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Eintrag vom:
24.06.2013

Den Weg zu einem sozial gerechteren Schulsystem konsequent fortsetzen

Pressemitteilung MSW 24.06.2013

Schulministerin Sylvia Löhrmann sieht durch den heute veröffentlichten Chancenspiegel 2013 die Schwerpunkte der nordrhein-westfälischen Bildungs- und Schulpolitik bestätigt. „Wir müssen weiterhin systematisch und konsequent daran arbeiten, dass alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen haben“, sagte Ministerin Löhrmann. „Die Studie bescheinigt allen Bundesländern, dass nach wie vor der Schulerfolg wesentlich von der sozialen Herkunft bestimmt wird. In Nordrhein-Westfalen sind wir mit dem Ausbau des Ganztags und den Schulen des längeren gemeinsamen Lernens, die die Bildungswege länger offen halten, auf einem guten Weg zu mehr Chancengerechtigkeit. Wir möchten mehr Schülerinnen und Schüler zu besseren Abschlüssen führen und ihnen von Anfang an die bestmögliche individuelle Förderung bieten.“ An den Zahlen der Hochschulberechtigten lasse sich eine erfreuliche Entwicklung erkennen, so die Ministerin. Laut Chancenspiegel erreichen in NRW 59,1 Prozent der jungen Erwachsenen die Hochschulreife. Damit hat sich NRW gegenüber dem Vorjahr gesteigert und liegt bundesweit in der Spitzengruppe.

Die Ministerin betonte, dass der Abbau sozialer Barrieren im Schulbereich zu den zentralen Herausforderungen zähle, denen sich Bund und Länder in gemeinsamer Verantwortung stellen müssten: „Bildungspolitik ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Kooperationsverbot muss fallen, damit sich der Bund bei wichtigen bildungspolitischen Vorhaben finanziell beteiligen kann. Das gilt beispielsweise für die Umsetzung die Inklusion. Wir befinden uns in NRW auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem. Wir arbeiten sehr hart daran, im Spannungsfeld widerstreitender Interessen mit dem Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu einem guten Ergebnis zu kommen.“

Einen Schwerpunkt widmeten die Autoren des Chancenspiegels dem ganztägigen Lernen: Dieses habe großes Potenzial für mehr Chancengerechtigkeit in der Schule. Ministerin Löhrmann: „Die Landesregierung baut Schritt für Schritt Ganztagsangebote und Ganztagsschulen aus. Fast alle Grundschulen in NRW bieten ein Ganztags- oder Betreuungsangebot. Neben der Quantität muss selbstverständlich auch die Qualität der Ganztagsangebote stimmen.“

Geschrieben von Administrator am 24.06.2013

Eintrag vom:
24.06.2013

Chancengerechtigkeit in der Bildung verbessert sich nur langsam

Pressemitteilung Bertelsmann Stiftung 24.06.2013

Mehr Chancengerechtigkeit bleibt die Kernherausforderung der deutschen Schulsysteme – auch wenn es im Vergleich zum Schuljahr 2009/10 positive Tendenzen gibt. Das zeigt der aktuelle Chancenspiegel, den die Bertelsmann Stiftung und die Universitäten Dortmund und Jena am Montag in Berlin vorstellten. Demnach verlassen weniger junge Menschen die Schule ohne Abschluss, allerdings ist schon in der Grundschule der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängig. Auch die Durchlässigkeit hat sich nur minimal erhöht, nach wie vor steigen deutlich mehr Schüler eine Schulform ab als auf. “Insgesamt geht es mit der Chancengerechtigkeit eher im Schneckentempo voran”, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Das liege auch daran, dass der Ausbau von Ganztagsschulen nur schleppend vorwärts kommt und die Bedeutung der Förderschulen trotz Bemühungen um mehr Inklusion kaum nachlässt.

Der Chancenspiegel hatte im vergangenen Jahr – zehn Jahre nach der ersten Pisa-Studie – erstmals für jedes Bundesland analysiert, wie gerecht und wie leistungsstark das jeweilige Schulsystem ist. Die diesjährige Neuauflage dokumentiert, wie sich seit dem Schuljahr 2009/10 die Chancen von Schülern verändert haben, soziale Nachteile zu überwinden und ihr Leistungspotenzial auszuschöpfen. Das analysiert der Chancenspiegel in vier Dimensionen: Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe.

