| Eintrag vom: 29.03.2012 |
Inklusion: Mit- und voneinander lernen!Veröffentlichung BIBER - Netzwerk frühkindliche Bildung 29.03.2012 In einem inklusiven Bildungssystem, wie es die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen fordert, lernen alle Kinder - nicht nur behinderte und nicht-behinderte, sondern auch arme und reiche, deutsche und solche mit Migrationshintergrund, schnell und langsam Lernende - gemeinsam mit- und voneinander. Alle Menschen sind verschieden. Doch im deutschen Bildungssystem gilt es noch immer als normal, dass alle Kinder in der gleichen Zeit mit denselben Methoden zu denselben Zielen gelangen sollen. Die große Mehrheit der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf passt nicht in dieses Bild der Gleichförmigkeit und wird demzufolge hierzulande in getrennten Förderschulen unterrichtet – mit viel Aufwand, aber geringen Erfolgen. Die flächendeckende Umsetzung des Ansatzes der Inklusion könnte eine Trendwende einleiten. Aber um Inklusion umzusetzen, ist eine entsprechende Ausstattung der Kitas und Schulen nötig, die Unterrichtsmethoden werden sich ändern müssen und der Umgang mit Vielfalt muss Bestandteil der pädagogischen Aus- und Weiterbildung werden. Wie Inklusion gelingen kann und wo die Herausforderungen liegen, zeigt dieser Blickpunkt. Vor allem aber zeigt er, dass die Urangst des Bildungsbürgertums, dass Lernstarke in gemischten Gruppen zu kurz kommen, unbegründet ist: Nicht nur die kognitiven Leistungen, auch die sozialen Kompetenzen aller Kinder sind deutlich besser. Alle Themen des Blickpunkts finden Sie unter BIBER - Netzwerk frühkindliche Bildung unter anderem: Das System muss sich den Kindern anpassen Geschrieben von Administrator am 29.03.2012 |
| Eintrag vom: 26.03.2012 |
Förderschulen “Lernen” ganz abschaffenPressemeldung blidungsklick.de 26.03.2012 (dpa) – Der Anteil der Schüler in Deutschland, bei denen Experten einen sonderpädagogischen Förderbedarf feststellen, steigt stetig an. Seit 2001 wuchs die Förderquote von 5,4 auf 6,4 Prozent im Jahr 2010, wie aus einem Bericht der Kultusministerkonferenz (KMK) hervorgeht. Von den insgesamt gut 486 600 dieser Schüler wurden knapp die Hälfte (41,6 Prozent) dem Förderschwerpunkt Lernen zugeordnet – den es so nur in den deutschsprachigen Ländern gibt. Der Bildungsforscher Klaus Klemm plädiert dafür, diesen Förderschwerpunkt und zwei weitere ganz abzuschaffen. Denn so würden diese Kinder erst gar nicht mehr in der bildungsmäßigen “Sackgasse” Förderschule “Lernen” landen können. “Die Empfehlung lautet, die drei Förderschwerpunkte Lernen, emotionale Entwicklung und Sprache auslaufen zu lassen”, sagte Klemm dem dpa-Dossier Bildung Forschung. Die Kinder sollen regelhaft in den Grundschulen eingeschult werden. Für diese Bereiche sollten ausschließlich Förderdiagnosen gestellt werden, damit die Kinder eine fortlaufende individuelle Förderung an den Regelschulen erhalten. Der Bildungsökonom Klemm von der Universität Duisburg-Essen und der Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss-Lausitz von der Technischen Universität Berlin hatten diesen Schritt auch in einem Gutachten für Nordrhein-Westfalen empfohlen. Die drei Förderschwerpunkte zählen zu den insgesamt acht von der KMK definierten Förderbereichen, wie auch Hören, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung oder geistige Entwicklung. Doch bei den beanstandeten drei Bereichen ist die Diagnose besonders schwierig, da die Grenzen nicht objektiv sondern unklar seien, wie Klemm erläuterte. Doch die Folgen einer entsprechenden Diagnose wiegen schwer: Die auf Förderschulen verwiesenen “Langsamlerner”, wie die Kinder anderwo in Europa auch genanntnwerden, oder die erziehungsschwierigen Jungen und Mädchen werden zum großen Teil die deutsche Schule ohne Abschluss verlassen. Von den 40 200 Abgängern der Förderschulen im Jahr 2010 hatten Dreiviertel (75,3 Prozent) keinen Hauptschulabschluss. Davon stammt der größte Teil (49,5 Prozent) aus dem Förderschwerpunkt Lernen und nur 25,8 Prozent aus den anderen Förderschwerpunkten zusammen. Klemm zufolge gibt es “klare Hinweise”, dass für lernschwache Kinder das kognitive Lernen in inklusiven Schulen förderlicher ist als in ausschließenden, exklusiven Schulen. “Kinder, die man in die Förderschule abschiebt, nimmt man die Möglichkeit des Schulabschlusses”, sagte Klemm. Dies sei eine Verletzung des Menschenrechts auf Bildung. Die UN-Konvention für die Rechte von Behinderten, die vor drei Jahren, am 26. März 2009, in Deutschland in Kraft trat, fordert