Auszug aus der Lanfassung des Parteiprogramms der FDP vom 14.03.10 Vollständige Langfassung
Bildung entscheidet: über die Lebenschancen jedes Einzelnen genauso wie über das Wohlergehen unserer Gesellschaft insgesamt. Sie ist die Voraussetzung für den individuellen sozialen Aufstieg. Und sie ist der Erfolgsfaktor unserer Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb. Deshalb ist Bildung für die FDP ein Bürgerrecht. Sie hat für uns politische und finanzielle Priorität. Wir wollen Nordrhein-Westfalen bis 2015 zum Bildungsland Nr. 1 in Deutschland machen: Von der frühkindlichen Bildung, über Schule und Berufsausbildung bis hin zum Hochschulwesen und zur Weiterbildung wollen wir uns mit den besten Ländern messen.
Unser Ideal ist der aufgeklärte Bürger, der seine Freiheit lebt und der Verantwortung für sich und andere übernimmt. Jedem Menschen unabhängig von seiner sozialen Herkunft die Chance auf Aufstieg durch Bildung und lebensbegleitende Weiterbildung zu eröffnen, ist gleichermaßen Ziel wie Herausforderung liberaler Bildungspolitik. Chancen sind allerdings keine Garantien: Sie setzen immer individuellen Einsatz und Talent voraus. Prinzipien liberaler Bildungspolitik sind die Wahlfreiheit zwischen Bildungseinrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zwischen unterschiedlichen Bildungsabschlüssen. Wir wollen jeden Einzelnen in Abhängigkeit von seinen Möglichkeiten individuell fördern und fordern. Wir streben pragmatisch beste Qualität für Bildung in der Praxis an, statt die alten Debatten über Ideologien und Strukturen fortzusetzen. Befähigungen vermitteln wir in Verbindung mit Werten. Wir sind überzeugt, dass autonome Gestaltungsfreiheit einer Bildungseinrichtung Kreativität und neue Lösungen freisetzt, wenn Transparenz der Ergebnisse und der Wettbewerb zwischen den Institutionen die Qualität sichern. Dies sind die Leitlinien unserer Politik, nach denen wir unser Bildungssystem weiterentwickeln werden. Durch sie können und werden wir Kindern und Jugendlichen die Werte unserer Gesellschaft auf der Grundlage unserer Verfassung, Lebenstüchtigkeit im Alltag, Qualifikationen für ihr Berufsleben und den emanzipierten Umgang mit kulturellen Gütern vermitteln.
Unser Anspruch ist, allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die Chance zur Entfaltung ihrer Talente zu eröffnen und sie zu individueller Leistung wie zu gesellschaftlicher Verantwortung zu motivieren. Die FDP ist Partner der Eltern, die ein auch im Alltag verlässliches und qualitativ hochwertiges Bildungssystem fordern, das ihren Kindern vielfältige Optionen für die Zukunft eröffnet. Die FDP ist Partner der Lehrerinnen und Lehrer, deren Engagement und Verantwortung für die Zukunft nicht hoch genug bewertet werden kann. Die FDP ist Partner der Kommunen wie der privaten Schulträger, die Unterstützung brauchen, um auch in Zeiten eines demographischen und sozio-technischen Wandels leistungsfähige regionale Bildungslandschaften zu sichern. In der ersten Legislaturperiode unserer Mitverantwortung in Nordrhein-Westfalen haben wir wesentliche Ressourcen- und Strukturprobleme lösen können. Bis 2015 konzentriert sich die FDP nun auf eine Qualitätsoffensive im Bildungsbereich. Wo notwendig, entwickeln wir eingeleitete Reformen aufgrund von praktischen Erfahrungen oder veränderten Rahmenbedingungen weiter. Wir fordern ferner eine grundlegende Neuausrichtung der Schnittstellen und Übergänge zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen sowie die rechtliche Flexibilisierung von Zugangsvoraussetzungen, insbesondere im zweiten Bildungsweg. Die FDP will so ein ebenso vielfältiges wie durchlässiges Bildungssystem schaffen, in dem vernetzt gedacht wird, eine Hand in die andere greift und kein Bildungsweg in einer Sackgasse endet.
Elementarbildung
In der frühen Kindheit werden die Voraussetzungen für die Persönlichkeitsentwicklung und den späteren Bildungserfolg geschaffen. Kindertageseinrichtungen unterstützen die Familien bei der Förderung ihrer Kinder vor der Einschulung. Sie wollen kleine Persönlichkeiten stärken, Individualität und Kreativität anregen und für den Schulbesuch notwendige Grundkompetenzen vermitteln. Zugleich leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Mit dem Kinderbildungsgesetz hat die von der FDP mitgetragene Regierungskoalition jahrzehntelange Versäumnisse korrigiert und die Finanzierung der Elementarbildung massiv verbessert: Dadurch stehen heute mit rund 86.000 Plätzen gut siebenmal mehr Plätze für unter Dreijährige zur Verfügung als 2005 – und der Ausbau wird planvoll fortgesetzt. Der pädagogische Bildungsauftrag der Einrichtungen wurde präzisiert, eine systematische Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung im vierten Lebensjahr eingeführt sowie der Verbleib der kirchlichen Träger in der KiTa-Landschaft gesichert. Bis 2012 werden sich insgesamt 3.000 zu Familienzentren weiterentwickelte Einrichtungen neuen Bedürfnissen von Eltern und Kindern widmen. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren viel erreicht. Wir wollen gleiche Chancen für alle Kinder. Die FDP will die Förder- und Arbeitsbedingungen in den Kindertageseinrichtungen weiter verbessern.
Ab dem Jahr 2013 haben alle Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag ihres Kindes. Auf Initiative der FDP hat die Regierungskoalition beschlossen, dass die Familien in Nordrhein-Westfalen auf Wunsch bereits zum Kindergartenjahr 2010/2011 für alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr einen Betreuungsplatz erhalten. Wir werden unmittelbar nach der Landtagswahl das Gesetzgebungsverfahren für eine „Platzgarantie ab zwei“ einleiten.
