Symbolbild: Öffentlicher Nahverkehr

[2021.08.26] Presseanfrage und unsere Antworten

Wir bekommmer immer mal wieder verschiedene Anfragen zum Thema “Schulen und Pandemie”. Unsere Antworten werden dann häufig Teil der Berichterstattung. Allerdings – und das kann man auch niemandem vorwerfen – können oft nur wenige Sätze und Stichworte unserer ausführlichen Antworten in die Zeitungen gelangen. Daher haben wir uns entschieden, unsere Antworten auf ausgewählte Anfragen hier auf unserer Webseite zu veröffentlichen, weil wir denken, dass diese Antworten zum Einen unsere Sichtweise darstellen, aber machmal auch Fragen unserer Eltern beantworten.

Die folgenden Fragen wurden verkürzt zusammengefasst und alle Bezüge zur fragenden Person gelöscht. Uns geht es darum, die ausführlichen Antworten öffentlich anzubieten, nicht um den direkten Bezug zu Journalist:innen *.

These:

[Verkürzt:] Die Busse und Bahnen sind in Bonn voll, insbesondere zu der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr, “wenn viele Kinder unter 12 Jahren auf dem Schulweg sind.” …

Ich bedanke mich vorab und bitte um Antwort bis 13 Uhr am heutigen ….

Die Fragen:

  • Beobachtet die Schulpflegschaft das Problem auch? Sind die Verstärkerfahrten ausreichend? Augenscheinlich ist dies nicht der Fall.
  • Welchen Appell richtet die Schulpflegschaft an die Stadt, um in Zeiten explodierender Inzidenz etwas zum Schutz von ungeimpften Kindern zu unternehmen? Sind mehr Verstärkerfahrten eine Option?

Anmerkung: Auf Grund der Art der Fragen des*der Journalist*in erkennt man leider bereits eine deutliche Tendenz der geplanten Berichterstattung. Obwohl wir “manipulative” Fragen missbilligen, geben wir dennoch gelegentlich auch darauf Antworten. Und das wir keine “Schulpflegschaft” sondern die “Stadt-Schulpflegschaft” sind, verwechseln auch andere. Ist ja auch kompliziert…

Unsere Antwort:

Sehr geehrte* …,

die Stadtschulpflegschaft (d.h. die Elternvertretung der Bonner Schulkinder) beobachtet und bemängelt schon seit vielen Jahren, dass die Busse in den Zeiten, wo Schulkinder befördert werden müssen, auf manchen Linien extrem überfüllt sind. Das ist kein neues Phanomen. Aber natürlich zeigt sich gerade in solchen Pandemiezeiten noch deutlicher, dass es hier Mängel gibt, die man beheben sollte. Anstrengungen dazu werden ja immer wieder mal gemacht! Kleinere Kinder, die auf den ÖPNV angewiesen sind, haben da nicht immer eine gute Lobby. Veränderungen zu erzielen ist aber auch eine Frage der Möglichkeiten der Stadtwerke und der Finanzierung. Vielleicht ergibt sich vor dem Hintergrund des Bewusstseins für Pandemien hier auf Dauer ein Umdenken.

Die Thematik überfüllter Busse ist generell für ungeimpfte und geimpfte Kinder und Erwachsene ein Problem. Den Mindestabstand, wie er in einem Hygienekonzept festgehalten werden muss, werden wir in den Bussen in Stoßzeiten ohnehin nicht erreichen. Gemessen an den Realitäten scheint die Aussage auf der Webseite der Stadtwerke Bonn unter https://www.swb-busundbahn.de/service/kontakt-und-infos/oepnv-in-bonn-in-zeiten-der-corona-krise/ schon fast zynisch “Das Einhalten der Maskenpflicht ist umso wichtiger, da nicht in allen Fällen ausreichende Abstände von 1,50 Meter eingehalten werden können. Wir empfehlen Ihnen deshalb auch die Corona-Warn-App zu installieren.” (Hervorhebung von mir). Der Begriff “stehen wie die Heringe” dürfte zu manchen Zeiten und auf manchen Linien den Umstand und die Problematik recht gut veranschaulichen.

Gerade, da dieses Problem zwar jetzt besonders akut ist, es aber auch zu anderen Zeiten ebenfalls relevant ist (eine Erkältungs-/Grippewelle hat das gleiche Problem, nur vielleicht nicht in der gleichen Ausprägung), wünschen wir uns von der Stadt Bonn und den Stadtwerken, dass sie die Zusammenarbeit z.B. mit unserem Eltern-Arbeitskreis Mobilität intensivieren und verstärkt nach guten Lösungen suchen. Dazu können weitere Verstärkerfahrten gehören, die ja auch schon in manchen Bereichen durchgeführt werden, aber man könnte auch überlegen, ob z.B. HEPA-Filter und/oder Virus-reduzierende Techniken in den Lüftungsanlagen der Busse und Bahnen helfen würden und einiges mehr. Die Mobilität der Schülerinnen und Schüler – wo möglich – z.B. auch auf das Fahrrad zu verlagern, würde ebenfalls für die die Lage verbessern, die nicht mit dem Fahrrad kommen können. Nur mit gemeinsamen, heterogenen Arbeitsgruppen können realistische Szenarien überdacht und Argumente offen ausgetauscht werden. Kommunikation sorgt immer für mehr Verständnis und regt gute Ideen an.

Soweit als schnelle Rückmeldung der Stadtschulpflegschaft.

Mit freundlichen Grüßen


PS: Nur noch eine Anmerkung: Ich weiß, dass im Nachrichtengeschäft Schnelligkeit von großer Bedeutung ist. Dennoch vergessen Sie bitte nicht, dass wir diese Tätigkeit nur im Ehrenamt machen. Die meisten von uns stehen in einer (Vollzeit-)Beschäftigung. Falls also – leider – von uns keine rechtzeitige Rückmeldung erfolgt, oder wie in der Ferienzeit überhaupt keine, nehmen Sie uns das bitte nicht übel.


Ein Hinweis an alle Eltern: Wir haben schon früher bekannt gegeben, dass wir gerne Hinweise auf besondere Überlastungen der Bus- und Bahnlinien bekommen möchten, wenn Sie über den “gelegentlichen Einzelfall” hinausgehen. Sollte Ihnen also so eine Situation bekannt sein, melden Sie sich gerne über Ihre Delegierten der Schulpflegschaft (wo das auch Thema sein sollte!) oder direkt unter mobilitaet@ssp-bonn.de bei uns.