| Eintrag vom: 23.03.2012 |
Zahlen der Bertelsmann-Stiftung sind zu niedrig gegriffenPressemitteilung VBE NRW 23.03.2012 „Inklusion, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern, gibt es nicht zum Nulltarif.“ Das stellte heute der VBE-Bundesvorsitzende, Udo Beckmann, klar. Die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeige eindeutig, dass inklusiver Unterricht Geld kostet – und zwar in einer Höhe, die erstmals greifbar geworden ist, so Beckmann. Die Bertelsmann-Studie, die der Bildungsökonom Prof. Dr. Klaus Klemm erstellt hat, liefert konkrete Zahlen: Wenn alle Bundesländer die entsprechende UN-Charta zur Gleichbehandlung von behinderten und nicht-behinderten Menschen umsetzten, kommen pro Jahr zusätzliche 660 Mio. Euro auf den Bund zu. Fast 10.000 Lehrer, so die Studie, müssten bundesweit zusätzlich eingestellt werden. „Diese Zahl klingt zwar hoch, aber sie ist noch viel zu niedrig gegriffen“, bemängelt Udo Beckmann. Allein für NRW hat der VBE einen Mehr-Bedarf von 10.000 neuen Lehrern berechnet. „Und das nur, wenn wir die Schüler mit den Förderschwerpunkten Sprache, Lernen und emotionale/soziale Störung aus den Förderschulen herausnehmen und sie an allgemeinbildenden Schulen unterrichten“, führt Beckmann weiter aus. Außerdem dürften nach Ansicht des VBE nur 24 Kinder in einer inklusiven Klasse sein, wobei ein behindertes Kind doppelt zählen muss. Zudem machen diese inklusiven Klassen eine Doppelbelegung durch einen allgemeinbildenden Lehrer plus einen Sonderpädagogen erforderlich, und das für mindestens drei Viertel des Unterrichts. „Das ist mit nur 10.000 zusätzlichen Lehrern bundesweit nicht zu stemmen – 20.000 wären da eher realistisch“, so Beckmann. Gut ist, dass die Studie der Bertelsmann-Stiftung der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen eindringlich klar macht, dass Inklusion wichtig und richtig, aber kein Sparmodell ist, sondern zusätzliche Kosten verursacht, wenn es zu einem Gewinn für Kinder mit und ohne Behinderung werden soll. „Deswegen dürfen Schulträger und Politik den Eltern keine falschen Hoffnungen machen“, sagt Beckmann. Der VBE ist für eine inklusive Schule, aber er wird darauf achten, dass sie nicht auf dem Rücken der Lehrer und Kinder ausgetragen wird. Geschrieben von Administrator am 23.03.2012 |
| Eintrag vom: 23.03.2012 |
Inklusion gibt es nicht umsonstPressemeldung Bertelsmann Stiftung 23.03.2012 Anteil der inklusiv unterrichteten Förderschüler stieg im Schuljahr 2010/2011 um mehr als zehn Prozent – Schulen brauchen fast 10.000 neue Lehrer. Deutschlands Schulen brauchen fast 10.000 Lehrer mehr als heute, wenn die Schulsysteme aller Bundesländer innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf Inklusion umgestellt werden sollen. Zwar könnten dann die meisten Förderschulen geschlossen werden, wodurch Gelder und Stellen frei würden. Unter dem Strich allerdings entsteht ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 660 Millionen Euro pro Jahr. Das hat Bildungsökonom Prof. Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung errechnet. Deutschland hat sich verpflichtet, Kinder mit und ohne Förderbedarf künftig gemeinsam zu unterrichten. Die Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem schreibt eine UN-Konvention vor, die am kommenden Montag vor drei Jahren (26. März 2009) in Kraft trat. Besonderen Förderbedarf haben in Deutschland rund eine halbe Million verhaltensauffällige, lern- oder körperbehinderte Schüler. Ihr Anteil an der gesamten Schülerschaft steigt seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich. Im Schuljahr 2010/2011 betrug die Förderquote 6,4 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie bei 6,2 Prozent gelegen. Bundesweit besucht nicht einmal jeder vierte Förderschüler eine Regelschule. Der Trend allerdings ist eindeutig: Im Schuljahr 2010/2011 stieg der Inklusionsanteil – also der Anteil der Schüler mit Förderbedarf, die nicht auf eine separate Sonderschule gehen – gegenüber dem Vorjahr von 20,1 auf 22,3 Prozent. Spitzenreiter bei der Inklusion ist Schleswig-Holstein. Hier besuchen 49,9 Prozent aller lern- oder körperbehinderten Schüler eine reguläre Schule. Auch Berlin und Bremen weisen bereits heute einen Inklusionsanteil von mehr als 40 Prozent auf. Schlusslicht ist Niedersachsen, wo lediglich 8,5 Prozent der Förderschüler inklusiv unterrichtet werden. Eine besonders hohe Dynamik verzeichnet Hamburg. Innerhalb eines Schuljahres ist dort der Inklusionsanteil um über die Hälfte gestiegen, von 16,2 auf 24,4 Prozent. Auch Bayern holt auf. Im Schuljahr 2010/2011 waren es dort 20,2 Prozent der Förderschüler, die auf eine Regelschule gingen. Ein Jahr zuvor lag der Inklusionsanteil noch bei 15,7 Prozent. “Inklusion wird mittelfristig zur Normalität an deutschen Schulen. Das stellt die Schulen vor riesige Herausforderungen, die sie nur mit genügend gut ausgebildetem Personal bewältigen können”, sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Begrüßenswert sei der Grundgedanke der Inklusion auch, weil auf einer Förderschule die Aus-sichten auf einen Schulabschluss nur gering sind. 75 Prozent der Förderschüler, die separat unterrichtet werden, erlangen nicht den Hauptschulabschluss. “Der vermeintliche Schutzraum hat sich für viele als Isolationsfalle entpuppt”, sagte Dräger. Wenn das Ziel erreicht werden solle, die Zahl der Hauptschulabbrecher in Deutschland zu halbieren, führe der Weg nur über eine Reform des Sonderschulsystems. Umstritten war bislang, welche personelle Ausstattung inklusive Schulen benötigen, um alle Kinder angemessen zu fördern. Mit der neuen Studie der Bertelsmann Stiftung liegt nun erstmals eine Berechnung vor, die den konkreten Bedarf benennt: Bundesweit werden in den kommenden zehn Jahren 9.300 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht, sofern jeder Förderschüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, soziale und emotionale Entwicklung und Sprache sowie die Hälfte aller anderen Förderschüler an Regelschulen unterrichtet werden sollen. Umgerechnet bedeutet das im Vergleich zum Schuljahr 2009/2010 zusätzliche Kosten von jährlich rund 660 Millionen Euro, die in voller Höhe ab dem Schuljahr 2020/21 anfallen. Die Summe entspricht etwas weniger als zwei Prozent der heutigen Gesamtkosten von Schule. “Inklusion ist notwendig und bezahlbar. Aber sie wird dort scheitern, wo Länder sie als Sparmodell betrachten”, sagte Dräger. Das Geld und die Stellen, die an bisherigen Förderschulen frei werden, seien nicht ausreichend, sofern der Umfang der Förderung nicht reduziert werden soll. Eine hinreichende Personalausstattung der Schulen mit Lehrern, Sonderpädagogen, Psychologen und Therapeuten sei – neben dem durchgängigen pädagogischen Prinzip der individuellen Förderung – die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg und die Akzeptanz von