Der Kindergartenbesuch vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr ist inzwischen die erste Regelstation fast jeder Bildungsbiographie. Wir wollen, dass der Kindergartenbesuch ihrer Kinder für alle Eltern attraktiv ist. Deshalb streben die Freien Demokraten beginnend mit dem letzten Jahr vor der Einschulung den schrittweisen Verzicht auf Elternbeiträge für das 25-stündige Grundangebot der Kindertageseinrichtungen an. Erforderlich ist dazu ein gemeinsamer Kraftakt von Kommunen, Land und Bund. Dadurch würden vor allem Familien mit mittleren Einkommen, die unsere Gesellschaft durch ihre Leistungsbereitschaft tragen, endlich entlastet. Da sich die Kommunalisierung der Beitragserhebung nicht flächendeckend bewährt hat, wollen wir als möglichen Zwischenschritt landesweite Höchstgrenzen für kommunal festgesetzte Beiträge prüfen und endlich Rechtssicherheit für Kommunen schaffen, die in eigener Finanzverantwortung auf Beiträge verzichten. Wir werden die Regelungen des Kinderbildungsgesetzes hinsichtlich ihrer Handhabbarkeit in der Praxis auswerten und die pauschalen Mittelzuweisungen des Landes ngesichts
der Steigerung der Personal- und Sachkosten der vergangenen Jahre prüfen. Insbesondere wollen wir alle Bestimmungen sowie das Handeln von Trägern und Kommunen daraufhin hinterfragen, ob die Flexibilität der Eltern bei der Buchung eines Platzes unmittelbar oder mittelbar eingeschränkt wird: Unser Ziel ist, dass jede Familie die passende Betreuungszeit für ihr Kind erhalten kann. Auch eine kurzfristige Veränderung aus wichtigem Grund (etwa Arbeitsplatzwechsel) muss dabei unbürokratisch möglich sein. Wir wollen die Qualität der Elementarbildung und die Verzahnung mit dem Primarbereich weiter verbessern. Dazu werden wir ein übergreifendes, offenes Bildungskonzept von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen mit Leben füllen und in der Praxis verankern. Im Zuge dessen sollen auch die Ergebnisse der KiTa-Sprachstandserhebungen stärker berücksichtigt und die Förderung in der Grundschule fortgeführt werden. Zur Förderung von besonderen Begabungen wie zur Behebung von Lernschwächen sind eine sorgfältige Dokumentation der Entwicklung der Kinder sowie der Einsatz von entwicklungsdiagnostischen Instrumenten erforderlich. Alle Einrichtungen sollen sich auf freiwilliger Basis an einer Begutachtung durch externe Sachverständige stellen können, um bei den Eltern mit einem vom Land zu entwickelnden Qualitätssiegel für sich werben zu können.Der Umgang mit den unterschiedlichen Interessen und Neigungen, Begabungen und Beeinträchtigungen stellt die Erzieherinnen und Erzieher täglich vor große Herausforderungen. Die Qualifizierung des Fach- sowie des Führungspersonals in den Kindertageseinrichtungen ist deshalb eine bildungspolitische Schlüsselaufgabe. Die FDP strebt an, dass bis 2015 ein Studium der Sozialpädagogik der frühen Kindheit oder eine vergleichbare Qualifikation (zum Beispiel langjährige Berufspraxis in Verbindung mit nachgewiesenen Weiterbildungsmaßnahmen) für die Leitung einer Kindertageseinrichtung zur Regel wird. Um Chancengerechtigkeit zu gewährleisten, ist es wichtig, den Kindergarten langfristig zu einer Elementarschule auszubauen, die vorschulischen Charakter hat, bei der Pflicht zum Besuch besteht und die spielerisch an das Lernen heranführt. Die Elementarschule soll sich dabei an altersgerechten Lerninhalten orientieren. Eine Elementarschule ist Garant für einen chancengerechten Einstieg in die Bildungslandschaft.
Die FDP steht für eine Vielfalt von Trägern der freien Wohlfahrtspflege, Kirchen, Elterninitiativen, Kommunen und sonstigen privaten Anbietern. Private Träger können zusätzliche Leistungen oder Qualitäten bieten und ergänzen die bestehende Einrichtungslandschaft. Das Kinderbildungsgesetz hat diese Kindertageseinrichtungen zwar erstmals in seinen Regelungsbereich aufgenommen, aber eine finanzielle Förderung ausgeschlossen. Die Freien Demokraten setzen sich dafür ein, Kommunen die Option einzuräumen, auch private Träger von Kindertageseinrichtungen finanziell wie frei-gemeinnützige Träger zu fördern, wenn sie den gleichen Qualitätsstandards genügen. Die FDP setzt sich für bilinguale Kindertagesstätten ein.
Familienzentren beraten und begleiten Eltern und ihre Kinder über das normale Angebot von Kindertageseinrichtungen hinaus. Sie sind Knotenpunkte im sozialen Netz eines Stadtteils. Der Bedarf endet nicht mit der Einschulung. Deshalb wollen wir, dass auch Grundschulen zukünftig Familienzentren werden können. In Stadteilen mit besonderen sozialen Problemen müssen Kinder und Familien auch in besonderer Weise gefördert werden, um spätere Benachteiligungen auszuschließen und um möglichen Krisen in der Familie präventiv zu begegnen. Deshalb setzen sich die Liberalen für ein Programm „Familienzentrum plus“ ein, mit dem an fünfzig Brennpunktstandorten bestehende Familienzentren ihre Beratungs- und Sozialarbeit intensivieren können.
Schule
In der Schulpolitik hat die von der FDP mitgetragene Regierungskoalition in den letzten fünf Jahren eine Trendwende erreicht. Wir sind unserem Ziel näher gekommen, in Nordrhein-Westfalen die besten Schulen Deutschlands zu haben: Wir haben seit 2005 insgesamt 8.124 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen, um den Unterrichtsausfall zu bekämpfen, individuelle Förderung zu ermöglichen und um hochwertige Ganztagsangebote zu schaffen. Damit hat die FDP ihr Wahlversprechen von 8.000 neuen Lehrerstellen übertroffen. Nach den Plänen von Rot-Grün aus dem Jahr 2004 würden heute dagegen gut 17.000 Lehrer weniger unterrichten. Die deutlich gesunkenen Zahlen von Unterrichtsausfall, Klassenwiederholern und Schulabgängern ohne Abschluss zeigen, dass unsere Bemühungen erfolgreich waren.
