Presseveröffentlichung Spiegel Online 08.07.10
Von Lars Geiges und Jochen Leffers
Im NRW-Wahlkampf haben SPD und Grüne die große Schulreform angekündigt. Jetzt zeigt sich: Die Grundrenovierung des Bildungssystems fällt aus, stattdessen gibt es einen Umbau light. Dennoch formiert sich wütender Protest bei Lehrern und Eltern.
Die tiefen Wunden sind noch immer nicht richtig verheilt - dabei ist der Streit schon mehr als 30 Jahre her. 1976 veröffentlichte die SPD-Regierung in Nordrhein-Westfalen einen Gesetzentwurf für die “kooperative Schule”. Hauptschulen im Land sollten mit mindestens einer weiteren Schule vereinigt werden - die Realschule musste, das Gymnasium sollte eingegliedert werden.
Die Aufregung war groß. Gesamtschulen waren bis dahin unbekannt. Die Opposition warnte vor dem großen Bildungsverfall. Eltern protestierten und zettelten ein Volksbegehren gegen die “Koop-Schule” an, unterstützt von der CDU sammelten sie dreieinhalb Millionen Unterschriften. Das Volksbegehren von 1978 ist bisher das einzig erfolgreiche in NRW. Die SPD war blamiert.
Dennoch unternehmen die Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr jetzt einen neuen Reformversuch. In der kommenden Woche soll SPD-Landeschefin Hannelore Kraft zur Ministerpräsidentin gewählt werden und mit den Grünen eine Minderheitsregierung bilden. Eines der ersten rot-grünen Vorhaben: die Einführung von Gemeinschaftsschulen.
Doch die große Reform kommt nun mit geringerer Wucht, als es die wahlkämpferischen Ambitionen von Sozialdemokraten und Grünen nahelegten. “Wir brauchen schleunigst ein durchlässigeres Schulsystem”, hatte Kraft stets betont und sich ebenso für Gemeinschaftsschulen stark gemacht wie Grünen-Fraktionschefin Sylvia Löhrmann, die Bildungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin werden soll.
Bloß kein “Schulkrieg” - aber auch nur ein bisschen Frieden
Geschrieben von Administrator am 08.07.2010 um 02:38:45
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