann aber nicht von heute auf morgen erfolgen. Eine übereilte Totalumstellung ist nicht im Sinne der betroffenen Kinder, wenn die Qualität nicht gewährleistet ist.
- Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist.
Nach der von der FDP mit initiierten Vereinfachung der Anzahl der Noten für das Arbeits- und Sozialverhalten ist deren Ausgestaltung angemessen und sinnvoll. Kopfnoten bereiten gerade Jugendliche frühzeitig auf Erwartungshaltungen vor, die ihnen in ihrem späteren beruflichen, aber auch privaten Leben immer wieder begegnen werden.
Mehrere Lehrerinnen und Lehrer auch aus Stadtteilen mit überwiegend bildungsfernen Stadtteilen (z.B. in Duisburg) haben mir geschildert, dass die Kinder sehr an einer guten Kopfnote interessiert sind und das Gespräch suchen, wie sie sich verbessern können.
Ganz persönlich bin ich der Meinung, dass eine Kopfnote zum „Sozialverhalten“ ausreichen würde.
- Das OGS-Angebot hat sich in vielen Kommunen in NRW zum Erfolgsmodell entwickelt. Werden Sie das OGS-Angebot landesweit weiter ausbauen?
Ja, siehe auch Frage 16.
- Ist der gebundene Ganztag in der Grundschule für Sie eine Perspektive für die kommenden Jahre?
Nein, ich bin bei Grundschulen für flächendeckenden, bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen Offenen Ganztag.
- Werden Sie den gebundenen Ganztag an den Gymnasien mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes weiter ausbauen?
Ja, siehe auch Frage 16.
- Werden Sie den Ausbau des Ganztags auch an den Gesamtschulen unterstützen?
Die FDP möchte den Ganztag als ein Angebot für die Eltern und Kinder gestalten. Daher haben wir in den vergangenen Jahren die Anzahl der Plätze an den Offenen Ganztagsgrundschulen kontinuierlich erhöht. Standen 2005 lediglich 71 000 Plätze zur Verfügung, werden im Jahr 2010 225 000 Plätze bereit gestellt; hierfür haben wir die Landesmittel von 55,5 Millionen Euro auf rund 248 Millionen Euro erhöht. Die Versorgungsquote der Grundschulen mit einem Offenen Ganztagsangebot steigt damit seit dem Schuljahr 2004/2005 von 20 Prozent auf über 85 Prozent im kommenden Schuljahr. Die FDP will den flächendeckenden, bedarfsgerechten und qualitativen Ausbau der Ganztagsangebote an allen Schulformen fortsetzen.
- Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
Die Frage der Kosten des Schulessens und die diesbezügliche Preisgestaltung – auch bezüglich des Personaleinsatzes – wird nicht zuletzt von der Umsatzsteuer beeinflusst. Die FDP hält es für notwendig, dass die Problematik der Kosten des Schulessens, auf die auch die Ausgestaltung der unterschiedlichen Sätze der Mehrwertsteuer einwirkt, im Zuge einer umfassenden Regelung gelöst wird, so dass an dieser Stelle auch eine sinnvollere Ausgestaltung des Schulessens ermöglicht wird.
- Schulreformen wie G8 oder Inklusion erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Wie werden Sie sich für Lehrerfortbildung einsetzen?
Mit der Verabschiedung der neuen Lehrerausbildung im Jahr 2009 wurde unter der Regierungsbeteiligung der FDP das modernste Lehrerausbildungsgesetz in Deutschland geschaffen. Zukünftig werden die Pädagogen frühzeitiger an die sie in den Schulen erwartende Praxis herangeführt; auch wird die Didaktik gestärkt. Zudem erhalten die Lehramtsstudenten und -studentinnen künftig die Möglichkeit, frühzeitig einschätzen zu können, ob sie für den Lehrerberuf geeignet sind.