Den demographischen Wandel, der im neuen Jahrzehnt voraussichtlich zu einem Rückgang der Schülerzahlen von über 15 Prozent führt, werden wir insbesondere für kontinuierlich kleinere Klassen, die weitere Minimierung des Unterrichtsausfalls und den Ganztagsausbau nutzen. In der letzten Wahlperiode haben wir das Schüler-Lehrerstellen-Verhältnis von etwa 19 Schülern pro Lehrer im Jahr 2005 auf 17 Schüler pro Lehrer redu8 ziert. Bis 2015 streben wir eine deutliche weitere Reduzierung an. Wir wollen dadurch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass an allen Schulformen keine Klasse mehr eingerichtet wird, die mehr als 25 Schüler hat.
Die FDP bekennt sich klar zur offenen Ganztagsschule als Element zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Seit 2005 haben wir rund 230 Ganztagshauptschulen mit erweitertem Stellenzuschlag sowie insgesamt 216 Ganztagsrealschulen und -gymnasien eingerichtet.Für den Ausbau von Mensen, Kantinen und Aufenthaltsräumen standen 100 Millionen Euro zur Verfügung. Die Grundschulen mit Offenem Ganztagsangebot haben wir in dieser Zeit vervierfacht, so dass es inzwischen 225.000 Ganztagsplätze an Grundschulen gibt.
Die FDP will den flächendeckenden, bedarfsgerechten und qualitativen Ausbau der Ganztagsangebote an allen Schulformen fortsetzen. Hierbei sollen in angemessener Entfernung jeweils ein Ganztagsangebot und ein Halbtagsangebot bestehen, um die Wahlfreiheit sicherzustellen. Um ein umfassendes Angebot an Ganztags- und Halbtagsschulen zu gewährleisten, wird der Ganztag flexibilisiert, so dass an einzelnen Schulen auch nur einzelne Klassenzüge eine Ganztagsförderung anbieten können. Bis 2015 will die FDP so erreichen, dass mindestens jede zweite weiterführende Schule ein Ganztagsangebot vorhält.
Im neuen Schulgesetz haben wir die individuelle Förderung eines jeden Schülers zum Leitgedanken der Bildungspolitik gemacht, der jetzt nach und nach in der Alltagsrealität ankommt. Wir haben beispielsweise im Sinne des Förderns und Forderns das Einschulungsalter schrittweise abgesenkt, ein verbindliches Grundschulgutachten und den Englischunterricht in der ersten Klasse eingeführt, die Erteilung von Ziffernzeugnissen am Ende der zweiten Klasse und von Halbjahreszeugnissen in der dritten Klasse wiederhergestellt, wir haben Schuleinzugsgrenzen aufgelöst, eine flexible Vertretungsreserve eingerichtet, Schulen in sozial problematischeren Gegenden durch mehr Lehrerstellen (Sozialindexstellen) unterstützt und Noten für das Arbeits- und Sozialverhalten einführt. Wir wollen diesen Kurs fortsetzen.
Die FDP setzt sich für den Aufbau eines Stipendiensystems für hochbegabte Schülerinnen und Schüler ein. Diese Stipendien sind unabhängig vom Verdienst der Eltern zu gewähren. Regulatorische Rahmenbedingungen für Privatschulen, die einer Stipendienvergabe an hochbegabte Schülerinnen und Schüler unabhängig vom Verdienst der Eltern entgegenstehen, sind abzulehnen.
Nordrhein-Westfalen hat als letztes Land die Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs auf acht Jahre vorgenommen („G8“). Junge Menschen können ihren weiteren Lebensweg nach der Schule jetzt so früh aufnehmen wie in anderen Bundesländern oder im europäischen Ausland. Die Umstellungsphase war und ist vielerorts noch nicht für alle Beteiligten zufrieden stellend abgeschlossen. Dennoch hat sich die weit überwiegende Mehrzahl der Elternpflegschaften für die Beibehaltung des G8 ausgesprochen.
Die FDP will das G8 deshalb im bestehenden Modell optimieren: Die Lehrpläne müssen weiter auf den Erwerb von Kompetenzen statt überflüssigem Detailwissen fokussiert, Unterrichtsinhalte gleichmäßiger zwischen Unter-, Mittel- und Oberstufe verteilt werden, um Belastungsspitzen in den unteren Jahrgängen abzubauen. Wir wollen die Erfahrungen in der Gestaltung beispielsweise der Stundenpläne der Gymnasien, an denen die Umstellung besonders frühzeitig gelungen ist, allen Schulen im Sinne von best practise zur Verfügung stellen. Die zehn bis zwölf Ergänzungsstunden der Sekundarstufe I wollen wir für eine Vertiefung des Unterrichtsstoffes und fachliche Hausaufgabenbetreuung anbieten, um die individuelle Förderung zu intensivieren und zugleich die Arbeitsbelastung der Schülerinnen und Schüler zu reduzieren.