Den stärksten Positiv-Trend verzeichnet Deutschland bei den Schulabschlüssen. Der Anteil der Schulabbrecher sank um mehr als ein Zehntel von 6,9 auf 6,2 Prozent. Zugleich stieg der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulreife auf ein Rekordhoch – mehr als jeder Zweite (51,1 Prozent) erwirbt inzwischen einen Schulabschluss, der zur Aufnahme eines Studiums berechtigt. Stagnation hingegen herrscht beim Kompetenzerwerb: Das Leseverständnis der Grundschüler bewegt sich auf nahezu demselben Niveau wie vor zehn Jahren, und es ist weiterhin stark abhängig von der sozialen Herkunft; damals wie heute liegen die Kinder aus niedrigen Sozialschichten bei der Lesekompetenz durchschnittlich um ein Jahr zurück.

Wenig Veränderung gibt es auch bei der Durchlässigkeit der Schulsysteme. Auf einen Wechsel von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart in der Mittelstufe kommen 4,2 Wechsel in umgekehrter Richtung. Zwei Jahre zuvor betrug das Verhältnis zwischen Auf- und Abstieg 1 zu 4,3. Etwas deutlicher verringerte sich die Zahl der Klassenwiederholungen: 2010 blieben in der Sekundarstufe noch 2,9 Prozent der Schüler sitzen, zwei Jahre später waren es 2,7 Prozent.

“Entscheidend für mehr Chancengerechtigkeit sind die Qualität des Unterrichts und die individuelle Förderung aller Schüler, aber gute Rahmenbedingungen können das natürlich begünstigen”, sagte Professor Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. Hoffnungen setzen Bildungsforscher vor allem in die Ganztagsschule – eine Schulform, die nach aktuellen Umfragen zwischen 70 und 80 Prozent der Eltern favorisieren (Infratest 2011, Emnid 2012). Damit verglichen macht der Ausbau von Ganztagsangeboten jedoch nur geringe Fortschritte. Der Anteil der Schüler im Ganztagsbetrieb stieg zwischen den Schuljahren 2009/10 und 2010/11 nur von 26,9 auf 28,1 Prozent; lediglich knapp 13 Prozent aller Schüler besuchen gebundene, also für alle Schüler verpflichtende Ganztagsschulen. “Wenn sich der Ausbau der Ganztagsschulen nicht beschleunigt, dauert es noch mehr als 50 Jahre, bis für alle Kinder genug Plätze vorhanden sind. Dabei bietet gerade die gebundene Ganztagsschule gute Möglichkeiten, den Einfluss der sozialen Herkunft zu verringern“, sagte Dräger.

Auch bei der Inklusion zeigt sich im Chancenspiegel ein gemischtes Bild: Zwar besucht jedes vierte Förderkind mittlerweile eine reguläre Schule, die Bedeutung der Förderschulen verringert sich aber nur langsam: Der Anteil der Schüler, die separat auf gesonderten Schulen unterrichtet werden, sank seit dem Schuljahr 2009/10 nur geringfügig von 5,0 auf 4,8 Prozent.

Der Ländervergleich im Chancenspiegel zeigt, dass innerhalb von Deutschland die Unterschiede in allen vier untersuchten Dimensionen äußerst stark ausgeprägt sind. Kein Land allerdings ist überall spitze oder überall Schlusslicht. Professor Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund: “Die Bundesländer haben jeweils Stärken und Schwächen, alle haben Nachholbedarf.” Das Ausmaß der Unterschiede verdeutlichen einige Beispiele: In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil der Schulabbrecher mit 13,3 Prozent fast dreimal so hoch wie im Saarland (4,8 Prozent). In Sachsen ist der Abstand zwischen Schülern oberer und unterer Sozialschichten nur etwa halb so groß wie in Bayern. Und während in Brandenburg auf einen Aufwärtswechsel lediglich 1,8 Abwärtswechsel kommen, liegt das Verhältnis in Bremen bei 1 zu 9,8. Starke Unterschiede gibt es auch beim Hochschulzugang: In Nordrhein-Westfalen erreichen 59,1 Prozent die Berechtigung zu studieren, in Sachsen-Anhalt nicht einmal 37 Prozent.