In der laufenden Legislaturperiode wurden die Mittel für die Lehrerfortbildung erhöht. Alleine mit dem Landeshaushalt 2010 wurden die Mittel um über 5,3 Millionen Euro angehoben. Die FDP möchte die Mittel für die Lehrerfortbildung auch in Zukunft deutlich erhöhen. Die Mittel für die Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern müssen schrittweise auf einen 1,5-prozentigen Anteil erhöht werden. Eine deutliche Steigerung wissenschaftlich begleiteter Weiterbildungsangebote braucht ein entsprechendes Anreizsystem, ähnlich dem Punktesystem für die Weiterbildung von Medizinern. Dieses Punktesystem soll bei Beförderungen oder leistungsbezogenen Zulagen herangezogen werden. Neben unterrichtsbegleitenden Maßnahmen fordern wir die Einführung eines Fortbildungssemesters. Spätestens alle zehn Jahre soll es jeder Lehrerin und jedem Lehrer ermöglicht werden, sich ein halbes Jahr in den Ausbildungszentren der Hochschulen fortzubilden. Umgekehrt ermöglicht dieser Austausch einen näheren Praxisbezug für die Lehramtsstudierenden. Für Schulleitungen müssen spezielle Weiterqualifikationsmaßnahmen entwickelt werden.
- Welchen Stellenwert räumen Sie der Elternmitwirkung in Bildungsfragen ein? Wie wollen Sie die Eltern einbinden? Welche Tipps können Sie Eltern geben, um sich Gehör zu verschaffen
Die Elternmitwirkung, die Beteiligung der Eltern an der Erziehung und Bildung der Kinder und Jugendlichen ist für die FDP unverzichtbar. Für mich als Vater einer kleinen Tochter ist das selbstverständlich. Auch wenn wir die Erziehungsfunktion der Schulen gestärkt haben, kann und soll Schule das Engagement der Eltern nicht ersetzen. Das Schulgesetz ermöglicht über die Klassenkonferenzen, die Schulkonferenzen, die Stadt- oder Gemeindeschulpflegschaften oder auch die unterschiedlichen Elternverbände vielfältige Möglichkeiten der Einflussnahme und Mitgestaltung des Schullebens durch die Eltern. Dieses tausendfache Engagement schätzen und unterstützen wir nachdrücklich.
Sehr geehrter Herr Stamp, herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!
Geschrieben von Administrator am 02.05.2010 um 06:41:51
Wahlprüfsteine SSP - Antworten Christian Trützler (Bündnis90/Die Grünen)
- Welche Rolle spielen nach den Plänen Ihrer Partei in einer künftigen Schulstruktur in NRW die Haupt- und Realschulen?
Die Hauptschule wird landesweit von immer weniger Eltern für Ihre Kinder gewählt. Nur noch die SchülerInnen, die keine andere Wahl haben, besuchen die Hauptschule. Dieser Prozess beginnt auch bei den Realschulen. Den Kommunen muss die Möglichkeit gegeben werden mit Kooperationsmodellen und anderen Modellen auf diese Entwicklung zu reagieren.
Längeres gemeinsames Lernen muss möglich gemacht werden. Es müssen Angebote geschaffen werden, die alle Bildungsabschlüsse offen hält.
- Wie sieht die Zukunft der Gesamtschulen aus? Wird das Gesamtschulangebot weiter ausgebaut?
Wir Grüne fördern gemeinsames Lernen bis Klasse 10. Das ist in der Gesamtschule möglich. Es gibt hervorragende Gesamtschulen, die es vermögen, SchülerInnen zu motivieren und mitzunehmen. Das viele Kinder, die eine Hauptoder Realschulempfehlung hatten an den Gesamtschulen das Abitur schaffen, zeigt, dass sie die einzige Schule ist, die auf der einen Seite zu den bestmöglichen Ergebnissen für die Kinder führt und auf der anderen Seite es vermag, dass der soziale Stand der Eltern weniger Einfluss auf den späteren sozialen Stand des Kindes hat.