Die von der FDP getragene Regierungskoalition hat die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen in allen Jahrgangsstufen erhöht werden kann. Beispielsweise erfolgt eine Beratung nach jedem Schulhalbjahr der Erprobungsstufe (Klassen 5 und 6), danach mit jeder Versetzungsentscheidung, wenn der Notendurchschnitt in den schriftlichen Fächern mindestens 2,0 erreicht. Wir drängen darauf, dass diese Beratung zielgerichtet auf den Aufstieg ausgerichtet wird und Eltern und Schülern Ängste genommen werden. Der Wechsel muss durch die gezielte Förderung in Kleingruppen in der aufnehmenden Schule auch praktisch erleichtert werden. Wir haben im neuen Schulgesetz auch bereits die Eigenverantwortung der Schulen eingeführt, die u. a. durch die Übertragung von Dienstvorgesetzteneigenschaften oder auch die schulscharfe Lehrereinstellung mittelfristig einen Mentalitätswandel bewirken wird. Mitunter ist die praktische Umsetzung noch inkonsequent. Die FDP will deshalb einen mutigen nächsten Schritt gehen und zukünftig die wirkliche pädagogische, personelle und finanzielle Autonomie und damit die Qualität der Schulen durch ein „Schulfreiheitsgesetz“ nach dem Vorbild unseres liberalen Hochschulfreiheitsgesetzes erhöhen. Das im Aufbau befindliche Qualitätsmanagement kann Schulen im Wettbewerb mehr Gestaltungsfreiheit einräumen, optimale Fördervoraussetzungen für die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Das Profil der Aufgabenwahrnehmung und die Entscheidungskompetenz der Schulleitungen unterliegen durch die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule und durch den Ausbau der Autonomie der Schulen einem kontinuierlichen Wandel. Schulleitungsaufgaben entwickeln sich immer stärker in Richtung eines Schulmanagements. Um die Schulleitungsstellen in ihrer gewachsenen Verantwortung zu unterstützen, wollen wir diese attraktiver gestalten.
Wir werden die rechtlichen und fachlichen Möglichkeiten prüfen, allen Schulen budgetierte Mittel zur eigenen Bewirtschaftung für Personal und Sachkosten zur Verfügung zu stellen. Das Budget speist sich in diesem Modell aus staatlichen und kommunalen Mitteln auf der Basis der durchschnittlichen Kosten pro Schüler der jeweiligen Schulform. Die heute schon immer mehr verschwimmende und überkommene Grenze von inneren und äußeren Schulangelegenheiten überwinden wir damit.
Diese Finanzierungsfreiheit erlaubt rasche und unbürokratische Schwerpunktbildungen in Hinsicht auf das Schulprofil und die konkreten Bedürfnisse vor Ort und geht einher mit der dezentralen Personalfreiheit der einzelnen Schule, ihre Lehrer und sonstiges Personal nach eigenen Kriterien auszuwählen, Zeitverträge abzuschließen, – im Zusammenhang mit einem neuen öffentlichen Dienstrecht – leistungsabhängige oder standortbezogene Zulagen zu gewähren und das Lehrerkollegium durch andere Professionen zu ergänzen. Neue Formen der Schulleitung im Sinne einer Trennung von pädagogischer und organisatorischer Leitung sind möglich. Damit könnten die öffentlichen Schulen die gleichen Freiheiten erhalten, über die Privatschulen und viele Schulsysteme im Ausland bereits heute erfolgreich verfügen.
Die FDP fordert den flächendeckenden Einsatz von Schulverwaltungsassistenten zur bürokratischen Entlastung der Schulleitungen und zur Befreiung der Lehrkräfte von nichtpädagogischen Aufgaben. Wir wollen in der kommenden Legislaturperiode mindestens 1.000 Stellen schaffen und dafür vor allem vorhandene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesverwaltung auf diese Aufgabe vorbereiten und an die Schulen versetzen. Die zusätzlichen Kräfte werden nicht auf die Lehrerstellen angerechnet. Die Leistungsfähigkeit der Schulen wird heute mittels externer Evaluation durch die Schulinspektion, mit Lernstandserhebungen und Vergleichsarbeiten sowie vor allem durch mindestens teilzentrale Aufgabenstellungen in den Prüfungen bei Schulabschlüssen sicher10 gestellt. Die FDP will diese Instrumente durch ein veröffentlichtes Schulranking ergänzen, das Qualitäten und Erfordernisse aufzeigt und eine Qualitätssteigerung durch Wettbewerb einleiten soll. Dabei soll ein standardisiertes Evaluationsverfahren eingesetzt werden, das die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten sowie in anonymisierter Form die Bewertung der Lehrkräfte einbezieht und dabei zugleich praktisch in der Handhabung bleibt. Der demographische Wandel ist zugleich Chance und Herausforderung für das Schulwesen. Beispielsweise reduziert sich der Raumbedarf in bestehenden Schulgebäuden mittelfristig an vielen Standorten. Die FDP begrüßt, wenn diese Räumlichkeiten zu Arbeitsräumen für Lehrerinnen und Lehrer umgebaut werden. Denkbar ist auch, dass jeder Lehrer einen festen Raum für seinen Unterricht nutzt, den die jeweiligen Klassen aufsuchen. Trotz notwendiger Anstrengungen insbesondere im Primarbereich – etwa durch neue Trägermodelle –, ein wohnortnahes Schulangebot zu erhalten, können sich die Schülerfahrtkosten für ländliche Gemeinden erhöhen. Wir werden die Finanzierung der zusätzlichen Kosten deshalb im Zuge der Gemeindefinanzreform prüfen. Durch den demographischen Wandel und den veränderten Elternwillen unterscheiden sich die Rahmenbedingungen für das weiterführende Schulwesen regional immer stärker. Die FDP will deshalb das differenzierte, begabungsgerechte Bildungssystem weiterentwickeln. Wir stehen für eine erweiterte Entscheidungsfreiheit vor Ort und für neue Möglichkeiten, eine für die örtlichen Gegebenheiten und Wünsche passgenaue Schulstruktur zu entwickeln. Damit grenzen wir uns von Bildungskonservativen ab, die sich verändernde Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Zugleich wenden wir uns gegen all diejenigen, die sinkende Schülerzahlen und Bildungsstudien nur vorgeben, um in Wahrheit egalitäre gesellschaftspolitische Vorstellungen durch ein Einheitsschulsystem anzustreben, das nicht zur deutschen Bildungstradition passt, das pädagogisch einem gegliederten Schulsystem unterlegen ist, das immense Umstellungskosten verursachen sowie Eltern, Lehrer, Hochschulen und Wirtschaft über eine ganze Generation zutiefst verunsichern würde. Die FDP will neben Haupt-, Real-, Gesamtschulen sowie Gymnasien neue Modelle der organisatorischen und pädagogischen Zusammenführung von Haupt-, Real- und Gesamtschulen zulassen, wenn die Gremien der beteiligten Schulen und ihre Träger entsprechende Beschlüsse fassen. Dies bedeutet zugleich, dass wir heute erfolgreich arbeitende und demographiefeste Schullandschaften nicht in Frage stellen. Diese Schulform neuen Typs soll im Sinne einer differenzierten Regionalschule („regionale Mittelschule“) auch bei sinkenden Schülerzahlen das Angebot äußerlich differenzierter Bildungsgänge und den Zugang zu mittleren Abschlüssen mit hohem qualitativem Anspruch garantieren. Geeignete Schüler können im Anschluss die Fachhochschul- oder die allgemeine Hochschulreife erwerben. Damit möglichst viele Schüler einen möglichst hohen Bildungsabschluss erreichen können, wollen wir institutionelle Barrieren abbauen und hierzu unter anderem Kooperationen mit (berufs-)gymnasialen Oberstufen stärken. Wir werden die im Schulgesetz bestehenden Möglichkeiten zur Einrichtung von Schulverbünden zu diesem Zweck konzeptionell und in ihrer Anwendungsbreite weiterentwickeln,
beispielsweise indem auf den besonderen Genehmigungsvorbehalt der Landesregierung verzichtet wird.