einen inklusiven Unterricht behinderter Kinder an Regelschulen. So will sie entsprechende Menschenrechtsverletzungen verhindern helfen. Die Konvention verbiete allerdings keine Förderschulen, sagt Klemm. Die Eltern sollten die Wahlfreiheit für ihre Kinder haben. “Eine solche Doppelstruktur ist aber das teuerste System”, betonte der Bildungsökonom. Die meisten Integrationsschüler kommen aus Bereich Lernen Hat die KMK-Empfehlung für den Ausbau der Förderung in allgemeinen Schulen von 1994 laut Kultusministerkonferenz bisher “kaum Wirkungen gezeigt”, so bahnen sich nach der UN-Konvention jetzt erste Fortschritte an. Im Jahr 2010 lernten deutschlandweit über 108 640 Förderschüler an allgemeinen Schulen – 13,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der sogenannten Integrationsschüler an allen Förderschülern stieg damit seit 2001 von 12,4 auf 22,3 Prozent, wobei die Anteile in den 16 Bundesländern stark schwanken. Die Mehrheit der Integrationsschüler (56,2 Prozent) besucht die Grundschule. Die Förderschüler, die auf Regelschulen gehen, stammen zum allergrößten Teil aus den drei Förderbereichen, die Klemm auslaufen lassen möchte: aus dem Bereich Lernen 43,5 Prozent, dem Bereich emotionale und soziale Entwicklung 23,5 Prozent und dem Bereich Sprache 15,2 Prozent. Mit einer Verminderung der Förderbereiche würde auch die Förderquote sinken. Dann könnte sich Deutschland tendenziell einem Wert annähern, der vor der Ausdifferenzierung der Förderbereiche bestand: Im Jahr 1950 betrug die Förderquote laut Klemm gerade 1 Prozent. Ursula Mommsen-Henneberger (dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 13/2012, 26.03.2012) © 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
Geschrieben von Administrator am 26.03.2012 |
| Eintrag vom: 23.03.2012 |
Inklusion: Gründlichkeit und Nachhaltigkeit statt übertriebener HastPressemitteilung DPhV 23.03.2012 Für überfällig und richtig befand es der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger, dass in der heute vorgelegten Studie von Prof. Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung der Versuch unternommen werde, das Investitionsvolumen zu beziffern, das durch das Inkrafttreten der UN-Behindertenkonvention in Deutschland notwendig werde. „Inklusion ist nicht zum Nulltarif zu haben und schon gar nicht ein Sparmodell“, sagte der Verbandsvorsitzende in Berlin. Man müsse alles tun, damit mehr behinderten Kindern als bisher der Weg an Grund- und weiterführende Schulen ermöglicht werden könne. Allerdings kritisierte er die Grundannahme der Studie. Die UN-Konvention sage nichts über die Art und Weise aus, wie die Inklusion schulorganisatorisch umgesetzt werde. Die in der Studie enthaltene Behauptung, Förderschulen müssten im Zuge der Inklusion verschwinden, sei durch den Vertragstext nicht gedeckt. Auch Inklusionsmusterländer wie etwa Finnland setzten auf verschiedene Wege der Inklusion. Dazu gehörten die Integration in Regelschulen genauso wie zeitweise Differenzierung in Einzelgruppen, Spezialklassen und nach wie vor hochspezialisierte Förderzentren. Meidinger erklärte: „Die Höhe der Inklusionsquote sagt für sich noch überhaupt nichts aus über die Qualität der inklusiven Beschulung. Italien hat beispielsweise ein hohe Inklusionsquote, aber eine nachweislich schlechtere Förderung behinderter Kinder als Deutschland.“ Sorgfalt, Gründlichkeit und Nachhaltigkeit müssten Vorrang vor Schnelligkeit haben, sagte er und mahnte auch an, dass die Umsetzung des Inklusionsgedankens nicht dazu führen dürfe, dass für alle anderen dringend notwendigen Schulreformen kein Geld mehr da sei. „Nötig sind zusätzliche Mittel, diese Herausforderung ist nicht durch bloße Umschichtungen innerhalb der Schuletats zu stemmen!“, betonte Meidinger. In diesem Zusammenhang kritisierte der Philologenverbandsvorsitzende heftig die Behauptung des Auftragsgebers der Studie, Jörg Dräger, die Förderschulen in Deutschland hätten versagt und sich als Isolationsfalle entpuppt. „Dies ist eine Negierung des Willens zahlreicher Eltern, die ihre Kinder bewusst wegen der Förderungsmöglichkeiten an diese Schulen schickten, und eine Missachtung der mühsamen Arbeit enorm engagierter Lehrkräfte an Förderschulen!“ Für die Gymnasien bekräftigte Meidinger die Absicht seines Verbandes, diese Herausforderung der Inklusion offensiv anzunehmen. Die in Studien mehrfach festgestellte hohe Sozialkompetenz von Gymnasiasten biete eine günstige Voraussetzung für gelingende Inklusionsprozesse. Geschrieben von Administrator am 23.03.2012 |