Grüne werden, wenn Sie an der Regierung sind, neue Gesamtschulen da schaffen, wo sie von den Eltern gewünscht werden. Es kann nicht sein, dass landesweit mehr als ein Drittel der Kinder, die eine Gesamtschule besuchen wollen, abgelehnt werden.
Die bestehende Diskriminierung der Gesamtschulen, die derzeit im Falle einer Neugründung keine Ganztagsschule sind, werden wir abschaffen.
- Aktuell wird die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien in NRW diskutiert. Werden Sie die Wahlfreiheit flächendeckend umsetzen und wenn Ja, wie soll die Wahlfreiheit umgesetzt werden?
Bündnis 90/Die Grünen haben in Ihrem Landtagswahlprogramm die Wahlfreiheit zwischen 8 und 9 Jahren zum Abitur festgeschrieben. Auf keinen Fall darf man in der Sekundarstufe I die Lehr- und Lerngeschwindigkeit differenzieren, das führt nur dazu, dass ein Wechsel von einem zum anderen Zug schon sehr früh nicht mehr möglich ist, was unserer Vorstellung, dass die Wahl, auf einen schnelleren Zweig im Gymnasium oder von einer anderen Schule in ein G8-Zug möglich sein muss, widerspricht. Die Separation der Lehr- und Lerngeschwindigkeit darf somit erst in der Sekundarstufe II erfolgen
In der Regel sind Gymnasien mehrzügig, so dass beide Möglichkeiten an einem Ort stattfinden können. In ländlichen Gebieten, in denen es nur eine einzügige Oberstufe gibt, muss durch entsprechende Absprachen zwischen Nachbargymnasien möglich sein, beide Züge im Rahmen einer Kooperation anzubieten.
- Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Kommunen sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
Es bedarf unseres Erachtens einer festen Steuereinnahmequelle für die Kommunen, damit diese ihre Investitionen unabhängig von Konjunkturschwankungen, die erhebliche Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahmen haben, planen und tätigen können.
Der Raubzug der Landesregierung an den Kommunen muss aufhören. Die Summe, um die die Landesregierung die Kommunen jährlich gebracht hat, belaufen sich auf ca. 1,5 Mrd. €.
Es muss zudem über den Bundesrat der Bundesregierung deutlich gemacht werden, dass kein Platz mehr für weitere Steuerentlastungen, die vornehmlich denen, die besser gestellt sind, zu Gute kommen, gegeben ist.
- Werden Sie den Schulen mehr Gestaltungsspielräume und finanzielle Eigenverantwortung geben?
Die Selbständigkeit der Schulen soll deutlich ausgebaut werden und Schulen wie Kommunen mehr Entscheidungsspielräume erhalten. Die Schule vor Ort kann am besten entscheiden, wen sie einstellt, wie die Stundentafel aussieht und auf welche Weise sie Lerngruppen organisieren wollen.
- Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind dringend kleinere Klassen notwendig. Welche Klassengrößen streben Sie für welche Schulform an und wie wollen Sie diese erreichen?
Die Grünen setzen sich dafür ein, dass es keine Klassen in weiterführenden Schulen, die sich auf den Weg in Richtung längeren gemeinsamen Lernens machen mit mehr als 25 SchülerInnen geben soll. Für Grundschulen sehen wir eine Höchstzahl von 23 SchülerInnen vor. Im Falle eines gemeinsamen Unterrichtes von Kindern mit und ohne Behinderung sollte die Klassengröße höchstens 20 SchülerInnen
umfassen.
- Wie interpretieren Sie den Begriff ‚Länger gemeinsam Lernen‘?
Nach der Grundschule werden die Kinder nicht auf verschiedene Schulformen verteilt. Bis Klasse 10 sollen Kinder möglichst gemeinsam unterrichtet werden. Dabei können neben individueller Förderung in kleinen Lerngruppen SchülerInnen, die den Lehrstoff sehr gut verstanden haben, anderen SchülerInnen, die Probleme mit der Verarbeitung des Stoffes haben, unterstützen.