Dieses liberale Schulmodell bietet vor Ort die notwendige Flexibilität und ist sowohl einem Zweisäulenmodell als auch der Einheitsschule sowie allen anderen Modellen der konkurrierenden Parteien überlegen.
Ein fairer Wettbewerb aller Schulformen setzt die Abschaffung der Gesamtschulprivilegien voraus. Auch an Gesamtschulen muss es zukünftig eine Versetzungsordnung geben, die eine Klassenwiederholung vorsieht, wenn Schüler grundlegende Lernziele nicht erreichen. Für Bildungsabschlüsse an Gesamtschulen müssen dieselben Standards gelten und eingehalten werden wie an Schulen im gegliederten System.
Die gymnasiale Oberstufe am Berufskolleg ist eine attraktive Möglichkeit, die allgemeine Hochschulreife mit starker Ausrichtung auf das Berufsleben zu erwerben. Die FDP will die berufsgymnasialen Bildungsgänge stärken und den Berufskollegs in erhöhtem Maße eine eigenständige Festlegung des Angebots der Bildungsgänge erlauben. Das Abitur an Beruflichen Schulen hat den gleichen Stellenwert wie ein Abitur an allgemeinbildenden Schulen. Alle zentralen Abschlussprüfungen müssen anonymisiert korrigiert werden, da nur so Objektivität und Chancengerechtigkeit bei der Benotung sichergestellt werden. Die Berufskollegs sollten zudem beim Ausbau von Aufenthaltsräumen und Kantinen sowie verstärkt durch Schulpsychologen und Sozialpädagogen unterstützt werden, um die Betreuung von besonders förderbedürftigen Schülern zu intensivieren. Generell ist die Berufsschulpflicht über das 10. Schuljahr hinaus allerdings dahingehend zu prüfen, ob vertragliche Regelungen bei erwachsenen Schülerinnen und Schülern dieser nicht pädagogisch und rechtlich überlegen wären.
Vielerorts befinden sich Schulgebäude und Sachausstattung in einem beklagenswerten Zustand. Wir wollen deshalb in Abhängigkeit von der Konsolidierung der Landesfinanzen zusätzlich zur Bildungspauschale ein Landesprogramm zur Verbesserung der räumlichen und technischen Infrastruktur der Schulen konzipieren. Dafür müssen auch die Kooperationsmöglichkeiten mit der Wirtschaft genutzt werden. Die FDP will insbesondere sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler Zugang zu modernen Fachräumen für den Unterricht in Naturwissenschaften, Technik und Informatik erhalten. Wir setzen bei der Nachwuchsgewinnung in diesem Bereich auf eine möglichst frühe und über die ganze Bildungskette angelegte Motivation und Qualifikation. Hierfür wollen wir die landesweit in mittlerweile 25 Zentren „Zukunft durch Innovation“ geschaffene Vernetzung schulischer und außerschulischer Förderangebote in enger Partnerschaft von Schulen, Hochschulen, Kommunen und Wirtschaft weiterführen und ausbauen. Bis 2015 wollen wir ihre Anzahl mehr als verdoppeln.
Die Freien Demokraten haben die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer neu gestaltet. Wir werden Studierenden im Rahmen eines Studiengangs mit Bachelor- und Masterabschluss frühzeitig Praxiserfahrungen vermitteln und ihre pädagogischen Kompetenzen stärken. Dabei wird die Fachlichkeit nicht vernachlässigt. Das Lehramt für die Grundschulen wird im Zuge dessen aufgewertet. Die Kompetenz der Hochschulen bei Konzeption und Angebot der entsprechenden Studiengänge haben wir im Rahmen notwendiger staatlicher Rahmensetzungen und Zielvereinbarungen ausgebaut. Jetzt muss auch die Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer intensiviert werden: Bislang betragen die Investitionen in die Lehrerfortbildung nicht einmal 0,5 Prozent des gesamten Personalbudgets für den Schulbereich. Die Mittel für die Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern müssen schrittweise auf einen 1,5-prozentigen Anteil erhöht werden. Eine deutliche Steigerung wissenschaftlich begleiteter Weiterbildungsangebote braucht ein entsprechendes Anreizsystem, ähnlich dem Punktesystem für die Weiterbildung von Medizinern. Dieses Punktesystem soll bei Beförderungen oder leistungsbezogenen Zulagen herangezogen werden.
Neben unterrichtsbegleitenden Maßnahmen fordern wir die Einführung eines Fortbildungssemesters. Spätestens alle zehn Jahre soll es jeder Lehrerin und jedem Lehrer ermöglicht werden, sich ein halbes Jahr in den Ausbildungszentren der Hochschulen fortzubilden, sich mit der neuesten Fachdidaktik vertraut zu machen und neue Impulse für den Unterricht zu erhalten. Umgekehrt ermöglicht dieser Austausch einen näheren Praxisbezug für die sich im Lehramtstudium befindlichen Studierenden. Für Schulleitungen müssen spezielle Weiterqualifikationsmaßnahmen entwickelt werden.
