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Wahlprüfsteine SSP - Antworten Renate Hendricks (SPD)

  1. Welche Rolle spielen nach den Plänen Ihrer Partei in einer künftigen Schulstruktur in NRW die Haupt- und Realschulen?
    Hauptschulen und Realschulen wird es weiter geben, wenn die Eltern sie wollen. Allerdings werden wir die Möglichkeiten schaffen, das Schulangebot in eine Gemeinschaftsschule umzubauen.
     
  2. Wie sieht die Zukunft der Gesamtschulen aus? Wird das Gesamtschulangebot weiter ausgebaut?
    Ja, wir werden weiterhin Gesamtschulen genehmigen. Alle Gesamtschulen werden bei uns den Ganztag erhalten. Mit uns wird es ein Recht auf Ganztag geben.
     
  3. Aktuell wird die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 an den Gymnasien in NRW diskutiert. Werden Sie die Wahlfreiheit flächendeckend umsetzen und wenn Ja, wie soll die Wahlfreiheit umgesetzt werden?
    Die Wahlfreiheit wird dort umgesetzt werden, wo Schulen und Eltern die Wahlfreiheit umsetzen wollen. Wählen heißt, sich entscheiden. Wir machen an diesem Punkt keine Vorschriften, sondern schaffen Vorausetzungen, die genutzt werden können. Wir werden allerdings die Sek. I wieder auf 10 Jahre verlängern.
     
  4. Wie wollen Sie die künftige finanzielle Ausstattung der Kommunen sicherstellen, vor allem bei wachsenden Aufgaben insbesondere der Bildungsinfrastruktur in den Schulen?
    Wir wollen mittfristig 10 Prozent des BIP für Bildungs zur Verfügung stellen. Dazu sind auch zusätzliche Steuern erforderlich. Z.B. eine Kapitalumsatzsteuer.
     
  5. Werden Sie den Schulen mehr Gestaltungsspielräume und finanzielle Eigenverantwortung geben?
    Ja. wir wollen den Schulen Gestaltungspsielräume geben. Ich erinnere daran, dass wir das Modell der “Selbständigen Schule” veranlasst haben. An diese von der jetzigen Regierung in Teilen wieder zurückgenommene Entwicklung wollen wir wieder anknüpfen.
     
  6. Um den Lernstoff den Schülern in der verkürzten Zeit vernünftig vermitteln zu können, sind dringend kleinere Klassen notwendig. Welche Klassengrößen streben Sie für welche Schulform an und wie wollen Sie diese erreichen?
    Wir wollen mittelfristig, dass es keine Klasse mehr mit mehr als 25 Kindern gibt. Dazu werden wir die Lehrerstellen im System belassen, die aufgrund des Schülerrückgangs zur Verfügung stünden, und zusätzliche Stellen schaffen.
     
  7. Wie interpretieren Sie den Begriff ‚Länger gemeinsam Lernen‘?
    Dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, bis zur 8. oder 10. Klasse die Schule gemeinsam zu besuchen.
     
  8. Wie soll Inklusion/gemeinsamer Unterricht an den Schulen umgesetzt werden?
    Indem wir den Schulen das erforderliche Personal zu Verfügung stellen, um Kindern inklusiv zu beschulen. Dazu wollen wir Schwerpunktschulen schaffen, um die Kinder und Jugendlichen auch richtig fördern zu können.
     
  9. In welchem Zeitraum wollen Sie welche „Inklusions-Quote“ erreichen?
    Ich könnte mir vorstellen, dass es möglich ist, in 10 Jahren eine Inklusionsquote von 80 Prozent zu erreichen.
     
  10. Wie viel Geld wollen Sie für die Umsetzung von Inklusion in Schulen zusätzlich investieren?
    10 Prozent vom BIP ist unser Ziel, darin sollte auch das Geld für die Inklusion enthalten sein.
     