Inklusion. Umfragen der Bertelsmann Stiftung in jüngerer Zeit hatten gezeigt, dass bei Lehrern und Eltern die Skepsis gegenüber Inklusion nach wie vor groß ist. “Nur wenn alle Schüler vom gemeinsamen Lernen profitieren, wird inklusiver Unterricht den nötigen Rückhalt erfahren”, sagte Dräger. In seiner Berechnung geht Prof. Klemm davon aus, dass die bisherige Förderung der behinderten und verhaltensauffälligen Kinder vom Umfang her künftig auch in Regelschulen geleistet wird. Für die einzelnen Bundesländer wird der Umbau ihrer Schulsysteme auf inklusiven Unterricht unterschiedlich teuer. Abhängig sind die Kosten von der jeweiligen demographischen Entwicklung. Während in den westlichen Bundesländern im kommenden Jahrzehnt die Schülerzahlen zurückgehen, steigen sie in den meisten östlichen Bundesländern und Stadtstaaten. Vor allem Länder wie Berlin, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, die mehr Schüler als heute erwarten, müssen vergleichsweise große Anstrengungen unternehmen, um genügend Lehrkräfte für das gemeinsame Lernen bereit zu stellen. So werden in Sachsen 1.607 zusätzliche Lehrkräfte benötigt (jährliche Mehrkosten von 114 Millionen Euro), in Berlin 864 Lehrkräfte (61,3 Mio.), in Mecklenburg-Vorpommern 636 Lehrkräfte (45,2 Mio.), in Brandenburg 626 Lehrkräfte (44,4 Mio.) und in Hamburg 488 Lehrkräfte (34,6 Mio.). Länder mit sinkenden Schülerzahlen sehen in Relation dazu geringeren Mehrkosten entgegen: In Nordrhein-Westfalen werden 1.339 zusätzliche Lehrer benötigt (95,1 Mio.), in Bayern 990 Lehrkräfte (70,3 Mio.), in Sachsen-Anhalt 804 Lehrkräfte (57 Mio.), in Thüringen 636 Lehrkräfte (45,2 Mio.), in Hessen 380 Lehrkräfte (27 Mio.), in Baden-Württemberg 310 Lehrkräfte (22 Mio.), in Niedersachsen 215 Lehrkräfte (15,3 Mio.), in Rheinland-Pfalz 197 Lehrkräfte (14 Mio.), in Schleswig-Holstein 88 Lehrkräfte (6,2 Mio.), in Bremen 66 Lehrkräfte (4,7 Mio.) und im Saarland 43 Lehrkräfte (3 Mio.). Weitere Informationen und Daten unter Bertelsmann Stiftung oder direkt unter: Studie: Zusätzliche Ausgaben für ein inklusives Schulsystem in Deutschland (pdf 2.3 MB) Geschrieben von Administrator am 23.03.2012 |
| Eintrag vom: 28.02.2012 |
Zum Antrag der CDU-FraktionInklusion zwischen Anspruch und Wirklichkeit Pressemitteilung VBE NRW 28.02.2012 „Die CDU hat erkannt, dass eindeutige inhaltliche Eckpunkte, klare Finanzierungszusagen und eine präzise zeitliche Perspektive der Umsetzungsschritte im Schulgesetz NRW festgelegt werden müssen, damit Inklusion zum Vorteil aller Beteiligten gelingen kann.“ So kommentiert Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE NRW), den heute im Ausschuss für Schule und Weiterbildung vorgelegten Antrag der CDU-Fraktion. „Den Anforderungen zu den erforderlichen Ressourcen und Qualitätsstandards, die die Inklusion an den Bildungsbereich stellt, muss endlich Rechnung getragen werden“, betont Beckmann. So mache auch das im Dezember 2011 vorgestellte Eckpunktepapier der CDU zum Thema Inklusion deutlich, dass ein inklusives Bildungssystem nicht zum Nulltarif zu haben ist. Damit sich möglichst viele Schulen der Herausforderung, eine inklusive Schule zu werden, stellen können, müssten die entsprechenden Rahmenbedingungen zu den erforderlichen personellen, sächlichen und räumlichen Standards geschaffen werden. „Dabei gilt es, alle Schulformen und Schulstufen in den Blick zu nehmen.“ Geschrieben von Administrator am 28.02.2012 |