Wahlprüfsteine SSP - Antworten Jenny Morin Nenoff (Die Linke)
- Welche Rolle spielen nach den Plänen Ihrer Partei in einer künftigen Schulstruktur in NRW die Haupt- und Realschulen?
Immer mehr Eltern weigern sich ihre Kinder in die Perspektivlosigkeit zu schicken. Daher gehen die Schülerzahlen an Hauptschulen in NRW zu Recht deutlich zurück. Haupt-, Realschule und auch das Gymnasium sind nicht zukunftsfähig und werden in Abstimmung mit allen Betroffenen in einer gemeinsamen Schulform die alle Abschlüsse ermöglicht zusammengeführt.
- Wie sieht die Zukunft der Gesamtschulen aus? Wird das Gesamtschulangebot weiter ausgebaut?
Gesamtschulen können sich vor Anmeldungen kaum retten. Zu viele SchülerInnen werden Jahr für Jahr abgewiesen. Deswegen ist es dringend nötig das Gesamtschulangebot quantitativ als auch qualitativ auszubauen.
- Aktuell wird die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien in NRW diskutiert. Werden Sie die Wahlfreiheit flächendeckend umsetzen und wenn Ja, wie soll die Wahlfreiheit umgesetzt werden?
Wir setzten uns für G9 an allen Gymnasien ein. Jedem Kind bzw. Jugendlichen steht auch weiterhin ohne G8 die Möglichkeit offen eine oder mehrere Klassen zu überspringen. Deswegen halten wir die Parallelität von G8 und G9 für überflüssig.
- Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Kommunen sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
Zunächst müssen die Steuersenkungspläne von CDU/CSU und FDP gestoppt werden. Um die beim Bildungsgipfel 2008 versprochenen 10% des BIP für Bildung einzulösen, muss der Spitzensteuersatz deutlich angehoben werden, die Vermögenssteuer erneut eingeführt und eine Börsenumsatzsteuer erhoben werden.
- Werden Sie den Schulen mehr Gestaltungsspielräume und finanzielle Eigenverantwortung geben?
Ja, Schulen brauchen mehr Gestaltungspielraum, da man vor Ort am besten weiß, wie die Mittel am sinnvollsten eingesetzt werden.
- Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind dringend kleinere Klassen notwendig. Welche Klassengrößen streben Sie für welche Schulform an und wie wollen Sie diese erreichen?
Für alle derzeit bestehenden Schulformen muss eine Klassengröße von 15 SchülerInnen erreicht werden, dementsprechend muss die Anzahl der LehrerInnenstellen deutlich aufgestockt werden.
- Wie interpretieren Sie den Begriff ‚Länger gemeinsam Lernen‘?
Länger gemeinsam Lernen bedeutet, dass alle Kinder eine gemeinsame Schule von der 1. bis zur 10. Klasse in Ganztagsform besuchen.
- Wie soll Inklusion/gemeinsamer Unterricht an den Schulen umgesetzt werden?
Wie in Bremen muss Inklusion im Schulgesetz verankert werden. An den Schulen sollen Inklusionsklassen eingeführt werden, die von LehrerInnen und SonderpädagogInnen gemeinsam unterrichtet werden.
- In welchem Zeitraum wollen Sie welche „Inklusions-Quote“ erreichen?
Innerhalb von 8 Jahren sollte eine Inklusionsquote von 95% erreicht werden.
- Wie viel Geld wollen Sie für die Umsetzung von Inklusion in Schulen zusätzlich investieren?
Soviel Geld wie nötig ist von den 8,8 Mrd. für NRW, die sich aus den angestrebten 10% des BIP für Bildung ergeben.
- Haben Förderschulen nach den Vorstellungen Ihrer Partei eine Zukunft?
Durch die Anerkennung der UN-Konvention hat sich Deutschland verpflichtet alle Kinder mit Behinderungen in das Regelschulsystem zu integrieren. Die qualitativ hochwertige Betreuung und Förderung wird im Regelschulsystem fortgeführt und macht Förderschulen überflüssig.
- Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist.
Wir möchten die Kopfnoten komplett abschaffen, nicht nur von den Abschlusszeugnissen entfernen. Die Persönlichkeit eines Kindes kann und darf nicht in Form von Noten bewertet werden.
- Das OGS-Angebot hat sich in vielen Kommunen in NRW zum Erfolgsmodell entwickelt. Werden Sie das OGS-Angebot landesweit weiter ausbauen?
Ja, das OGS-Angebot muss quantitativ und qualitativ landesweit ausgebaut werden. Der vieldiskutierte Zielkonflikt zwischen Quantität und Qualität muss durch zusätzliche Finanzmittel aufgelöst werden, damit weder Beschäftigte noch die Kinder die Leidtragenden sind.
- Ist der gebundene Ganztag in der Grundschule für Sie eine Perspektive für die kommenden Jahre?
Ja, da diese Form der Ganztagsschule es ermöglicht den traditionellen Schulunterrichtsrhythmus zugunsten eines Kind gerechteren Modells zu modifizieren.
- Werden Sie den gebundenen Ganztag an den Gymnasien mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes weiter ausbauen?
Ja.
- Werden Sie den Ausbau des Ganztags auch an den Gesamtschulen unterstützen?
Ja.
- Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
Ja, genau wie in den Mensen muss das Mittagessen bezuschusst werden und für Kinder bedürftiger Eltern muss ein kostenloses Angebot eingerichtet werden.
- Schulreformen wie G8 oder Inklusion erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Wie werden Sie sich für Lehrerfortbildung einsetzen?
Die Finanzierung der Lehrerfortbildung ist ein integraler Bestandteil der Gesamtumsetzung des Inklusionskonzeptes. Darüber hinaus müssen die Studieninhalte der jetzigen und kommenden Lehramtsstudierenden umgehend angepasst werden.
- Welchen Stellenwert räumen Sie der Elternmitwirkung in Bildungsfragen ein? Wie wollen Sie die Eltern einbinden? Welche Tipps können Sie Eltern geben, um sich Gehör zu verschaffen
Eltern und SchülerInnen müssen neben den LehrerInnen gleichberechtigte Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsrechte eingeräumt bekommen. Um sich Gehör zu verschaffen sollten die Eltern gemeinsam mit SchülerInnen, Azubis und Studierenden im Rahmen des Bildungsstreiks auf die Straße gehen.
Sehr geehrte Frau Morin Nenoff, herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!
Geschrieben von Administrator am 21/04 um 10:02:35
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