  11. Haben Förderschulen nach den Vorstellungen Ihrer Partei eine Zukunft?
    Wir wollen das System langsam verändern. Langfristig wird es aus unserer Sicht nur noch in Einzelfällen Förderschulen geben. Allerdings werden alle Schulen Förderschullehrer/innen erhalten, die Inklusion umsetzen.
     
  12. Unterstützen Sie das Anliegen der Eltern, die Kopfnoten aus den Abschlusszeugnissen wieder abzuschaffen, wie es in allen anderen Bundesländern der Fall ist.
    Ja.
     
  13. Das OGS-Angebot hat sich in vielen Kommunen in NRW zum Erfolgsmodell entwickelt. Werden Sie das OGS-Angebot landesweit weiter ausbauen?
    Ja. Wir müssen vor allem sichere und für alle Beteiligte verbindliche Strukturen schaffen, die prekäre Arbeitsverhältnisse in den Schulen verhindern. Außerdem muss die Qualität der OGS gesichert und weiterentwickelt werden.
     
  14. Ist der gebundene Ganztag in der Grundschule für Sie eine Perspektive für die kommenden Jahre?
    Ja, da wo die Eltern ihn wollen. Allerdings auch unter Beteiligung der Jugendhilfe, weil wir im Ganztag auf einen Professionenmix setzen.
     
  15. Werden Sie den gebundenen Ganztag an den Gymnasien mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes weiter ausbauen?
    Wir wollen ein Recht auf Ganztag einführen. Auch hier haben die Eltern und die Schulen zukünftig die Wahl.
     
  16. Werden Sie den Ausbau des Ganztags auch an den Gesamtschulen unterstützen?
    Ja, siehe oben.
     
  17. Zurzeit müssen die Eltern die Kosten für das in den Schulen angebotene Mittagessen im Gegensatz zu den Mensen an den Universitäten in voller Höhe allein tragen. Eine Bezuschussung zumindest über die Personalkosten ist notwendig. Soll für Kinder bedürftiger Eltern ein kostenloses Angebot analog zu den OGSen z.B. über eine Fondslösung eingerichtet werden?
    Dazu haben wir noch keine konkreten Pläne. Ich halte dieses Thema aber für sehr diskussionsbedürftig im Sinne der Fragestellung.
     
  18. Schulreformen wie G8 oder Inklusion erfordern neue moderne Lern- und Lehrmethoden und damit verstärkt Lehrerfortbildung. Wie werden Sie sich für Lehrerfortbildung einsetzen?
    Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung müssen sich verändern. Lehrerfortbildung sollte als systemische Fortbildung angelegt sein und für das ganze Kollegium im Sinne der Weiterentwicklung möglich sein. Zudem halte ich neue Teamstrukturen in den Kollegien, die auch zum Austausch über Schüler und Schülerinnen führen, für einen guten Ort schulinterner Fortbildung. Fortbildungsstrukturen sind neu zu schaffen und ausreichend zu finanzieren, um eine erfolgreiche Schulentwicklung zu ermöglichen. Dazu gehören auch Coaching-Angebote.
     
  19. Welchen Stellenwert räumen Sie der Elternmitwirkung in Bildungsfragen ein? Wie wollen Sie die Eltern einbinden? Welche Tipps können Sie Eltern geben, um sich Gehör zu verschaffen
    Zunächst einmal werden wir die Drittelparität in den Schulkonferenzen wieder einführen. Eltern sind außerdem an keinen Dienstweg gebunden, um sich Gehör zu verschaffen, sie können unmittelbar, lautstark und mächtig auf alle Ebenen der Verwaltung und der Poltik Einlfuss nehmen. Eine gesetzlich geregelte Landeselternrat halte ich für einen wichtigen Schritt, um den Dialog mit der Landesregierung zu intensivieren und aus der Beliebigkeit zu einem regelmäßigen Einflussdialog zu gelangen.
     

Sehr geehrte Frau Hendricks, herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Geschrieben von Administrator am 20.04.2010 um 11:48:24

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