Fortschritte bei der Chancengerechtigkeit seien nicht zuletzt eine Frage von Investitionen in Bildung, so Dräger. Für zentrale Reformen wie Ausbau der Kitas und Ganztagsschulen, Lehrerbildung oder Inklusion fehle den Ländern jedoch oftmals das Geld. “Die Länder haben in der Bildung zusätzliche Aufgaben bekommen. Dafür brauchen sie auch zusätzliches Geld”, sagte Dräger. Statt einer großen Föderalismusreform über eine Grundgesetzänderung plädierte er für eine pragmatische Variante: “Der Bund kann den Ländern über Artikel 106 für die neuen Aufgaben pauschal mehr Geld zur Verfügung stellen. Im Gegenzug sollten die Länder mehr Transparenz über die Bildungsergebnisse gewähren, damit die sinnvolle Verwendung der Mittel gesichert ist.” Dafür könne ein Nationaler Bildungsrat sorgen, der neben der konzeptionellen Unterstützung von Reformen auch regelmäßige Leistungsvergleiche zwischen den Bundesländern verantworten solle.

Der Chancenspiegel versteht sich als ein ergänzendes Instrument der Bildungsberichterstattung. Ziel ist, Chancengerechtigkeit konkret zu erfassen und vergleichbar zu machen, damit Wissenschaft und Politik dieses zentrale Thema besser diskutieren und bewerten können. Der Chancenspiegel basiert auf einem umfassenden Verständnis von Chancengerechtigkeit, das unterschiedliche Theorieansätze zusammenführt und operationalisiert. In den vier Dimensionen Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe bewertet er ausgewählte Indikatoren aus den amtlichen Statistiken und empirischen Leistungsvergleichsstudien. Ein Gruppenvergleich stellt die Chancenprofile der Bundesländer dar. Alle Informationen sind übersichtlich und grafisch aufbereitet unter www.chancen-spiegel.de. Der Chancenspiegel wird in den kommenden Jahren fortgeschrieben. Herausgeber sind die Bertelsmann Stiftung, das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technischen Universität Dortmund und das Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Chancenspiegel 2013: Chancenprofil Nordrhein-Westfalen (PDF 102 KB)

Chancenspiegel aller Bundesländer im Überblick

Geschrieben von Administrator am 24.06.2013

Eintrag vom:
18.03.2013

Inklusion im deutschen Schulsystem kommt nur eingeschränkt voran

Pressemeldung Bertelsmann Stiftung 18.03.2013

Die Inklusion im deutschen Schulsystem kommt voran, ohne dass allerdings die Sonderschulen an Bedeutung verlieren. Inzwischen besucht zwar jeder vierte Schüler mit Förderbedarf eine reguläre Schule. Seit Deutschland sich vor vier Jahren verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten, ist der Inklusionsanteil damit bundesweit um ein Drittel (von 18,4 auf 25 Prozent) gestiegen. Dies hat jedoch nicht dazu geführt, dass weniger an Sonderschulen unterrichtet wird. Denn bei immer mehr Schülern wird sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert. Der Anteil der Sonderschüler an der gesamten Schülerschaft bleibt dadurch nahezu konstant. Das geht aus einer aktuellen Studie von Bildungsökonom Professor Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.

“Inklusion nimmt in Deutschland an Fahrt auf. Kinder mit Handicaps müssen nicht länger automatisch auf eine getrennte Förderschule gehen”, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, mit Verweis auf den deutlich gestiegenen Inklusionsanteil. Zugleich steige jedoch die Zahl der Förderschüler: Im März 2009, als die UN-Konvention zur Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem in Kraft trat, lag der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Handicaps an der gesamten Schülerschaft noch bei sechs Prozent. Im Schuljahr 2011/12 betrug er 6,4 Prozent. Insgesamt haben damit rund eine halbe Million Schüler in Deutschland besonderen Förderbedarf. Damit ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die nicht auf eine reguläre Schule gehen, seit 2009 von 4,9 auf 4,8 Prozent nur minimal gesunken. Das belege, so Dräger, dass das Doppelsystem aus Regelschulen einerseits und separaten Förderschulen andererseits unverändert Bestand habe.