Um Unterrichtsausfall für die Kinder und Jugendlichen angesichts des noch bestehenden Fachlehrermangels zu vermeiden, werden auch Seiteneinsteiger an den Schulen eingestellt. Die FDP wird insbesondere die qualitative Aus- und Fortbildung dieser Lehrkräfte intensivieren, um für die Schüler den bestmöglichen pädagogischen Unterricht zu gewährleisten. Wir wollen prüfen, ob im Rahmen dessen weitere Berufsgruppen mit entsprechender Qualifikation zugelassen werden können.
Die sich in Folge der höheren Übergangsquote heute stärker als früher unterscheidenden Bedürfnisse und Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler machen eine Weiterentwicklung der Förderbedingungen am Gymnasium erforderlich, beispielsweise durch eine Verkleinerung der Klassen und eine methodisch-didaktische Fortbildung der Lehrkräfte. Die FDP will die bereits beschlossene Reform der gymnasialen Oberstufe mit Stärkung der Kernfächer baldmöglichst umsetzen: Die Überspezialisierung durch das Grundund Leistungskurssystem wird aufgegeben, die für die Studierfähigkeit grundlegenden Fächer Deutsch, Mathematik und eine fortgeführte Fremdsprache werden mit vier Wochenstunden auf einem erhöhten Anforderungsniveau unterrichtet und im Abitur geprüft. Häufiger als bisher muss Schülerinnen und Schülern auch eine Flexibilisierung ihrer gymnasialen Schulzeit ermöglicht werden: Schülerinnen und Schülern mit geringerem Lerntempo wollen wir unter Einbeziehung anderer Schulformen wie dem Berufskolleg alternative Wege zum Abitur in mehr als zwölf Jahren öffnen, den besonders interessierten
und begabten Schülern die fachbezogene Teilnahme am Unterricht höherer Klassen („Drehtürmodelle“), das fachbezogene Früh(fern)studium statt Fachunterricht oder den generellen Wechsel in eine andere Jahrgangsstufe. Wir prüfen mit dem Ziel der Individualisierung der Schullaufbahn auch Wege, das Abitur in Modulen ablegen zu können.
Ersatz- und Ergänzungsschulen bereichern die Schullandschaft vielfach durch innovative pädagogische Ansätze, und sie erweitern die Wahlmöglichkeiten der Eltern. Schon heute besteht eine steigende Nachfrage. Deshalb sprechen sich die Freien Demokraten für eine Privatschulinitiative aus: Land und Kommunen sollten interessierte private Träger beispielsweise weiterhin aktiv durch Beratung im Gründungsprozess unterstützen. Die Übertragung der Trägerschaft von den Kommunen auf private Initiativen – wie beispielsweise von Handwerkskammern getragene Hauptschulen – wollen wir prüfen.
Die FDP fordert die Einführung von Jahresarbeitszeitkonten für Lehrer, um eine gerechte Aufgabenverteilung innerhalb der Schule zu erreichen. So können z.B. für die weiterführenden Schulen nach dem Vorbild des „Mindener Modells“ auch Lehrkräfte in Mangelfächern gezielt von zusätzlichen Aufgaben entlastet und für Unterricht gewonnen werden. Die FDP will beste Entwicklungschancen für Kinder mit Behinderungen. Integrative Angebote und den Gemeinsamen Unterricht an allgemeinen Schulen werden wir weiter ausbauen. Den Eltern soll künftig ein grundsätzliches Wahlrecht auf einen sonderpädagogischen Förderort eingeräumt werden (Förderschule oder allgemeine Schule in zumutbarer Entfernung). Für zahlreiche Kinder und Jugendliche mit Behinderungen stellt der gemeinsame Unterricht an einer allgemeinen Schule die individuell beste Fördermöglichkeit dar. Jedoch ist es für die FDP unverzichtbar, dass es auch zukünftig ein flächendeckendes Angebot an Förderschulen geben muss. Alternativ zum Gemeinsamen Unterricht wünschen viele Eltern den Besuch ihrer Kinder in Förderschulen, in denen für die besondere Aufgabenstellung der sonderpädagogischen Förderung in kleinen Lerngruppen speziell ausgebildete Lehrer tätig sind, die mit besonderer Fachkompetenz und Hingabe daran arbeiten, die Bildungschancen und Lebenssituation benachteiligter Kinder und Jugendlicher
zu verbessern.
Für die FDP ist das entscheidende Kriterium für die Wahl des Förderortes das Wohl des Kindes. Daher darf das Elternwahlrecht im Interesse der Kinder nicht schrankenlos sein. So wie das Elternrecht auch im allgemeinen Schulrecht beim Wechsel der Kinder auf weiterführende Schulen seine Grenzen findet, wenn das Wohl des Kindes in Frage steht, muss dieses Kriterium selbstverständlich auch für die gemeinsame Unterrichtung gelten. Dazu wird die Anzahl der bereits genehmigten 30 Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung, die unterschiedliche Angebote und Förderorte koordinieren, auf zunächst 50 erhöht. Wir wollen prüfen, ob an den Förderschulen, die Kompetenzzentren geworden sind, eine Stammschülerschaft verbleibt oder ob Kompetenzzentren auch an allgemeinen Schulen etabliert werden können. Für Risikoschüler benötigen wir eine abgestimmte Strategie zwischen Schule und Erziehungshilfe.
Um Schülerinnen und Schülern frühzeitig ein Orientierungswissen über unsere Wirtschaftsordnung und ihre Rechte als Verbraucher zu vermitteln, fordert die FDP die systematische Einbeziehung entsprechender Inhalte in den bestehenden Fachunterricht aller weiterführenden Schulen. Alternativ prüfen wir die Einführung eines eigenständigen Faches „Wirtschaft“. Schulbücher müssen auf ihr Bild unserer Wirtschaftsordnung hin überarbeitet werden: Zu oft dominieren noch Klischees insbesondere zur Rolle von Unternehmen. Die modernen Medien dominieren unsere Welt heute anders als noch vor zwanzig Jahren. Der Unterricht sollte deshalb dem Erwerb von Medien- und Internetkompetenz stärker Rechnung tragen.