- Wie soll Inklusion/gemeinsamer Unterricht an den Schulen umgesetzt werden?
Zunächst müssen die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Schulen müssen barrierefrei umgebaut werden. Die personelle und räumliche Ausstattung muss verbessert werden, damit die individuelle Förderung der SchülerInnen mit Behinderung umgesetzt werden kann.
Ein verbindlicher Inklusionsplan muss unter Mitwirkung der Beteiligten aufgestellt werden. Dazu gehört, dass inklusive Lerngruppen maximal 20 SchülerInnen umfassen darf. Ganztagsangebote müssen von allen wahrgenommen werden können.
LehrerInnen müssen auf Ihre neue Aufgabe intensiv vorbereitet und geschult werden.
- In welchem Zeitraum wollen Sie welche „Inklusions-Quote“ erreichen?
Anlässlich einer Landtagsanhörung zu einem grünen Inklusionsantrag wurde ein Zeitraum von 10 Jahren genannt. Auf Grund der in Kraft getretenen UNKonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist eine Zwangszuweisung zu Förderschulen nicht mehr möglich; entsprechende Regelungen im Schulgesetz sind rechtsunwirksam. Daher müssen wir schneller reagieren. Wir Grüne haben das Ziel, das Verhältnis von gemeinsamen Unterricht zu Förderschulen von heute 15:85 umzudrehen.
- Wie viel Geld wollen Sie für die Umsetzung von Inklusion in Schulen zusätzlich investieren?
Die Gelder, die derzeit für SonderpädagogInnen an Förderschulen zur Verfügung stehen, müssen schrittweise zum gemeinsamen Unterricht umgewidmet werden. Zusätzlich ist eine 10%ige Ressource für die Mehraufwendungen im Rahmen der Umstellung nötig.
- Haben Förderschulen nach den Vorstellungen Ihrer Partei eine Zukunft?
So lange Eltern sie wünschen, bleiben sie mittelfristig erhalten. Es gibt jedoch auch Förderschulen, die sich selbst in Richtung gemeinsamen Unterrichtes öffnen möchten.
- Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist.
Kopfnoten sind nicht in der Lage, das Sozialverhalten der SchülerInnen zu verändern. Sie sind oft höchst subjektiv. Wir möchten Kopfnoten generell abschaffen.
- Das OGS-Angebot hat sich in vielen Kommunen in NRW zum Erfolgsmodell entwickelt. Werden Sie das OGS-Angebot landesweit weiter ausbauen?
Das OGS-Angebot muss in jedem Fall ausgebaut werden. Vor allem müssen die Mittel für die OGS Förderung angepasst werden. So wurden die Mittel für Personal, die den Kommunen zur Verfügung gestellt werden trotz gestiegener Personalkosten seit 2003 nicht mehr angepasst.
- Ist der gebundene Ganztag in der Grundschule für Sie eine Perspektive für die kommenden Jahre?
Der gebundene Ganztag bietet den Kindern optimale Förderung, besonders in den Fällen, in denen Eltern nicht die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu unterstützen (Lernen/Hausaufgaben).
- Werden Sie den gebundenen Ganztag an den Gymnasien mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes weiter ausbauen?
Seit der Einführung von G8 ist in vielen Gymnasien ein Schritt Richtung Ganztagsunterricht unternommen worden, leider häufig ohne die dafür notwendige Infrastruktur wie z.B. Mensen zur Verfügung zu stellen. G8 ohne Ganztag ist nicht oder nur für die SchülerInnen gut situierter Eltern, die evtl. Förderung über teure Nachhilfe erhalten und für sehr gute SchülerInnen möglich, was zu einer erneuten Separation nach sozialem Stand führt.
- Werden Sie den Ausbau des Ganztags auch an den Gesamtschulen unterstützen?
Die Gesamtschule ist vom pädagogischen Ansatz her als Ganztagsschule konzipiert. Die Abschaffung durch Frau Sommer dient meines Erachtens alleine der von der CDU und der FDP gewünschten Auszehrung der Gesamtschule und wird von uns sofort rückgängig gemacht werden.
- Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
Wir Grüne haben uns bereits in Bonn dafür eingesetzt, dass das Mittagessen für bedürftige SchülerInnen und auch für Kinder, die eine Ganztagskita besuchen kostenlos ist.
Meines Erachtens ist die kostenlose Essenabgabe an Kinder bedürftiger Eltern eine staatliche Aufgabe, zumal die Summe, die der ALG II-Satz für Mittagessen bei Kindern vorsieht, geringer ist, als der Abgabepreis des Essens in OGS und Kita.
Damit dies in allen Kommunen möglich ist, muss das Land für diese Kosten aufkommen.
- Schulreformen wie G8 oder Inklusion erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Wie werden Sie sich für Lehrerfortbildung einsetzen?
Auf die LehrerInnen kommen bereits heute gewaltige Zusatzaufgaben zu. Selbst in Gymnasien sind sie mit dem Ausgleich schwierigen Sozialverhaltens einiger SchülerInnen befasst. Von daher bedarf es bereits jetzt regelmäßiger Fortbildung.
Das Zuhör- und Lern- und Konsumverhalten ist bereits seit geraumer Zeit im Wandel begriffen und wandelt sich weiter, so dass einmal erlernte Methoden eine relativ kurze Halbwertzeit haben können. Daher müssen die LehrerInnen in regelmäßigen Abständen mit den neuesten Unterrichtsmethoden konfrontiert werden.
Regelmäßiger Fortbildung bedarf es auch in fachlicher Hinsicht, vor allem in den Naturwissenschaften. Allerdings muss den LehrerInnen auch die Zeit zur Fortbildung zur Verfügung gestellt werden. Oft scheitert es daran, dass zu viele Vertretungsstunden gemacht werden müssen, oder andere Aufgaben, die zusätzlich zum Stundendeputat dazukommen die Lehrenden daran hindern, eine Fortbildung zu besuchen.
- Welchen Stellenwert räumen Sie der Elternmitwirkung in Bildungsfragen ein? Wie wollen Sie die Eltern einbinden? Welche Tipps können Sie Eltern geben, um sich Gehör zu verschaffen
Wir kämpfen für die Wiedereinführung der Drittelparität in der Schulkonferenz, da Eltern ein wichtiger Bestandteil dort sind.
Auf Landesebene soll eine demokratisch gewählte, von unten aufgebaute Interessenvertretung der Eltern eingeführt werden.
Sehr geehrter Herr Trützler, herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!
Geschrieben von Administrator am 27.04.2010 um 11:05:37
Wahlprüfsteine SSP - Antworten Jenny Morin Nenoff (Die Linke)
- Welche Rolle spielen nach den Plänen Ihrer Partei in einer künftigen Schulstruktur in NRW die Haupt- und Realschulen?
Immer mehr Eltern weigern sich ihre Kinder in die Perspektivlosigkeit zu schicken. Daher gehen die Schülerzahlen an Hauptschulen in NRW zu Recht deutlich zurück. Haupt-, Realschule und auch das Gymnasium sind nicht zukunftsfähig und werden in Abstimmung mit allen Betroffenen in einer gemeinsamen Schulform die alle Abschlüsse ermöglicht zusammengeführt.
- Wie sieht die Zukunft der Gesamtschulen aus? Wird das Gesamtschulangebot weiter ausgebaut?
Gesamtschulen können sich vor Anmeldungen kaum retten. Zu viele SchülerInnen werden Jahr für Jahr abgewiesen. Deswegen ist es dringend nötig das Gesamtschulangebot quantitativ als auch qualitativ auszubauen.
- Aktuell wird die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien in NRW diskutiert. Werden Sie die Wahlfreiheit flächendeckend umsetzen und wenn Ja, wie soll die Wahlfreiheit umgesetzt werden?
