Aus gegebenem Anlass (siehe Pressemitteilung im GA vom 11.06.09) und der vielen Rückfragen besorgter Eltern wegen, möchte die Stadtschulpflegschaft noch einmal klarstellen, dass sich die Unterstützung der Stadtschulpflegschaft im Rahmen des Bildungsstreiks lediglich auf die Schülerdemonstration am Mittwoch, den 17.06. beschränkt und wir uns, auch entgegen anderslautenden Darstellungen, von autonomen Spontanaktionen von Bildungsstreikenden an allen Tagen der Bildungsstreikwoche und Positionen extremer linker Randgruppen distanzieren.
Im Rahmen einer gut besuchten Informationsveranstaltung der Stadtschulpflegschaft am Mittwoch, den 10.06. haben die Organisatoren des Bonner Bildungsstreiks ihre Positionen und Absichten den anwesenden Eltern vorgestellt und sich den kritischen Fragen der Eltern zum Bildungsstreik gestellt. In Bonn wird der Bildungsstreik vom Bonner “Schülerstreikkomitee/Bonner Jugendbewegung” organisiert. Es ist ein Zusammenschluss von Schülerinnen und Schülern aus Bonner Schulen, die sich in den Schülervertretungen der Schulen, der Bezirksschülervertretung und der Landesschülervertretung engagieren. Sie sind nach eigener Aussage mehrheitlich im bürgerlichen Politikspektrum (Jugendorganisationen hiesiger Parteien und Gewerkschaften) verankert oder fühlen sich parteipolitisch nicht gebunden. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler konnten überzeugend ihre Unabhängigkeit gegenüber politischen (linken) Randgruppen darstellen. Leider wird die Zusammensetzung des Organisationskomitees auf der Homepage der Bildungsstreikorganisatoren „Schülerstreikkomitee/Bonner Jugendbewegung“ nicht deutlich. Dennoch wird man ihrem Anliegen nicht gerecht, wenn man sie pauschal in eine linke, extremistische Ecke einsortiert.
Der Forderungskatalog der Bildungsstreikenden ist natürlich weit gefasst und die Stadtschulpflegschaft unterstützt nicht alle Forderungen im Detail, aber sie liegen auch nicht außerhalb der allgemeinen (auch in den Parlamenten) geführten bildungspolitischen Auseinandersetzung. Der Wunsch nach kleineren Klassen, einer besseren Lehrerversorgung und besserer finanzieller Ausstattung der Schulen und Bildungseinrichtungen ist Konsens in allen politischen Parteien, auch in NRW.
Das die bildungspolitischen Verantwortungsträger in NRW und ihnen politisch nahestehende Organisationen (darunter auch der ASTA der Uni Bonn) die Forderungen und die Form des Bildungsstreiks nicht unterstützen können, ist nicht weiter erstaunlich und kann man auch nicht erwarten, dass sich der ASTA im Zuge der öffentlichen Diskussion (auch im Generalanzeiger) vom Bildungsstreik distanziert, ist damit auch nicht überraschend. Die fehlende Transparenz auf der Homepage der Bonner Organisatoren bietet zudem Spielraum und Angriffsfläche für Spekulationen über die politische Gesinnung der streikenden Protagonisten.
Richtig ist, dass sich im bundesweiten Aktionsbündnis auch linke Randgruppen tummeln, aber wie im GA-Artikel schon korrekt wiedergegeben, wird der Streik (besonders hier in Bonn) mehrheitlich vom ‘demokratischen Spektrum’ getragen. Dies spiegelt die persönliche Darstellung der Schülerinnen und Schüler vom Organisationskomitee und die Wahrnehmung der Eltern im Rahmen unserer Informationsveranstaltung wider.
Die Stadtschulpflegschaft unterstützt das Anliegen der Schülerinnen und Schüler sich zu organisieren und aus ihrer eigenen tagtäglichen Erfahrung schulpolitische Themen aufzugreifen und aktiv zu vertreten. Unabhängig von der politischen Position sollten wir dieses Engagement nicht durch eine extremistische Randgruppendiskussion im Keim ersticken oder diskreditieren. Streiken und demonstrieren gehört mit zur politischen Meinungsäußerung und das sollten wir fördern und aktiv unterstützen.
Wenn Sie allerdings Zweifel an der Rechtmäßigkeit oder den Forderungen des Bildungsstreiks haben oder Nachteile für Ihre Kinder erwarten, sollten Sie Ihren Kindern die Teilnahme am Streik nicht erlauben. Wir können und werden keine Empfehlung für eine Teilnahme am Streik aussprechen. Wir möchten die Eltern unabhängig über den Streik informieren. Sie sollen sich eine Meinung bilden, denn die Teilnahme am Streik liegt in Ihrer, in der Verantwortung der Eltern, das ist unser Anliegen.
Dr. Hartmut Dutz
Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft Bonn
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Geschrieben von Administrator am 13/06 um 02:52:14