Da Gesellschaften nicht statisch sind und daher unter anderem die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung kontinuierlichen Veränderungen unterliegt, sollten diese Veränderungen sich auch in der Schule widerspiegeln. So sollte noch stärker um Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund und als außerschulische Partner geworben werden. Möglicherweise könnte auch ein vermehrter Einsatz beruflich erfolgreicher Migranten als Lernbegleiter Kinder und Jugendliche motivieren und einen Vorbildcharakter einnehmen. Die Einstellung von Männern als Erzieher und Grundschullehrer soll gefördert werden. Um die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen, ist die Unterstützung der Schulträger bei der Einführung eines technischen Frühwarnsystems bei Amokläufen (entsprechend den Feuerwarnmeldern) sowie ein schulisches Schließsystem, in dem die Türen von außen nicht zu öffnen sind, zu prüfen. Eine Videoüberwachung an Schulen lehnt die FDP ab, da sie nur eine Scheinsicherheit suggeriert und vor Amokläufen nicht schützen kann. Die FDP will das Angebot bilingualen Unterrichts bzw. bilingualer Züge an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen erhöhen. Dieses Wettbewerbsmerkmal darf nicht überwiegend Privatschulen vorbehalten bleiben. Beispielsweise kann der Fachunterricht in der ersten Fremdsprache erteilt werden. Wir werden dafür die entsprechenden Materialien und
Empfehlungen des Landes erweitern und aktiv bei Schulträgern und Schulen werben. Wir wollen insbesondere mehr „Europaschulen“ zertifizieren. Bilinguale Schulen sollten interessierten Schülern auch die Möglichkeit bieten, parallel zum Abitur das International Baccalaureate (IB) zu erwerben.
Hochschule
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Kinder- und Jugendpolitik
Die Jugendverbände, die offene, kulturelle und die Jugendsozialarbeit leisten einen zentralen Beitrag zur Förderung von jungen Menschen. Neben Bildung und Erziehung in Familie, Schule und Beruf sind sie ein eigenes Feld der Persönlichkeitsentwicklung und der sinnvollen Freizeitgestaltung. Die FDP wird dieses Engagement weiter unterstützen. Im Kinder- und Jugendförderplan stehen jährlich rund 80 Millionen Euro für diese Aufgaben zur Verfügung – und damit spürbar mehr Mittel als 2005. Zugleich wurden die Vergabeverfahren vereinfacht. Den Weg zu einer unbürokratischen Mittelvergabe wollen wir weiter gehen. Für eine optimale Umsetzung ist es beispielsweise unerlässlich, dass die für den Kinder- und Jugendförderplan formulierten Förderrichtlinien präziser und trennschärfer formuliert werden. Die zahlreichen Evaluationsverfahren wollen wir dazu verschlanken und auf wesentliche Instrumente zur Qualitätssicherung beschränken. Der mit den Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit vom Land geschlossene „Pakt mit der Jugend“ muss über seinen Charakter als wichtige Kommunikationsmaßnahme hinaus mit Leben gefüllt werden: Er braucht jugendpolitischen Mehrwert und muss stärker an den wirklichen Wünschen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen orientiert werden.
Schulen sind auf dem Weg zu Ganztagseinrichtungen. Deshalb ist es sinnvoll, durch dauerhafte und partnerschaftliche Kooperation von Jugendhilfe und Schule Strukturen zu schaffen, die die Chancengleichheit und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu eigenständigen und selbstbestimmten Persönlichkeiten fördern. Der Prozess der Kooperation und der Kommunikation zwischen Jugendhilfe und Schule muss weiter vorangetrieben werden.
Viele Tausend Jugendliche übernehmen in Jugendverbänden ehrenamtlich Verantwortung.Offene Jugendeinrichtungen sind niedrigschwellige und nichtkommerzielle Freizeitangebote im Stadtteil. Beide Bereiche sind für die FDP tragende Säulen der Jugendpolitik in Nordrhein-Westfalen. Im Bereich der offenen Jugendarbeit ist das Finanzierungssystem, das Landesmittel pauschal an Kommunen ausschüttet und sich am Bestandsschutz orientiert, vor dem Hintergrund veränderter örtlicher Bedarfe zu prüfen. Die kulturelle Jugendarbeit öffnet jedem die Chance, sich als Kulturschaffender zu erfahren. Neben den Musikschulen fördert das Land auch die Jugendkunstschulen und zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, die die kulturelle Förderung zu ihrem Schwerpunkt gemacht haben. Die Jugendsozialarbeit wird insbesondere als Kooperationspartner von Schulen und Ausbildungsbetrieben gebraucht, um Jugendliche mit erzieherischem Förderbedarf vor und während des Berufseinstiegs zu unterstützen. Ihre Ressourcen müssen auch in sozialen Brennpunkten stärker genutzt werden.
Ein Schwerpunkt liberaler Jugendpolitik ist die Stärkung der Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Dabei wollen wir insbesondere die Initiativen zur Beteiligung der nachwachsenden Generation an politischen Entscheidungen intensivieren. Die Förderung von Partizipationsprojekten in der Kommunalpolitik wollen wir in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung weiter ausbauen, um die Städte und Gemeinden kinder- und jugendgerechter zu machen und um für unsere Demokratie zu werben. Die FDP bekräftigt ihren Willen, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an sie betreffenden Entscheidungen der Kommunalpolitik in der Gemeindeordnung zu verankern. Den in jedem Jahr stattfindende Jugendlandtag wollen wir – möglicherweise unter Einbeziehung der gewählten Gremien in Kommunen und der Schülervertretungen – von einer Maßnahme der politischen Bildung zu einem Instrument echter Jugendbeteiligung auf Landesebene weiterentwickeln.
Weiterbildung und lebenslanges Lernen
In einer sich rasant verändernden Wissensgesellschaft ist eine kontinuierlich betriebene Weiterbildung von entscheidender Bedeutung für die persönliche Entwicklung des einzelnen Bürgers ebenso wie für die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Betriebe und letztlich unserer Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt.