Wir setzten uns für G9 an allen Gymnasien ein. Jedem Kind bzw. Jugendlichen steht auch weiterhin ohne G8 die Möglichkeit offen eine oder mehrere Klassen zu überspringen. Deswegen halten wir die Parallelität von G8 und G9 für überflüssig.
- Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Kommunen sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
Zunächst müssen die Steuersenkungspläne von CDU/CSU und FDP gestoppt werden. Um die beim Bildungsgipfel 2008 versprochenen 10% des BIP für Bildung einzulösen, muss der Spitzensteuersatz deutlich angehoben werden, die Vermögenssteuer erneut eingeführt und eine Börsenumsatzsteuer erhoben werden.
- Werden Sie den Schulen mehr Gestaltungsspielräume und finanzielle Eigenverantwortung geben?
Ja, Schulen brauchen mehr Gestaltungspielraum, da man vor Ort am besten weiß, wie die Mittel am sinnvollsten eingesetzt werden.
- Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind dringend kleinere Klassen notwendig. Welche Klassengrößen streben Sie für welche Schulform an und wie wollen Sie diese erreichen?
Für alle derzeit bestehenden Schulformen muss eine Klassengröße von 15 SchülerInnen erreicht werden, dementsprechend muss die Anzahl der LehrerInnenstellen deutlich aufgestockt werden.
- Wie interpretieren Sie den Begriff ‚Länger gemeinsam Lernen‘?
Länger gemeinsam Lernen bedeutet, dass alle Kinder eine gemeinsame Schule von der 1. bis zur 10. Klasse in Ganztagsform besuchen.
- Wie soll Inklusion/gemeinsamer Unterricht an den Schulen umgesetzt werden?
Wie in Bremen muss Inklusion im Schulgesetz verankert werden. An den Schulen sollen Inklusionsklassen eingeführt werden, die von LehrerInnen und SonderpädagogInnen gemeinsam unterrichtet werden.
- In welchem Zeitraum wollen Sie welche „Inklusions-Quote“ erreichen?
Innerhalb von 8 Jahren sollte eine Inklusionsquote von 95% erreicht werden.
- Wie viel Geld wollen Sie für die Umsetzung von Inklusion in Schulen zusätzlich investieren?
Soviel Geld wie nötig ist von den 8,8 Mrd. für NRW, die sich aus den angestrebten 10% des BIP für Bildung ergeben.
- Haben Förderschulen nach den Vorstellungen Ihrer Partei eine Zukunft?
Durch die Anerkennung der UN-Konvention hat sich Deutschland verpflichtet alle Kinder mit Behinderungen in das Regelschulsystem zu integrieren. Die qualitativ hochwertige Betreuung und Förderung wird im Regelschulsystem fortgeführt und macht Förderschulen überflüssig.
- Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist.
Wir möchten die Kopfnoten komplett abschaffen, nicht nur von den Abschlusszeugnissen entfernen. Die Persönlichkeit eines Kindes kann und darf nicht in Form von Noten bewertet werden.
- Das OGS-Angebot hat sich in vielen Kommunen in NRW zum Erfolgsmodell entwickelt. Werden Sie das OGS-Angebot landesweit weiter ausbauen?
Ja, das OGS-Angebot muss quantitativ und qualitativ landesweit ausgebaut werden. Der vieldiskutierte Zielkonflikt zwischen Quantität und Qualität muss durch zusätzliche Finanzmittel aufgelöst werden, damit weder Beschäftigte noch die Kinder die Leidtragenden sind.
- Ist der gebundene Ganztag in der Grundschule für Sie eine Perspektive für die kommenden Jahre?
Ja, da diese Form der Ganztagsschule es ermöglicht den traditionellen Schulunterrichtsrhythmus zugunsten eines Kind gerechteren Modells zu modifizieren.
- Werden Sie den gebundenen Ganztag an den Gymnasien mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes weiter ausbauen?
Ja.
- Werden Sie den Ausbau des Ganztags auch an den Gesamtschulen unterstützen?
