Jahrestagung der Westfälisch-Lippischen Direktorenvereinigung
Pressemitteilung MSW 02.12.2011
Schulministerin Sylvia Löhrmann war heute zu Gast auf der Jahrestagung der Westfälisch-Lippischen Direktorenvereinigung (WDV) in Hamm, um mit Schulleiterinnen und Schulleitern über die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems zu diskutieren. „Das Ziel der Landesregierung ist klar: Die Förderung auch von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Behinderungen soll in den allgemeinen Schulen der Regelfall werden, so wie es die UN-Behindertenrechtskonvention verlangt“, erklärte die Schulministerin zu Beginn der Tagung. „Wir wollen Eltern von Kindern mit Behinderungen aus der Rolle als Bittsteller herausholen. Bei der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention geht es um die schrittweise Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems – und in einem ersten Schritt um die Erfüllung eines Anspruchs auf den gemeinsamen Unterricht in einer geeigneten allgemeinen Schule.“
Vor über einhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern hob die Ministerin die Rolle der Schulleitungen im Inklusionsprozess hervor: „Wir alle wünschen uns eine qualitativ hochwertige individuelle Förderung unserer Kinder und Jugendlichen. Der entscheidende Schritt dahin ist die Entwicklung inklusiver Kompetenz in der allgemeinen Schule. Schulleiterinnen und Schulleiter sind in diesem Prozess besonders gefordert, denn sie steuern diesen grundlegenden Wandel vor Ort. Für die Landesregierung sind sie ein wichtiger Partner.“
Ministerin Löhrmann betonte, dass ein inklusives Schulsystem selbstverständlich alle Schulformen einschließe: „Auch Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien sind mit dem grundlegenden Thema ‚Umgang mit Heterogenität’ vertraut. Ich freue mich daher, dass immer mehr Gymnasien die Herausforderung annehmen und nun gemeinsamen Unterricht ermöglichen.“
Die Ministerin ging in ihrer Rede auch auf die öffentlichen Diskussionen über das wissenschaftliche Gutachten der Erziehungswissenschaftler Klaus Klemm (Universität Duisburg-Essen) und Ulf Preuss-Lausitz (TU Berlin) ein, die für die Förderschwerpunkte Lernen, Emotionale und Soziale Entwicklung sowie Sprache ein Auslaufen der Förderschulen vorschlagen. Sie betonte erneut, dass dieses Gutachten nicht als „Drehbuch“ für die Landesregierung zu verstehen sei: „Ein inklusives Schulsystem kann nur schrittweise durch Veränderung, Anpassung und Weiterentwicklung bestehender Strukturen entwickelt werden. Wir müssen klären, in welchem Ausmaß Förderschulen auch in Zukunft trotz Inklusion noch erforderlich sein werden. Grundlegende politische Leitentscheidungen zum Inklusionsprozess stehen in den kommenden Wochen und Monaten an. Mir ist wichtig, dass sie in einem transparenten, kommunikativen Prozess unter Einbeziehung von Betroffenen, Beteiligten und Verantwortlichen vollzogen werden und wir auf dieser Basis dann zügig einen ersten Gesetzentwurf hin zur Inklusion vorlegen können.“
Geschrieben von Administrator am 02/12 um 04:07:45