Lebenslanges Lernen ist zu einer ständigen Herausforderung für alle Bürger geworden. Immer mehr Menschen beherzigen dies für die Planung ihrer eigenen Bildungsbiographie. Immer zahlreicher organisieren Unternehmen systematische Personalentwicklungsprogramme für den Erhalt sowie den Ausbau der Qualifikationen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und schließlich ist Weiterbildung bis ins hohe Alter hinein eine Grundvoraussetzung für eine aktive Teilhabe Älterer am gesellschaftlichen Leben.
Für Weiterbildung existiert eine individuelle und gesellschaftliche Verantwortung: Jeder Einzelne muss Interesse an Weiterbildung haben und für sich selbst Verantwortung übernehmen. Aufgabe von Politik und Arbeitgebern ist es, Menschen dabei zu unterstützen, die jeweils erforderlichen Kenntnisse, Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben zu können.
Weiterbildung muss Menschen Urteilsfähigkeit und Orientierungskompetenz vermitteln. Sie soll auf Anforderungen vorbereiten, die sich dem Einzelnen als Arbeitnehmer, Unternehmer, Staatsbürger, ehrenamtlich Tätigen oder Elternteil im Zeitalter der schnellen technologischen Veränderung stellen. Ein ganzheitlicher Weiterbildungsbegriff schließt daher bewusst allgemeine, politische und berufliche Weiterbildung sowie Familienbildung mit ein, da alle Komponenten ihren Beitrag zum Prozess des Lebenslangen Lernens liefern. Unverzichtbare Aufgabe von Weiterbildung ist und bleibt der Erwerb von Schlüsselqualifikationen, die es Menschen ermöglichen, private wie berufliche Anforderungen kompetent zu bewältigen und so Handlungsfähigkeit in Bezug auf das soziale Umfeld, den beruflichen Werdegang sowie für Familie und die eigene Person zu erlangen. Angesichts einer immer stärkeren Reformnotwendigkeit und sichtbarer Wandlungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft gewinnen lebenslange Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Urteilskraft, Selbständigkeit, Werteorientierung, interkulturelle Kompetenz, Teamfähigkeit sowie Medien-, Methoden- und Sprachkompetenz kontinuierlich an Bedeutung. Menschen müssen lebenslang Neues lernen und die Fähigkeit erwerben, Gelerntes anzuwenden. Im Kontext dieser Anforderungen steigen die Erwartungen an zuständige Institutionen. Weiterbildungseinrichtungen müssen gesellschaftliche, technische und ökonomische Entwicklungen reflektieren und antizipieren sowie neue methodische, didaktische und pädagogische Konzepte entwickeln, um den Wandel zu gestalten.
Die institutionelle Tradition und hauptamtliche Professionalität bilden eine gute Grundlage dafür. Die Aufgabe der Einrichtungen hat sich vom Bereitstellungsauftrag zu einer Gestaltungsaufgabe gewandelt.
Weiterbildungseinrichtungen helfen nicht nur individuell bei der Vermittlung persönlicher und beruflicher Kompetenzen, sondern sind zugleich Standortfaktor und Träger der regionalen Strukturentwicklung.
Die nordrhein-westfälische Weiterbildungslandschaft steht zukünftig vor großen inhaltlichen wie strukturellen Herausforderungen:
Die FDP möchte die Weiterbildungsbereitschaft insbesondere bei bildungsferneren Bevölkerungsgruppen erhöhen. So wollen wir eine sozial ungerechte Teilung unserer Gesellschaft in an Weiterbildung Teilhabende und Nicht-Teilhabende vermeiden. Hierzu wollen wir mehr Transparenz bei den Weiterbildungsangeboten schaffen und ein verbessertes Weiterbildungsmarketing und eine kompetentere Lernberatung unterstützen. Wir wollen zur Erhöhung der Weiterbildungsmotivation eine Verbesserung der Rahmenbedingungen unterstützen. Hierzu zählen möglichst wohnortnahe Angebote, die Möglichkeit des arbeitsbegleitenden Lernens und die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse hinsichtlich Lernzeiten und veränderter Lerngewohnheiten.
Die FDP möchte die vorhandene Angebotsvielfalt erhalten und durch Kooperation auf kommunaler und regionaler Ebene besser vernetzen. Wir wollen so regional vernetzte Bildungslandschaften schaffen, ohne jedoch auf berufliche Fragen spezialisierte Anbieter aus dem Markt zu verdrängen. Wir werden Schulen, Berufskollegs, Hochschulen, Kammereinrichtungen sowie öffentliche und private Weiterbildungsinstitutionen darin bestärken und unterstützen, an der Herausbildung einer zusammenwachsenden Angebotslandschaft mitzuwirken. Insbesondere wollen wir duale, Verbund- und Fernstudiengänge weiter ausbauen.Eine regional vernetzte Weiterbildungslandschaft kann effizienter arbeiten und ein Element für eine erfolgreiche Strukturentwicklung sein.
Aus Sicht der FDP müssen traditionelle Lernformen durch Medienunterstützung und neue pädagogische Vermittlungswege ergänzt werden. Vor allem moderne Lerntechniken wie ganzheitliche e-Learning-Konzepte bilden wichtige Voraussetzungen für eine größere Teilnahmemöglichkeit. Gerade für Berufstätige ergeben sich aus den digitalen Lehrangeboten neue Möglichkeiten zu einem begleitenden Studium, auch Studium und Familie werden besser vereinbar.
Die FDP wird die Förderung der nordrhein-westfälischen Weiterbildungslandschaft darauf ausrichten, dass das Angebotsprofil der Weiterbildung stärker der demographischen und interkulturellen Entwicklung Rechnung trägt. Der Berücksichtigung seniorengerechter Angebote sowie der Alphabetisierung und Integration von Migranten kommt angesichts der heutigen Partizipationslücke dieser Zielgruppen eine erheblich wachsende Bedeutung zu. Das erfolgreiche Konzept der Bildungsschecks sowie der Potentialberatung von Betrieben wollen wir weiterführen, um vor allem die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu stärken. Die FDP unterstützt nachdrücklich den begonnenen Zertifizierungsprozess von Weiterbildungseinrichtungen und möchte dieses wichtige Instrument zur Qualitätssicherung inhaltlich und unbürokratisch weiterentwickeln.
Geschrieben von Administrator am 18.04.2010 um 08:30:18