Ja.
- Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
Ja, genau wie in den Mensen muss das Mittagessen bezuschusst werden und für Kinder bedürftiger Eltern muss ein kostenloses Angebot eingerichtet werden.
- Schulreformen wie G8 oder Inklusion erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Wie werden Sie sich für Lehrerfortbildung einsetzen?
Die Finanzierung der Lehrerfortbildung ist ein integraler Bestandteil der Gesamtumsetzung des Inklusionskonzeptes. Darüber hinaus müssen die Studieninhalte der jetzigen und kommenden Lehramtsstudierenden umgehend angepasst werden.
- Welchen Stellenwert räumen Sie der Elternmitwirkung in Bildungsfragen ein? Wie wollen Sie die Eltern einbinden? Welche Tipps können Sie Eltern geben, um sich Gehör zu verschaffen
Eltern und SchülerInnen müssen neben den LehrerInnen gleichberechtigte Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsrechte eingeräumt bekommen. Um sich Gehör zu verschaffen sollten die Eltern gemeinsam mit SchülerInnen, Azubis und Studierenden im Rahmen des Bildungsstreiks auf die Straße gehen.
Sehr geehrte Frau Morin Nenoff, herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!
Geschrieben von Administrator am 21.04.2010 um 10:02:35
Wahlprüfsteine SSP - Antworten Renate Hendricks (SPD)
- Welche Rolle spielen nach den Plänen Ihrer Partei in einer künftigen Schulstruktur in NRW die Haupt- und Realschulen?
Hauptschulen und Realschulen wird es weiter geben, wenn die Eltern sie wollen. Allerdings werden wir die Möglichkeiten schaffen, das Schulangebot in eine Gemeinschaftsschule umzubauen.
- Wie sieht die Zukunft der Gesamtschulen aus? Wird das Gesamtschulangebot weiter ausgebaut?
Ja, wir werden weiterhin Gesamtschulen genehmigen. Alle Gesamtschulen werden bei uns den Ganztag erhalten. Mit uns wird es ein Recht auf Ganztag geben.
- Aktuell wird die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien in NRW diskutiert. Werden Sie die Wahlfreiheit flächendeckend umsetzen und wenn Ja, wie soll die Wahlfreiheit umgesetzt werden?
Die Wahlfreiheit wird dort umgesetzt werden, wo Schulen und Eltern die Wahlfreiheit umsetzen wollen. Wählen heißt, sich entscheiden. Wir machen an diesem Punkt keine Vorschriften, sondern schaffen Vorausetzungen, die genutzt werden können. Wir werden allerdings die Sek. I wieder auf 10 Jahre verlängern.
- Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Kommunen sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
Wir wollen mittfristig 10 Prozent des BIP für Bildungs zur Verfügung stellen. Dazu sind auch zusätzliche Steuern erforderlich. Z.B. eine Kapitalumsatzsteuer.
- Werden Sie den Schulen mehr Gestaltungsspielräume und finanzielle Eigenverantwortung geben?
Ja. wir wollen den Schulen Gestaltungspsielräume geben. Ich erinnere daran, dass wir das Modell der “Selbständigen Schule” veranlasst haben. An diese von der jetzigen Regierung in Teilen wieder zurückgenommene Entwicklung wollen wir wieder anknüpfen.
- Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind dringend kleinere Klassen notwendig. Welche Klassengrößen streben Sie für welche Schulform an und wie wollen Sie diese erreichen?
Wir wollen mittelfristig, dass es keine Klasse mehr mit mehr als 25 Kindern gibt. Dazu werden wir die Lehrerstellen im System belassen, die aufgrund des Schülerrückgangs zur Verfügung stünden, und zusätzliche Stellen schaffen.
- Wie interpretieren Sie den Begriff ‚Länger gemeinsam Lernen‘?
Dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, bis zur 8. oder 10. Klasse die Schule gemeinsam zu besuchen.
- Wie soll Inklusion/gemeinsamer Unterricht an den Schulen umgesetzt werden?