“Solange das Doppelsystem aus Regel- und Förderschulen in der heutigen Form besteht, ist erfolgreiche Inklusion schwierig, weil die Förderschulen jene Ressourcen binden, die dringend für den gemeinsamen Unterricht benötigt werden”, sagte Professor Klemm. Im vergangenen Jahr hatte Klemm in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenn die Mittel der derzeitigen Förderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden – bundesweit jährlich 660 Millionen Euro für 9.300 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten. Dräger: “Inklusion ist richtig und wichtig, aber die Schulen brauchen Unterstützung und vor allem genügend gut ausgebildetes Personal.”

Wie in vielen Bildungsbereichen, sind auch beim Thema Inklusion die Unterschiede zwischen den Bundesländern enorm groß. Ausbau des gemeinsamen Unterrichts, Stellenwert von Sonderschulen und Anerkennung von Förderbedarfen – bei allen drei Faktoren weichen die Bundesländer erheblich voneinander ab. “Drei Viertel der Schüler auf den separaten Förderschulen schaffen nicht einmal den Hauptschulabschluss”, sagte Dräger: “Inklusion ist eine nationale Herausforderung. Trotzdem fehlt es weiterhin an einem gemeinsamen Verständnis der Länder, an inhaltlichen Konzepten und an bundesweiten Standards.”

In Bremen (55,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (54,1 Prozent) etwa besuchen mehr als die Hälfte aller Förderschüler eine reguläre Schule. In Niedersachsen (11,1 Prozent) hingegen wird lediglich jeder neunte Förderschüler inklusiv unterrichtet. Die größte Steigerung des Inklusionsanteils seit 2009 verzeichnet Hamburg: Dort hat sich der Anteil der Förderkinder, die eine reguläre Schule besuchen, weit mehr als verdoppelt (von 14,5 auf 36,3 Prozent). Ähnliches gilt für Sachsen-Anhalt (von 8,6 auf 20,5 Prozent).

Ebenfalls große Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen in der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kind als förderbedürftig eingestuft wird: In Mecklenburg-Vorpommern (10,9 Prozent) haben anteilig mehr als doppelt so viele Schüler besonderen Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen (4,9 Prozent).

Uneinheitlich präsentiert sich Deutschland im Ländervergleich auch bei der Bedeutung der Sonderschulen für das jeweilige Schulsystem. In Schleswig-Holstein beträgt der Anteil der Schüler, die separat unterrichtet werden, nur noch 2,7 Prozent – in Mecklenburg-Vorpommern (7,6 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit auf den Besuch einer getrennten Förderschule fast drei Mal so hoch.

So gibt es Länder, in denen die Bedeutung der Förderschulen stark zurückgegangen ist, allen voran Bremen. Der Anteil der Schüler, die separat unterrichtet werden, ging dort seit 2009 von 4,6 auf 2,8 Prozent zurück. Auch Thüringen hat die Exklusionsquote von 7,5 auf 5,2 Prozent erheblich gesenkt. Dies spiegelt jedoch keinen bundesweiten Trend, denn in einigen Ländern ist seit Inkrafttreten der UN-Konvention diese Quote sogar gestiegen: in Nordrhein-Westfalen (5,3 statt 5,2), Hessen (4,5 statt 4,3), im Saarland (4,4 statt 4,2) und besonders stark in Baden-Württemberg (5,0 statt 4,7 Prozent). “Dem Inklusionsgedanken läuft diese Entwicklung eigentlich zuwider”, sagte Dräger.

Studie Inklusion in Deutschland [pdf 3MB]
Inklusion in NRW [pdf 51KB]

Alle Daten und Studien auch für die anderen Bundesländer finden Sie hier ...

Geschrieben von Administrator am 18.03.2013

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