Indem wir den Schulen das erforderliche Personal zu Verfügung stellen, um Kindern inklusiv zu beschulen. Dazu wollen wir Schwerpunktschulen schaffen, um die Kinder und Jugendlichen auch richtig fördern zu können.
- In welchem Zeitraum wollen Sie welche „Inklusions-Quote“ erreichen?
Ich könnte mir vorstellen, dass es möglich ist, in 10 Jahren eine Inklusionsquote von 80 Prozent zu erreichen.
- Wie viel Geld wollen Sie für die Umsetzung von Inklusion in Schulen zusätzlich investieren?
10 Prozent vom BIP ist unser Ziel, darin sollte auch das Geld für die Inklusion enthalten sein.
- Haben Förderschulen nach den Vorstellungen Ihrer Partei eine Zukunft?
Wir wollen das System langsam verändern. Langfristig wird es aus unserer Sicht nur noch in Einzelfällen Förderschulen geben. Allerdings werden alle Schulen Förderschullehrer/innen erhalten, die Inklusion umsetzen.
- Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist.
Ja.
- Das OGS-Angebot hat sich in vielen Kommunen in NRW zum Erfolgsmodell entwickelt. Werden Sie das OGS-Angebot landesweit weiter ausbauen?
Ja. Wir müssen vor allem sichere und für alle Beteiligte verbindliche Strukturen schaffen, die prekäre Arbeitsverhältnisse in den Schulen verhindern. Außerdem muss die Qualität der OGS gesichert und weiterentwickelt werden.
- Ist der gebundene Ganztag in der Grundschule für Sie eine Perspektive für die kommenden Jahre?
Ja, da wo die Eltern ihn wollen. Allerdings auch unter Beteiligung der Jugendhilfe, weil wir im Ganztag auf einen Professionenmix setzen.
- Werden Sie den gebundenen Ganztag an den Gymnasien mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes weiter ausbauen?
Wir wollen ein Recht auf Ganztag einführen. Auch hier haben die Eltern und die Schulen zukünftig die Wahl.
- Werden Sie den Ausbau des Ganztags auch an den Gesamtschulen unterstützen?
Ja, siehe oben.
- Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
Dazu haben wir noch keine konkreten Pläne. Ich halte dieses Thema aber für sehr diskussionsbedürftig im Sinne der Fragestellung.
- Schulreformen wie G8 oder Inklusion erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Wie werden Sie sich für Lehrerfortbildung einsetzen?
Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung müssen sich verändern. Lehrerfortbildung sollte als systemische Fortbildung angelegt sein und für das ganze Kollegium im Sinne der Weiterentwicklung möglich sein. Zudem halte ich neue Teamstrukturen in den Kollegien, die auch zum Austausch über Schüler und Schülerinnen führen, für einen guten Ort schulinterner Fortbildung. Fortbildungsstrukturen sind neu zu schaffen und ausreichend zu finanzieren, um eine erfolgreiche Schulentwicklung zu ermöglichen. Dazu gehören auch Coaching-Angebote.
- Welchen Stellenwert räumen Sie der Elternmitwirkung in Bildungsfragen ein? Wie wollen Sie die Eltern einbinden? Welche Tipps können Sie Eltern geben, um sich Gehör zu verschaffen
Zunächst einmal werden wir die Drittelparität in den Schulkonferenzen wieder einführen. Eltern sind außerdem an keinen Dienstweg gebunden, um sich Gehör zu verschaffen, sie können unmittelbar, lautstark und mächtig auf alle Ebenen der Verwaltung und der Poltik Einlfuss nehmen. Eine gesetzlich geregelte Landeselternrat halte ich für einen wichtigen Schritt, um den Dialog mit der Landesregierung zu intensivieren und aus der Beliebigkeit zu einem regelmäßigen Einflussdialog zu gelangen.
Sehr geehrte Frau Hendricks, herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!
Geschrieben von Administrator am 20.04.2010 um 11:48:24
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